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10.03.2010

Leichtere Flugzeugsitze für weniger Kerosinverbrauch

Kategorie: Flug News
Von: e.pf.

Beim Fliegen gilt: Je weniger Gewicht, desto weniger Treibstoffverbrauch. Den Airlines ist es mithilfe von leichteren Flugzeugsitzen möglich, mehr Passagiere in ihren Maschinen unterzubringen – auf den Komfort soll sich das nicht auswirken.

Flugzeugsitze

Flugzeugsitze der schweren Art sind echte Kerosinschlucker

Diskussionen rund um die hohen Energiekosten und den Klimaschutz sowie der Konkurrenzkampf unter den einzelnen Airlines führen immer wieder zu Änderungen: Passagiere dürfen weniger Gepäck mitnehmen, mehr Fluggäste sollen in die Jets gepackt werden können. Die Zukunft des Fliegens scheint also nicht gerade komfortabel zu sein: Bekannt sind nämlich auch Erwägungen, ob Passagiere vor der Reise den Gang zur Toilette antreten sollten, man sie zugunsten der Platzersparnis lediglich hockend statt sitzend mitfliegen lässt und zu dicke Flugbegleiter/-innen überhaupt am Boden bleiben müssen. Dieses Abspecken in vielerlei Hinsicht soll helfen, Treibstoff zu sparen und die Umwelt zu schonen, auf die Bedürfnisse der Reisenden – vor allem in der Holzklasse – wird dabei jedoch weniger Rücksicht genommen.

Vor diesem Hintergrund hört sich die neueste Lösung geradezu himmlisch, irgendwie fast unmöglich an: Leichtere Flugzeugsitze, die außerdem bequem sind und keinen Komfortverlust bedeuten – dadurch soll Fluggästen nämlich mehr Platz geboten und gleichzeitig mehr Sitze in einem Jet untergebracht werden können.

In der Branche führende Unternehmen – wie zum Beispiel eben Recaro – haben neue Produkte auf den Markt gebracht: Der 9,1-Kilo-Flugzeugsitz wurde von einem Team rund um Hartmut Schürg entwickelt. Ein herkömmlicher Economy-Stuhl wiegt im Allgemeinen zwischen 13 und 15 Kilo. Ohne sich auf den Komfort negativ auszuwirken, wird das Gewicht vermindert, indem Entwicklungsdesigner Schürg an vier Stellschrauben gedreht hat: Neue Materialien, smarte Konstruktionen, Veränderung der Sitzfunktion und moderne Software sind der Schlüssel.

Leichte Schaumstoffschichten, die Verwendung von Carbonfasern sowie neue Alu-Legierungen und volumensenkende Netzbespannungen in Kombination mit intelligenten Bauweisen führen zu einem bedeutenden Gewichtsverlust und zur Verschlankung der Sitzfläche – dies geht jedoch nicht auf Kosten von Sicherheit und Stabilität: Auch die neue Stuhlkonstruktion SL-3510 besteht den Crash-Test.
Hinsichtlich Funktion ist es wesentlich, auf welchen Flugstrecken der jeweilige Stuhl Einsatz finden soll: Bei einem Kurzflug verändern – Studien zufolge – lediglich 20 Prozent der Passagiere die Funktion der Rückenlehne. Ein nicht nach hinten gekippter Sitz benötigt weniger Platz, dasselbe gilt für Bordzeitungen und Spucktüten, die nicht unterhalb des Klapptisches verstaut werden, sondern direkt in Tischhöhe – aber dahinter: Laut Schürg bringt das beispielsweise „2,5 Zentimeter mehr für die Beinfreiheit". Moderne Software macht außerdem effizientere Simulationen und neue bionische Anwendungen möglich.

Bislang ist der 9,1-Kilo-Sitz – das SL-3510-Modell von Schürg – jedoch lediglich bei Air France an Bord: In 37 Airbus A319, 320 und 321 kann man diese auf diversen Kurzstrecken testen. Die französische Fluggesellschaft hat sich das etwa 20 Millionen Euro kosten lassen – zugunsten von 759 Kilo weniger Gewicht pro Maschine: Dies führt zu einer Einsparung von 1700 Tonnen Kerosin und bedeutet 5200 Tonnen weniger CO2 pro Jahr und Flugzeug. Dafür findet sich im Airbus A320 und A321 jeweils eine Sitzreihe mehr. – In etwa einem Jahr kann man es sich als Fluggast auch bei der Lufthansa in der Europa- und Deutschland-Flotte auf einem der voraussichtlich 30.000 Leichtgewichten bequem machen.

Hartmut Schürg nimmt unterdessen schon das nächste Abspeck-Programm in Angriff: Mithilfe von Carbon, extraleichten Alu-Legierungen und Titan könnte man das Gewicht auf 5,4 Kilo vermindern. Die Umsetzung ist allerdings eine Frage des Preises; steigen die Treibstoffkosten, werden die Airlines in leichtere Sitze investieren. Für die Umwelt und das Recaro-Team rund um Schürg also ein Grund, sich über eventuell explodierende Kerosin-Preise in Zukunft zu freuen.

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