reisebuch
29.07.2010

Mallorcas traditioneller Feuerlauf - der Correfoc - vor dem Aus?

Von: Stephanie Eichler

Viele Mallorquiner verkleiden sich gerne als Teufel und zünden Feuerwerkskörper. Doch Sicherheitsnormen der EU drohen, den Menschen auf Mallorca den Spaβ zu verderben: Beim Correfoc, dem traditionellen Feuerlauf, darf nur noch Funken sprühen, wer sich vorher einer Schulung unterzieht.

Mallorca Feuerlauf Correfoc

Traditioneller Feuerlauf auf Mallorca vor dem Aus?

In der Dunkelheit ertönt ein Knall, dann noch einer. Es hört gar nicht mehr auf. Plötzlich lodert ein Feuer auf und im Schein der Flammen werden teufelsähnliche Gestalten sichtbar, ganze Teufelsgruppen mit Mistgabeln aus denen Funken sprühen. Ihnen folgen Drachen und andere Bestien. Dieses befremdliche, fast schon unheimliche Spektakel ist der Correfoc, der Feuerlauf, Höhepunkt vieler Stadt- und Dorffeste auf Mallorca, in der Region Katalonien und in Valencia. Für viele besteht der eigentliche Reiz des Feuerlaufs im Mitmachen. Obwohl es gefährlich aussieht, mischt sich das Publikum häufig unter die Teufel, umarmt sie und tanzt mit ihnen durchs Feuer.
Doch Teufelstanz und Feuerlauf wird es schon bald so nicht mehr geben. Denn bereits am 4.1.2010 ist eine neue EU-Richtlinie für Feuerwerkskörper in Kraft getreten. Alle Länder der EU haben seitdem ein bis zwei Jahre Zeit, um die gleichen, hohen Sicherheitsauflagen umzusetzen.
Bisher hatte jedes Land seine eigenen Sicherheitsvorschriften: In mehreren Mitgliedstaaten der EU durften einige Raketen bereits von Zwölfjährigen gezündet werden, in anderen EU-Ländern dürfen das schon seit langem nur Pyrotechniker. Manche Nationen verzichteten auf einen Sicherheitsabstand zwischen den Zündern von Feuerwerkskörpern und den Zuschauern, in anderen ist er seit Jahrzehnten Vorschrift. Diese unterschiedlichen Regelungen erschwerten den freien Handel von Feuerwerksköpern innerhalb der EU.  
Darüberhinaus schätzt die Brüsseler Kommission, dass sich EU-weit jährlich bis zu 20 000 Unfälle ereignen, alle verursacht durch den fahrlässigen Gebrauch von Feuerwerkskörpern. Strengere Sicherheitsregelungen, so hofft die Kommission, werden einen vorsichtigeren Gebrauch zur Folge haben, so dass es weniger Unfälle geben wird.
Doch beim Correfoc auf Mallorca ist noch nie etwas passiert, erklärt Joana-Maria Mairata, Vorsitzende des Verbands für Dämonen, Feuerteufel und -bestien. “Das einzige, was sein kann,” sagt Mairata, “sind klitzekleine Brandwunden, viel, viel schwächer, als wenn dich jemand mit einer glühenden Zigarette berührt. Die vielen Unfälle ereignen sich bei anderen, nicht kulturellen Festen.” Wie zum Beispiel in Deutschland an Sylvester oder in Spanien zu den Mitsommernachtsfeiern.
Nachdem das spanische Industriministerium nun mit der Brüsseler Kommission verhandelt hat, wurde eine Sonderregelung für den Correfoc gefunden: Das Publikum darf sich auch weiterhin unter die funkensprühenden Correfoc-Teufel mischen. Und Kinder unter 12 Jahren dürfen weiter mitmachen.
Nur die Zusage, dass sich alle Teilnehmer einer gründlichen Schulung unterziehen, konnte den Feuerlauf retten. “Wir sind froh, dass es so ausgegangen ist und wir mit unserem Correfoc fast so weitermachen können wie bisher,” sagt Mairata. Doch es bleibt abzuwarten, ob sich die Mallorquiner einer Schulung unterziehen wollen, bevor sie ins Teufelskostüm schlüpfen und Feuerwerk zünden.

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