Annette Lies, Saftschubse
Von: h.i.
„Saftschubse“ ist eine umgangssprachliche, abwertende Bezeichnung für die Flugbegleiterinnen, früher auch ehrfurchtsvoll Stewardessen genannt. Der Begriff wurde 2004 in den Duden aufgenommen. Jetzt ein Romantitel von Annette Lies.
Die Autorin arbeitet seit 2003 als Flugbegleiterin bei der Lufthansa und hat ihre Erfahrungen mit diesem anstrengenden Job auf 270 langen Seiten zu Papier gebracht. Dabei kommt der ehemalige Traumberuf vieler junger Damen eher als Alptraum herüber, auch wenn die vielen Turbulenzen im Flug- und sonstigen Verkehr natürlich ironisch gemeint sind. Vom Ansatz her zunächst keine schlechte Idee, und der flugerfahrene Leser freut sich anfangs auf einen unterhaltsamen Roman aus einem bisher eher vernachlässigten Metier. Aber leider wird schon nach wenigen Seiten klar, dass hier jemand ständig alle Register zieht und zwar unter der zwanghaften Vorstellung, jeder zweite oder dritte Satz müsse eine krachende Pointe enthalten. Das macht das Lesen sehr anstrengend.
Die gelernte Werbekauffrau Annette Lies lässt dabei ihre wenig sympathische Protagonstin im überdrehten Ton einer amerikanischen Sitcom schnattern und betreibt ein nerviges verbales product placement des oberflächligen Zeitgeistes, was uns wohl den Eindruck vermitteln soll, dass hier jemand ganz nah am Puls der Zeit durch sein ach so spannendes Leben jettet.
Überflüssig zu erwähnen, dass kein Klischee ausgelassen wird, sei es der schwuchtelige Kollege, die unvermeidliche Affaire mit dem rücksichtslosen Piloten oder der weibliche Schuh- und Markenwahn. Auch die Fluggesellschaft bekommt natürlich ihr Fett weg.
Eigentlich kann hier jemand durchaus schreiben, hat aber seine künstlerische Seele bedingungs- und rücksichtslos dem sinnentleerten Zeitgeist verschrieben. Doch es scheint als Geschäftsmodell zu klappen. Der Fortsetzungsband "Neue Turbulenzen" ist für Mitte 2012 avisiert.
Wir sind nicht neugierig.
Annette Lies, Saftschubse anschauen und ggf. bestellen ...
www.ab-in-den-urlaub.de
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