Mallorca, mon amour – die unerschütterliche Liebe der Deutschen zur größten Baleareninsel
Von: if
Das Verhältnis der reisefreudigen Deutschen zu Mallorca ist in den letzten 50 Jahren vor allem durch eine nahezu unerschütterliche Treue gekennzeichnet, die ihresgleichen sucht. Warum eigentlich?
Verwandt ist diese enge Bindung wohl nur mit der germanischen Sehnsucht nach bella Italia, welche aber ihre historischen Wurzeln in der Schwärmerei der Bildungselite für „das Land, wo die Zitronen blühen“ im späten 18. und 19. Jahrhundert hat.
Mallorca dagegen ist eine jüngere deutsche Entdeckung, die erst mit Einsetzen des Massentourismus nach dem Zweiten Weltkrieg wie aus dem Nichts in der Gunst der Erholungssuchenden raketenhaft aufstieg und seitdem ihren Höhenflug nur mit geringen Schwankungen und Turbulenzen fortsetzt.
Im Jahr 1960 besuchten knapp 360.000 Touristen aus aller Herren Länder die Insel, in 1970 waren es bereits mehr als zwei Millionen. Im Jahr 2007 kamen rund 9,91 Millionen Touristen, darunter etwa 35,8% (3,548 Millionen) Deutsche. Nach einem kurzen Einbruch der Besucherzahlen zwischen 2008 und 2010, bedingt vor allem durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, gibt es in 2011 vermutlich wieder neue deutsche Besucherrekorde auf der größten Baleareninsel zu verzeichnen.
Zwar täuschen diese Zahlen einen Boom vor, den es so nicht gegeben hat oder gibt, weil die durchschnittliche Verweildauer der Touristen in den letzten 30 Jahren dramatisch von ca. 18 Tagen auf gerade einmal vier Tage zurückgegangen ist. Nichtsdestotrotz ist Mallorca in der Wahl der deutschen Urlauber traditionell die unbestrittene Nr. 1, auch wenn Billigreiseziele wie die Türkei mächtig aufgeholt haben.
Was ist es nun, das Mallorca – vor allem für deutsche Urlauber – so nachhaltig attraktiv macht? Trotz aller dümmlichen Klischees, die dank der Ignoranz deutscher Massenmedien mit nicht nachlassender Penetranz kontinuierlich recycelt werden (z.B. Stichwort „Ballermann"), erfreut sich Mallorca nämlich quer durch die sozialen Schichten und alle Altersgruppen einer Beliebtheit, die an das Irrationale grenzt.
Als rationale Gründe für dieses Phänomen werden immer wieder folgende Faktoren genannt:
- gute Erreichbarkeit von vielen deutschen Flughäfen
- großes, differenziertes Angebot an Pauschalreisen von ÜF bis „all inclusive"
- vielfältige Buchungsmöglichkeiten für Individualreisende
- vorbildliche Infrastruktur (Verkehrsnetz, Unterkünfte, Restaurants, Supermärkte, Geldautomaten, ...)
- attraktives Freizeitangebot für unterschiedliche Bedürfnisse und Interessenslagen
- abwechslungsreiche Natur (Berge, Buchten, Strände, Meer, ...)
- die „Größe" der Insel
- Palma als lebendige Metropole
- wenige Sprachprobleme
Diese Liste ließe sich noch um weitere bedeutsame Punkte ergänzen – und trotzdem lieferte sie keine hinreichende Erklärung dafür, warum viele Deutsche immer wieder nach Mallorca zurückkehren oder gar dort leben wollen. Man geht davon aus, dass ca. 35.000 Landsleute auf der Insel Immobilien besitzen und somit als Residenten zu betrachten sind. Befragt man Mallorca-Liebhaber, so sprechen sie häufig von „ihrer Insel", worin sich oft eine rührend-naive Identifikation mit einem 3.600qkm großen Eiland im Mittelmeer artikuliert, das ihnen kulturell eigentlich recht fremd sein dürfte.
Diese arglose Inbesitznahme Mallorcas durch „die Deutschen" hat in der jüngeren Vergangenheit gelegentlich zu Verstimmungen zwischen „den Mallorquinern" und ihren zahlreichen, nicht immer geliebten teutonischen Gästen geführt. Die Besorgnis über den „Ausverkauf" der Insel und den angeblich drohenden Verlust mallorquinischer Identität sowie die Parole vom „Mallorca der Deutschen" machten die Runde. In Palma fanden sogar anti-deutsche Demonstrationen statt. Die germanische „Machtergreifung" wurde zum bedrohlichen Szenario hochstilisiert, befeuert noch durch die taktlose Formel von „Mallorca als 17. Bundesland" in deutschen Massenblättern.
Diese Aufregung hat sich zwar wieder gelegt, eine latente Gereiztheit auch bei Mallorcas Politikern gegenüber deutscher „Überfremdung" ist allerdings weiterhin zu spüren. Doch die meisten Besucher aus dem Land im Norden bekommen davon nichts oder wenig mit. Für sie zählt, dass der nette Kellner sie ohne Nachfragen auf Deutsch anspricht, was sie mit einem großzügigen Trinkgeld belohnen – und wenn der Patron des kleinen Restaurants an der Ecke sie am dritten Abend mit Handschlag und dem Wort amigo begrüßt, dann macht das den Urlaub perfekt.
Wermutstropfen im Glas trockenen vino tinto ist nur die Tatsache, dass die Rechnungen seit Euroeinführungen jedes Jahr teurer geworden sind, teurer als im heimischen Dortmund oder sogar Hamburg. Na ja, und auch das Wetter ist oft nicht mehr das, was es einmal war auf dieser Trauminsel im Mittelmeer: Regen im Sommer und Kälte an Ostern möchte man als zahlender Urlauber eigentlich nicht haben. Und die Hektik sowie die langen Wege am Flughafen in Palma ebenso wenig. Sogar Überbuchungen soll es diesen Sommer in einigen Hotels wieder gegeben haben.
Egal, der nächste Urlaub wird wieder auf Mallorca gebucht, am besten gleich im Februar mit Frühbucherrabatt.
www.ab-in-den-urlaub.de
Anzeige

