Tausende Mallorquiner demonstrieren für mehr Provinzialismus
Von: h.g.
Am letzten Sonntag fand in Palma auf der spanischen Insel Mallorca eine bizarre Massendemonstration statt: Die Menge von offiziell 4000 Protestierern forderte mehr Katalan bzw. Mallorquinisch auf der Ferieninsel.
Mit einem deutlichen Aufruf zu mehr Reglementierung in der Sprachenpolitik bekannten sich tausende Mallorquiner in ihrer Inselhauptstadt dazu, dass dem katalanischen Dialekt Mallorquinisch eindeutig der Vorrang im öffentlichen Leben eingeräumt werden sollte. Diese offensichtliche Hinwendung zum Provinzialismus vorgestriger Prägung löst bei vielen Residenten und Besuchern Mallorcas nachhaltiges Kopfschütteln aus.
Es ist ein offenens Geheimnis, dass, wer es sich auf Mallorca leisten kann, sein Kind auf eine internationale Schule schickt, wo es Weltsprachen wie Spanisch und Englisch bzw. Deutsch oder Französisch lernt, ohne sich mit dem Katalanischen abmühen zu müssen, das ihm außerhalb dieser spanischen Provinz wenig nützen würde.
Warum man auf Mallorca momentan diese provizialistische Renaissance erlebt, bleibt weitgehend rätselhaft. Die Franco-Ära, zu der das Katalanische unterdrückt bzw. verboten war, liegt nun schon über 30 Jahre zurück. Seitdem hat es diese "Sprache" allerdings nicht geschafft, ohne künstliche Beatmung von gesetzgeberischer Seite eigenständig zu überleben.
Zuletzt wurde ein Maßnahmenkatalog von mehreren hundert Einzelvorschriften über die Insel verhängt, der das Mallorquinische fördern soll, in Wahrheit aber den nicht Mallorquinisch Spechenden das Leben nur unnötg schwer macht. Als Reaktion darauf gibt es erste Abwanderungsbewegungen in Richtung spanisches Festland, wo "das Wetter besser und die Preise niedriger" und der Geist weniger provinziell sei als auf Mallorca.
www.ab-in-den-urlaub.de
Anzeige

