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22.06.2011

Stierkampf auf Mallorca vor dem Aus?

Kategorie: Mallorca News
Von: e.pf.

Noch gibt es auf der Balearen-Insel vier Arenen, die zum Großteil in erster Linie für den Stierkampf gedacht sind – die bedeutendste Arena, das Coliseo Balear, findet sich in der Hauptstadt Palma, die anderen in Inca, Muro sowie Alcúdia. Doch der Stierkampf verliert immer mehr an Beliebtheit sowohl bei Touristen als auch bei den Einheimischen.

corrida de toros Mallorca

Die Tage der corrida de toros auf Mallorca scheinen gezählt

1928 wurde die erste „Corrida" – wie der Stierkampf im Spanischen bezeichnet wird – in der Hauptstadt Mallorcas im Colisseu Balear abgehalten. Zunächst fanden die Stierkämpfe auch großen Anklang, entsprechend hoch waren die Zuschauerzahlen. Doch vor allem innerhalb der letzten Jahre kamen immer weniger Interessierte in eine der vier Arenen auf Mallorca: So verfolgten 2010 beispielsweise lediglich 1.000 Stierkampf-Fans die letzte Corrida in Palma, dabei kann die Arena mehr als 12.000 Zuschauer fassen.

Vor allem Tierschützer sind gegen die blutigen Spektakel und verstehen nicht, dass der Stierkampf auf Mallorca trotz der ständig sinkenden Zuschauerzahlen aufrechterhalten wird. Ihnen sind natürlich auch die insgesamt 36 Stiere, die vergangenes Jahr in den Arenen auf der Balearen-Insel getötet wurden, zu viel. Die Zahl der veranstalteten Stierkämpfe ist innerhalb der letzten Jahrzehnte allerdings bereits drastisch zurückgegangen – so gab es beispielsweise in den 60er-Jahren noch deutlich mehr Corridas in der Arena von Palma als in der berühmten Madrider Las Ventas.

Immer mehr Spanier sind mittlerweile überhaupt für eine Abschaffung des Stierkampfes: Laut der jüngsten Umfrage sind drei Viertel der spanischen Bevölkerung gegen die Corridas oder haben keinerlei Interesse daran. Das zeigen auch die vermehrt leeren Zuschauerränge in den Arenen – doch die Regierung sowie die Stierkampflobby halten an den barbarischen Veranstaltungen fest und argumentieren, dass es sich um Teil der spanischen Kultur und Tradition handelt.

Eine Ausnahme in Bezug auf sinkende Zuschauerzahlen stellt jedoch die Arena Monumental in Muro dar: Sie wurde 2010 für € 53.000 aufwendig saniert und zum Kulturerbe Mallorcas erklärt – entsprechend eifrig wird die Werbetrommel für den Stierkampf in Muro gerührt und so werden nichtsahnende Touristen in großer Zahl angelockt: Die Arena ist meistens bis auf den letzten der 6.000 Plätze ausverkauft. Dabei wissen viele Touristen gar nicht genau, was sie erwartet, und verlassen anschließend häufig je nach Empfindlichkeit heulend oder leichenblass den Ort des blutigen Spektakels.

Doch die Tierrechtler geben nicht auf: Auch in dieser Saison, die am 18. Juni in Muro begonnen hat, werden sie sich nach jedem Stierkampf vor der jeweiligen Arena versammeln und gegen diese Barbarei protestieren – so gab es beispielsweise 500 Demonstranten beim letzten Stierkampf der Saison 2009 vor der Arena von Palma, während nicht einmal 1.000 Zuschauer der Corrida beiwohnten.

Die Bemühungen scheinen langsam auch zu fruchten: Heute ist die Arena von Palma nämlich in erster Linie als Austragungsort von Sportveranstaltungen, Konzerten oder auch Fernsehsendungen bekannt, wie beispielsweise „Wetten, dass …" mit Thomas Gottschalk – der übrigens für gewaltigen Zündstoff sorgte, als er in die Arena – begleitet von Paso Doble sowie Lanzenreitern in der charakteristischen Kostümierung der Toreros – einritt und so für den Stierkampf nicht nur vor Ort, sondern vor 8 Mio. Zuschauern im Fernsehen Werbung machte. Das Gegenteil machen diverse Tierrechtler, die sich regelmäßig vor den Arenen Mallorcas positionieren und Touristen mithilfe von Bildern, Nahaufnahmen und sonstigem Infomaterial über die blutige und grausame Realität der Stierkämpfe aufklären – ein Großteil der Touristen entscheidet sich dann gegen den Besuch einer Corrida. Häufig stellt sich außerdem heraus, dass Hotels oder Reiseunternehmen den Stierkampf anpreisen, ohne auf die Brutalität des Spektakels hinzuweisen – es geht eben ums Geld.

Wer als Reisender ein Zeichen setzen und die Tierrechtler auf Mallorca unterstützen möchte, sollte beim Angebot eines Stierkampfbesuches vonseiten des Hotels oder des Reiseveranstalters eine klare Ansage machen und sagen, dass der Besuch einer derart barbarischen Veranstaltung nicht gewünscht ist; auch sollte darauf verzichtet werden, den Urlaub bei Veranstaltern zu buchen, die Stierkampfspektakel in ihrem Programm haben – die Stierkampflobby arbeitet nämlich unermüdlichen an ihren Plänen, die Tauromachie von der UNESCO als Immaterielles Weltkulturerbe unter Schutz stellen zu lassen.

1 Kommentar

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#1 Antonietta schrieb am 27.06.2011 06:37 answer email

Stierkampf ist grausamer Tiermord. Wer dafür Geld ausgibt, wird mitschuldig!

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