reisebuch
30.08.2011

Neptungras vor Mallorca in Gefahr

Kategorie: Mallorca News
Von: st.ei.

Einer der größten und wenig bekannten Schätze Mallorcas, die Unterwasserwiese aus Neptungras, läuft Gefahr, schon in ein paar Jahren verschwunden zu sein. Das unkontrollierte Ankern von Yachten wird dafür verantwortlich gemacht. Naturschutzorganisationen und Meeresbiologen schlagen Alarm.

Neptungras

Das Neptungras vor Mallorca wirkt unscheinbar, ist aber von hoher ökologischer Bedeutung

Carlos Duarte, Meeresforscher am Mittelmeer-Institut Mallorcas, steht am östlichen Zipfel der Bucht von Palma und blickt aufs Meer, das dunkelblau in der Sonne glitzert. An dieser Färbung lässt sich erkennen, dass auf dem Meeresboden Neptungras wächst. Der Meeresforscher erklärt den Nutzen der Pflanze: "Neptungras ist ein CO2-Filter: Ein Hektar Neptungras wandelt eine viel größere Menge CO2 in Sauerstoff um, als ein Hektar amazonischer Regenwald. Die Blätter binden das CO2 im Wasser, die CO2-Konzentration im Wasser sinkt, so dass das Meer CO2 aus der Luft aufnimmt, das dann auch vom Neptungras gebunden wird." Die Wasserpflanze filtert also das Treibhausgas aus der Atmosphere.

Ein paar hundert Meter von Meeresforscher Duarte entfernt, spielen Kinder am Strand und erleben die vielen Vorteile, die das Seegras mit sich bringt, am eigenen Leib: Sie schwimmen im kristallklaren Wasser, das vom Neptungras gesäubert ist und bauen Burgen aus Sand, der zu 70% aus dem Gehäuse kleiner Tierchen besteht, die nur im Neptungras vorkommen. Ein regelmäßiger Nachschub von Sand dafür, dass die Strände nicht abgetragen werden.

Doch schon im Jahr 2060 könnte es vorbei sein mit dem Neptungras. Erste Anzeichen sieht man selbst an diesem Zipfel der Bucht von Palma, an dem die Planze eigentlich noch gut gedeiht: Im Wasser sind hellgrüne Zonen zu erkennen - hier wächst nichts mehr, der Boden besteht aus hellem Sand. Rund 100 000 Hektar Seegras gibt es noch um die Balearen, doch die Menge der wertvollen Pflanze nimmt jährlich um 5 bis 8 Prozent ab.

Dafür verantwortlich sind u.a. Schiffe, die falsch ankern, hat Duarte ermittelt: "In diesem Jahr sind wir Zeugen einiger absurder Angriffe auf das Poseidongras geworden: Wir haben riesige Yachten gesehen, die bei einer Wassertiefe von nur zehn Metern im Poseidongras geankert haben – mit enormen Ankern! Ein so riesiges Schiff kann bei so geringer Wassertiefe überhaupt nicht richtig ankern, stattdessen hat der Anker das Poseidongras ausgerissen. Jeden Tag einen ganzen Hektar! Das kann doch nicht sein: Dass jemand so wohlhabend ist, um eine Riesen-Yacht zu unterhalten, heißt noch lange nicht, dass er das Recht hat, die Natur zu zerstören!"

Auf Druck der internationalen Meeresschutzorganisation Oceana und der Umweltorganisation GOB haben die Behörden der Balearen nun reagiert: Rund um Mallorca werden die Gebiete, in denen Neptungras wächst, seit Ende August 2011 kontrolliert. Kapitäne, die falsch ankern, werden aufgefordert, einen neuen Ankerplatz zu suchen. Wer sich weigert, muss mit Strafen in der Höhe von einigen hundert Euro rechnen.

 

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