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Das Klima in Myanmar

Nach dem traditionellen Schema der Klimaklassifikation wird die Erdoberfläche entsprechend den wichtigsten Breitenkreisen und der Tageslänge in tropische, subtropische sowie gemäßigte, subarktische und arktische Klimazonen eingeteilt. Die Tropen reichen vom Äquator (0°) bis zum Wendekreis des Krebses in der nördlichen und dem Wendkreis des Steinbocks in der südlichen Hemisphäre, das heißt, am Erdäquator orientiert, von 23°27’ nördlicher bis 23°27’ südlicher Breite. Diese Breitengrade entsprechen der nördlichsten und südlichsten Deklination der Sonnenekliptik vom Himmelsäquator.

In Myanmar – mit der südlichsten Breite von etwa 9°45’ Nord und der nördlichsten Breite von 28°20’ Nord – wären demnach zwei Klimazonen der nördlichen Hemisphäre vertreten, die tropische und die subtropische. Da die Tropengrenze, der Wendekreis des Krebses, rund 160 Kilometer nördlich von Mandalay verläuft, müßte diesem Schema gemäß alles, was noch weiter nördlich liegt – fast die Hälfte der Landmassen von Burma –, als subtropisch eingestuft werden.

Immer noch der alten Klassifikation folgend, müßte auch das Klima innerhalb der einzelnen Zonen mehr oder weniger einheitlich sein. Soweit es die tropische Zone Burmas betrifft, ist das jedoch keineswegs der Fall. Wie wir gesehen haben, gibt es Feuchtgebiete im Süden und eine trockene - nahezu aride - Zone im Norden, zwischen Pyay, Mandalay und Bagan. Und wie läßt sich der krasse Unterschied zwischen dem feuchten, fruchtbaren Delta um Yangon und dem öden südlichen Teil der Sahara- Wüste erklären, die doch auf derselben geographischen Breite liegen, definitionsgemäß also beide den Tropen der nördlichen Hemisphäre angehören?

Die moderne Klimaforschung berücksichtigt mehrere Variablen, unter anderem Temperatur- und Niederschlagswerte, Feuchtigkeit, Höhenlage und Bodengestalt. Ihrer Einteilung in Klima- und Landschaftszonen liegen zumeist die Reaktionen von klimaabhängigen Phänomen auf Wetter und Klima zugrunde. Die natürliche Pflanzenwelt etwa ist ein solches Phänomen, das stark vom Klima abhängt, eine Art klimatologisches Meßinstrument. Bei der heute üblichen Gruppierung von Klimaelementen spielt die Vegetation – Regenwald, Savanne, Taiga, Tundra oder Wüste – eine wesentliche Rolle. Die Art der Vegetation wird durch verschiedene Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, Niederschlag, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage bestimmt, von denen die drei ersten unmittelbar mit den in einem Klimagebiet vorherrschenden Winden zusammenhängen. Meine Freunde auf Hawaii kennen solche Windsysteme gut – in ihrem Fall pazifische Passatwinde –, die Teil der atmosphärischen Luftströmungen sind. Myanmar indes liegt nicht im Einflußbereich der Passate. Gemeinsam mit Indien und Indochina wird es von einem anderen Windsystem beherrscht, dem Monsun. Oft wird angenommen, Monsun sei gleichbedeutend mit Regen oder Regenzeit, aber tatsächlich ist es eine Luftströmung, die von kälteren in wärmere Regionen drängt und darum mit der Jahreszeit die Richtung wechselt.

In Burma weht der Monsun zwischen Mai und Oktober vom Meer zum Land und zwischen November und April vom Land zum Meer. Der sogenannte Sommer-Monsun hat eine südwestliche Richtung, und da in der aufsteigenden Luft Wasserdampf kondensiert, bringt er reichlich Niederschläge, deren Menge und Dauer jedoch von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen. Im Gegensatz dazu hat das, was wir als den Winter-Monsun bezeichnen, eine vorwiegend nordöstliche Richtung und führt kaum Regen mit.

Während es in den gemäßigten Zonen der Welt vier Jahreszeiten gibt, kennt Burma nur drei, in denen sich Temperatur und Vegetation sehr viel weniger verändern als in den gemäßigten Regionen. Der Regenzeit, die von Mai bis Oktober dauert, folgt eine kühle Trockenzeit von November bis Februar, an die sich die heißen und trockenen Monate März und April anschließen.

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