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Die britische Kolonialherrschaft in Myanmar

Im Jahr 1886 verbannten die Briten den burmesischen König Thibaw, der damals seinen Sitz in der Hauptstadt Mandalay hatte, und Burma Proper wurde als eine Provinz von Britisch-Indien der britischen Herrschaft unterstellt. Outer Burma, das heißt die Grenzstaaten mit ihren zahlreichen nicht-burmanischen Minderheiten, erhielt einen Sonderstatus und blieb weitgehend autonom. Burma galt nicht als ein so kostbarer Kolonialbesitz wie Indien, doch die Möglichkeit, große Mengen Reis zu exportieren, und das wertvolle Holz, besonders die Hartholzbestände, brachten den Briten Vorteile genug.

Wie George Orwell in seinem Roman Burmese Days bemerkt, war das British Empire nichts anderes als eine Einrichtung, um den Engländern Handelsmonopole zu verschaffen. Unter der britischen Kolonialherrschaft bildete sich bald eine in drei Schichten geteilte Gesellschaft heraus: Alle wirklich einflußreichen Posten waren von Briten besetzt, aber auch die indischen Immigranten waren im Durchschnitt besser gestellt als die Burmesen, für die Feldarbeit und Reisanbau zur Hauptbeschäftigung wurden. Führende britische Handelsgesellschaften erhielten Monopolrechte für den burmesischen Handel, vor allem für den Rohstoffexport. Die British East India Company spielte eine besonders schändliche Rolle, indem sie mit aggressiven Methoden indisches Opium im ganzen Fernen Osten, einschließlich Burma Proper, vertrieb. Reisexporte, Holz und Bergbaukonzessionen entwickelten sich bald zu den wichtigsten kommerziellen Zielen der Kolonialherren, die Burma für weniger reif hielten, sich selbst zu regieren, als Indien. Die Strategie zur Unterwerfung Burmas wird mit Recht das Prinzip Divide and Rule genannt, denn die Briten benutzten sowohl die indischen als auch Burmas eigene Minderheiten – so etwa die Kachin und Karen aus den Grenzstaaten –, um die eingeborene Bevölkerung zu unterwerfen.

Wenn die Burmesen mit einem Europäer, insbesondere mit einem Engländer zu tun hatten, mußten sie die ehrerbietige Anrede thakin (Master) benutzen. In den späten Dreißigerjahren machte eine Vorhut junger Burmesen es sich zur Gewohnheit, diese Anrede für sich selbst zu gebrauchen, um so ihre Gleichheit mit den Engländern zu demonstrieren. Der offizielle Name ihrer nationalistischen Geheimorganisation war Doba Asi-ayon, aber der Volksmund nannte sie die Thakin-Bewegung. Einige dieser jungen Männer wurden später als die Thirty Comrades berühmt – eine Gruppe, die sich 1940 nach Hainan absetzte, wo sie von den Japanern militärisches Training erhielt. Ihr gehörten unter anderen der spätere Nationalheld Aung San (Vater der Nobelpreisträgerin Daw Aung San Suu Kyi) und General Ne Win an. Während des Zweiten Weltkriegs verbündete  mit Japans Kaiserlicher Armee – in der Hoffnung, dieses Bündnis würde ihnen die Unabhängigkeit von Großbritannien einbringen.