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Zwangsräumungen auf Mallorca: Der Kampf ums Eigenheim

Als auf Mallorca noch die Wirtschaft boomte, kauften sich viele Menschen ein Haus oder eine Wohnung auf der schönen Insel – allerdings auf Pump. Heute, in Zeiten der spanischen Wirtschaftskrise, können hunderte von Familien ihre Kredite nicht mehr abbezahlen: Das Eigenheim gehört längst der Bank - häufig wurden Wohnung oder Haus zwangsgeräumt.

Die Polizei musste klein beigeben, als sie vor ein paar Wochen die Wohnung von Pati zwangsräumen wollte. Denn Pati hatte sich Hilfe geholt: Zwei Dutzend junger Menschen war zur Unterstützung in ihrer Wohnung und da sie der Polizei zahlenmäßig überlegen waren, konnten sie die Räumung verhindern. Fürs erste.
Die 40-Jährige Pati will nur bei ihrem Vornamen genannt werden. Die gebürtige Nigerianerin und ihr Ehemann kamen vor 14 Jahren nach Mallorca, drei Kinder hat das Paar inzwischen, das jüngste noch im Säuglingsalter.
Zunächst fand das Paar schnell Arbeit: Er auf dem Bau, sie in der Gastronomie. Sie hatten keine Ersparnisse, aber ein regelmäßiges Einkommen und die Bank gewährte ihnen eine Kredit, um in der Altstadt von Palma eine Wohnung zu kaufen. Doch mit der Krise verloren Pati und ihr Mann den Job und haben inzwischen auch keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld. Pati erzählt: “Wir konnten ein paar Monate lang unseren Kredit nicht mehr abbezahlen. Ich ging zur Bank, um eine Lösung zu finden, aber man sagte mir nur, dass mein Konto bereits geschlossen sei und der Fall schon beim Rechtsanwalt liegt.”

Immobilie am Meer © Hans-R. Grundmann - reisebuch.de
Der Traum vom mallorquinischen Eigenheim kann tückisch sein

“Wir versuchen immer, mit dem Kunden eine Lösung zu finden,” sagt hingegen der Direktor einer Bank, der nicht namentlich genannt werden will. Zum Beispiel verlängere die Bank die Laufzeit des Kredits und senke somit die monatlichen Raten. Oft bleibe als letzter Ausweg aber nur die Abgabe des Eigenheims an die Bank.
Während viele Banken vor ein paar Jahren noch gar keine Wohnungen und Häuser vertrieben, weil alle Schuldner ihre Kredite abbezahlen konnten, werben sie heute mit Sonderangeboten, erklärt der Bankdirektor: “Besonders Wohnungen der unteren und mittleren Preisklasse, die zwischen 2004 und 2008 gekauft wurden, waren meist völlig überteuert. Spekulanten haben die Preise in die Höhe getrieben. Eine Wohnung, die damals 200 000 € gekostet hat, bieten wir heute für 120 000 € an.” Zu Lasten des Enteigneten, der die Differenz weiter abbezahlt, wenn sein Kredit die Höhe des vollen Kaufpreises betrug.

Der befragte Bankdirektor kritisiert dieses Vorgehen vieler Banken: Sie hätten leichtfertig Kredite vergeben, sagt er. “Wir waren vorsichtig und haben nie einen Kredit, der mit dem Kaufpreis übereinstimmt, gewährt. Wir sind 30 bis 40 Prozent darunter geblieben. Unsere Kunden mussten Ersparnisse mitbringen, wenn sie sich ein Eigenheim leisten wollten. Damals waren wir die Bösen.” kommentiert der Bankdirektor. “Doch wer heute seine Wohnung an uns verliert, ist dann wenigstens schuldenfrei.”

“Wer schon seine Wohnung oder sein Haus der Bank überlassen muss, sollte zumindest den Kredit los sein,” fordert die Plattform für Hypothekenopfer, eine Initiative der spanischen Protestbewegung “15. Mai”, benannt nach ihrem Gründungstag.
Auch auf Mallorca wird protestiert; es sind hauptsächlich junge Menschen, die gegen die hohe Arbeitslosigkeit und gegen korrupte Politiker auf die Straße gehen und mehr Mitbestimmung fordern. Zwangsräumungen sind in den letzten Monaten Teil des spanischen und auch des mallorquinischen Alltags geworden. Sie erscheinen der Protestbewegung als Verletzung der Grundrechte - die es zu verhindern gilt. Die Plattform für Hypothekenopfer hat im August 2011 landesweit bereits 70 Zwangsräumungen gestoppt. Allerdings nur vorübergehend. Denn oft werden die Räumungstermine nur aufgeschoben, so wie bei Pati. Die will keine Konflikte, sondern Stabilität. Und deshalb haben sie und ihre Familie die fast abbezahlte Wohnung geräumt. Sie mussten auf die Schnelle eine andere Wohnung finden - zur Miete.
Doch erschwingliche Mietwohnungen im guten Zustand sind in Palma rar gesät, erzählt Pati: “Bei uns gibt es keinen Strom und kein fließend Wasser. Es ist ein sehr altes Haus. Besonders problematisch ist das fehlende Wasser. Ich habe ein drei Monate altes Kind.”

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