Kerosinpreise steigen - Billigflieger immer teurer? Was an der Panikmache nicht stimmt

- Billigflieger easyJet spart Sprit - mit einer der modernsten Flotten der Welt / © easyJet
Die Kerosinpreise sind gestiegen, das Fliegen wird dadurch teurer. Von dieser Entwicklung sind auch Billigflieger betroffen. Soweit die unbestreitbaren Tatsachen, von denen Fernsehen, Presse und Internetmedien in den vergangenen Wochen und Monaten ausführlich berichtet haben.
Auch die Berichte von einigen Streckenstreichungen treffen zu, wobei man auch hier die Kirche im Dorf lassen und die Tatsache beachten sollte, dass 5 oder 6 Streichungen von vielen Tausend keine Revolution bedeuten. Allerdings war auch immer wieder von Dingen zu lesen, die entweder übertrieben wurden oder schlichtweg falsch sind! Hier einige Mythen, die man nicht für bare Münze nehmen sollte:
Mythos 1: Ölpreise und damit Flugkosten sind ständig am Steigen
Wahrheit: Der Ölpreis fluktuiert stark, die Steigerungen sind keine Einbahnstraße. Gerade erst (Frühjahr 2008) hat die saudische Regierung angekündigt, die Ölförderung mit unmittelbarer Wirkung massiv anzukurbeln. Dadurch wird die Angebotsmenge erhöht, die Preise werden in den nächsten Monaten wieder deutlich sinken (üblicherweise - leider erst - nach Beendigung der Reisesaison). Immer mehr Fluggesellschaften experimentieren zudem mit alternativen, meist Bio-Treibstoffen, die dem Kerosin beigemischt werden können. Der hohe Ölpreis wird diese Entwicklung beschleunigen und bereits nächstes Jahr könnte dies bei einigen Fluggesellschaften flächendeckend eingeführt werden. Dadurch wiederum sinkt die Nachfrage nach Öl und die Kerosinpreise sinken.
Mythos 2: Vor allem Billigflieger sind von den steigenden Ölpreisen betroffen
Wahrheit: Tatsächlich ist der Anteil des Kersosins am Ticketpreis bei den Billigfliegern höher als bei anderen Fluggesellschaften. Dies liegt daran, dass Günstig-Airlines i.d.Regel weniger in Service und in die Gehälter ihrer Bediensteten investieren und durch kürzere Standzeiten und effektivere Organisation enorme Kosten einsparen. Dadurch kann etwa ein Ticket, das bei Lufthansa 100 Euro kostet, von easyJet für 75 Euro angeboten werden. Wenn nun die steigenden Kerosinpreise 10 Euro Mehrkosten verursachen, sind dies bei 100 Euro 10 Prozent, bei 75 Euro 15 Prozent. In beiden Fällen zahlen Sie jedoch diesselbe Summe, 10 Euro, mehr.
Nicht berechnet wurde hier allerdings, dass die meisten Billigflieger neuere, spritsparendere Maschinen verwenden als die etablierten Airlines und eine höhere Auslastung haben. Während also die absoluten Mehrkosten wegen der sparsameren Maschinen geringer ausfallen, werden sie wegen der höheren Auslastung auf mehrere Schultern verteilt. Insofern sind die meisten Billigflieger sogar besser gegen die steigenden Spritpreise gerüstet als die etablierten Airlines.
Der Kerosinzuschlag für innereuropäische Flüge liegt derzeit (Juli 2008) übrigens bei ca. 25 Euro oder weniger (z.B. Air Berlin 25 Euro, Lufthansa 24 Euro). Vor einem halben Jahr lag der AirBerlin-Zuschlag bei 18 Euro. Bei diesen 7 Euro pro Flug von einer “dramatischen Preiserhöhung” zu sprechen, gehört also eher in die Rubrik “journalistische Übertreibung”.
Mythos 3: Alle Billigflieger kompensieren die steigenden Preise mit zusätzlichen Gebühren
Wahrheit: Zusätzliche Gebühren, wie etwa für die Mitnahme von Gepäck oder das Einchecken wurden seit Anfang 2007 sukzessive von einigen wenigen Günstig-Airlines eingeführt. Dazu gehören die Branchenriesen Ryanair und easyJet, nicht aber die zwei größten deutschen Billigflieger Air Berlin und TUIfly. Germanwings hingegen hat vor wenigen Wochen ebenfalls eine Zusatzgebühr für das Gepäck eingeführt.
Mythos 4: Alle Airlines verzeichnen wegen der steigenden Kosten einen Auslastungsschwund
Wahrheit: Viele Airlines haben in den vergangenen Monaten tatsächlich eine niedrigere Auslastung verzeichnet. Vor allem die Billigflieger konnten sich jedoch dem Trend widersetzen und sogar bessere Zahlen vorweisen als im Vorjahr. Dazu gehören z.B. Ryanair, easyJet und Air Berlin. Eine hohe Auslastung ist für den einzelnen Ticketpreis enorm wichtig und eines der Erfolgsgeheimnisse der Billigflieger, da die Fixkosten eines Fluges auf umso mehr Fluggäste verteilt werden können. Durch eine steigende Auslastung kann etwa auch ein steigender Kerosinpreis ausgeglichen und der Anstieg des Ticketpreises gedämpft werden.
Fazit: Insgesamt sind tatsächlich steigende Ticketpreise zu verzeichnen. Allerdings ist diese Steigerung weit weniger dramatisch als dies in vielen Medien dargestellt wird. Gerade die meisten Billigflieger können mit ihren spritsparenden Maschinen und der hohen Auslastung die Kosten einigermassen abfedern. Die Gefahr liegt vor allem darin, dass aufgrund der negativen Berichterstattung viele Kunden ausbleiben, die Auslastungszahlen vieler Airlines deshalb erst sinken und dadurch die Tickets wirklich teuer werden. Bisher jedoch sind sämtliche großen Billigflieger stabil und werden wohl auch dieses Zwischenhoch im Ölpreis erfolgreich meistern.
In jedem Fall lohnt sich bei einer Flug-Buchung ein Preisvergleich, den Sie etwa mit unserer Billigflug-Suchmaschine vornehmen können:
www.ab-in-den-urlaub.de
Anzeige
