Beringstraße: Tunnel soll Russland mit USA verbinden
Von: e.k.
Schon Zar Nikolaus II. hatte die Idee zu einem Tunnel unter der Beringstraße, der die sibirische Halbinsel Tschukotka, den östlichsten Punkt Russlands und Alaska, den westlichsten Punkt Amerikas miteinander verbinden sollte. Nun nimmt der Plan Gestalt an.
Die Beringstraße zwischen Russland und Alaska ist an ihrer schmalsten Stelle nur ungefähr 85 km breit. Die Länge des Tunnels würde etwa 104 km betragen, etwa doppelt so viel wie der Tunnel unter dem Ärmelkanal, und er soll 80 Meter unter dem Meeresgrund verlaufen.
Die Realisierung des Projekts sieht außer dem Tunnelbau und einer schnellen Schienenstrecke parallel dazu auch Stromlinien, Ölleitungen und Datenkabel vor.
Was heute noch wie ferne Zukunftsmusik klingt, hat seinen Ursprung bereits vor mehr als 100 Jahren. In einer Region, wo etwa ein halbes Jahr durch Frost, Schnee und Eis keine Schiffsverbindungen möglich sind, wäre ein Tunnel eine echte Alternative. Doch der Ausbruch der Russischen Revolution 1905 und der Oktoberrevolution 1917 mit der damit verbundenen Abdankung des Zars verhinderten die weiteren Pläne. Danach ruhte das Projekt.
Spannend wird es erst wieder im Jahr 2006 mit dem Beschluss der russischen Bundesbehörde für den Eisenbahnverkehr, den Bau 3.500 km lange Bahnlinie als Verlängerung der Jakutsk-Magadan-Linie in Angriff zu nehmen. Der Kreml strebt die Realisierung des 75 Mrd. Euro teuren Megaprojekts an. Ein Wirtschaftsprojekt „Trans Kontinentale Magistrale“ (TKM) wird ins Leben gerufen. Ohne Anschlussverbindungen wäre der Tunnel weder realisierbar, noch hätte er eine Bedeutung.
Noch vor 10 Jahren meinte der damalige russische Eisenbahnminister Nikolai Aksjonenko, man würde wohl eher den Mars als Alaska erreichen, doch seine Skepsis bezog sich weniger auf den Tunnelbau als auf die Anbindung mit der Eisenbahn über 1.000 km Permafrostboden, eine Strecke durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet, schwierig und gebirgig.
Bis zum Jahr 2030 will Russland eine leistungsfähige Schnellstrecke geschaffen haben, die möglicherweise auch von Hochgeschwindigkeitszügen genutzt werden kann. Danach wird der Tunnelbau noch weitere 15 Jahre in Anspruch nehmen.
Da die USA und Russland ohnehin schon mehr als 75 % ihrer Waren über die Eisenbahn befördern, könnte sich dies nach dem Bau des Tunnels auf 3 % des weltweiten Warentransports erweitern, auf 70 Mill. Tonnen Fracht, die pro Jahr durch den Tunnel transportiert würden.
Es wird noch Jahrzehnte dauern, doch wenn es nach den möglichen Investoren (China, Japan, Südkorea) geht, wird das Tunnelprojekt in Angriff genommen. Und wer weiß, vielleicht kann man eines fernen Tages ja wirklich einmal als Tourist mit dem Zug von London über Berlin und Moskau nach New York reisen.
www.ab-in-den-urlaub.de
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