Palma lässt Parksünder ohne Zaudern abschleppen
Von: if
Parken in Palmas Zentrum ist schon immer eine besondere Herausforderung gewesen, vor allem, wenn man die teuren Parkhäuser meiden wollte. Jetzt haben die Behörden ihre Lieblingseinnahmequelle durch das gnadenlose Abschleppen von Parksündern weiter ausgebaut. Es hagelt aber Proteste.
Die Stadtverwaltung von Mallorcas Hauptstadt hat kürzlich angeordnet, dass Autos, die keinen offiziellen Parkschein besitzen, sofort abgeschleppt werden. Die Regelung gilt für die blau markierten Zonen ("zona ORA"). Den Fahrzeugbesitzern werden die Kosten für die Aktion mit 120 Euro in Rechnung gestellt. Hinzu kommen noch einmal 60 Euro, um das Fahrzeug wieder zurückzubekommen. Somit kostet der ganze "Spaß" jetzt insgesamt 180 Euro.
Zahlreiche Kontrolleure in Palma sind angewiesen, die policia local zu benachrichtigen, die wiederum das Abschleppen in die Wege leiten.
Basis für die verschärfte Bußgeld-Praxis ist eine Anpassung an die strengere spanische Straßenverkehrsordnung, die am 24. Mai in Kraft getreten ist.
Die Behörden in Palma wenden die Regelung schon an, denn mehrere Autos sollen auf der Grundlage des neuen Gesetzes bereits abgeschleppt worden sein. Dies allerdings stößt nun auf massive Kritik. Wie die spanische Tageszeitung Ultima Hora in einer Umfrage unter Polizeibeamten herausgefunden hat, kritisiert die Mehrheit der Befragten die neue Regelung. Auch Gewerkschaftsvertretern halten die Maßnahme für stark übertrieben.
Touristen sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Auch sie werden natürlich für falsches Parken und im schlimmsten Fall für das Abschleppen des Mietwagens direkt zur Kasse gebeten.
Das Infame daran ist das notorisch knappe Parkplatzangebot in Palma, das durch solche behördliche Abzocke natürlich auch nicht größer wird. Es steht auch kaum zu erwarten, dass mit den steigenden Einnahmen aus den Bußgeldern mehr Parkplätze eingerichtet werden.
Allerdings wird seit einigen Jahren auf Mallorca der öffentliche Nahverkehr systematisch ausgebaut. Das Projekt neuer U-Bahnlinien und der Tram bis nach El Arenal ist aber auf Grund von fehlenden finanziellen Mittel zunächst einmal ins Stocken geraten. Das könnte sich ja nun demnächst wieder ändern...
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Ihr Kommentar
Uns ist das tatsächlich passiert:
ordentlich in einer blauen Zone geparkt, kein Parkschein-Automat in Sichtweite, keine Parkscheibe im Mietwagen gefunden. 'Haben wir ihn halt so stehen lassen.
Wir kommen nach 2.5h zurück -- kein Auto mehr da. Glücklicherweise kam grade ein Polizei-Auto vorbei. Der Polizist hat dann einen vorher nicht sichtbaren Selbstklebezettel unter der Stoßstange des Danach-Parkers vom Bordstein abgezoppelt, auf der angegeben war daß der Wagen abgeschleppt sei, und man eine bestimmte Telephonnummer anrufen solle.
Telephonzelle gesucht {ging sogar mit Münzen} und eine Viertelstunde mit der keinen Funken einer Fremdsprache sprechen[wollen]den Sachbearbeiterin telephoniert. Den Weg zum Lagerplatz wollte sie uns nicht erklären -- sie hat nur lapidar 10 Mal wiederholt, wir sollen ein Taxi nehmen.
Also Geld besorgen. Der achte Geldautomat hat uns dann für eine unserer 4 Karten endlich 300 Euro ausgespuckt. Nach drei Stunden hatten wir unser Auto wieder. Der Schalter-Tresen im Abhol-Parkhaus war mit einer nie abbinden wollenden Farbe gestrichen. Am Schalterglas hing ein Zettelchen, auf dem auf spanisch stand "frisch gestrichen". Bis dahin hatten zwei von uns ihre Anoraks versaut.
Mit viel Glück haben wir um 22:55h noch ein Vesper und ein Bier in einem Celler bekommen.
Tags drauf fragen wir bei der Autovermietung {Sixt} nach, ob das hier üblich ist. Antwort: sie kann sich das nicht vorstellen. "Ihr müsst Euer Auto schon verkehrsbehindernd abgestellt haben. Aber das hier ist ja ein Rechtsstaat. Geht doch mal zur Polizei und beschwert Euch."
Tun wir. Hätten wir uns sparen können. Der Polizist erklärt uns: "Ihr lacht doch nur, wenn wir Euch ein Ticket hinterherschicken."
Got the message?
Hier läuft doch wohl was an der Schnittstelle zwischen Autovermietern und lokalen Behörden schief. In den drei Ländern, in denen ich bisher gelebt habe, ist zunächst der Halter für's Fahrzeug verantwortlich und ihm gegenüber der Fahrer. Warum werden die Tickets nicht an den Autovermieter geschickt? Der hat doch eh meine Kreditkarten-Nummer. Und bei 'ner Geschwindigkeits-Übertretung, bei der man mich nicht physisch erwischt, würde es doch auch genau so laufen.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß, wenn die Autovermieter dort zusammen ein bißchen Lobby-Arbeit machen, da nicht eine adäquatere Lösung zu finden wäre.
Nicht mal die Schweiz hat so drastische Eintreibemethoden {dort gibt's für tagelanges Auto-Abstellen 'ne Kralle.}.
ES IST EINFACH ABZOCKE.
Meine Konsequenz ist ganz einfach:
nie wieder Majorca. Ich bin ja auch nicht der Erste. Schon Chopin haben sie nicht besser behandelt {"Ein Winter auf Majorca"}.
Und 'n Tip, falls jemand trotzdem noch dorthin fährt:
- macht die Mietwagen-Aufkleber ab
- Lenkrad voll einschlagen und mit dem Lenkradschloß arretieren
- Handbremse kräftig anziehen
In Palma haben sie nur einen Abschleppwagen, der die Autos "flach" wegschleppt. Mit einem Abschleppwagen, der das Auto wegheben könnte, kommen sie nicht in ihr Parkhaus ;-)
Ich hoffe, wenigstens Euch geht's jetzt besser -- falls Ihr wirklich unbedingt auf diese Insel müsst.
Viele Grüße,
M.
PS: Man muss im im Artikel genannten Fall übrigens nur 30 Euro zahlen, wenn man sofort zahlt. Und man zahlt ja sofort ;-)