Dagmar Fohl, Die Insel der Witwen
Von: h.i.
In ihrem zweiten historischen Roman stellt Dagmar Fohl uns das Inselleben im friesischen Wattenmeer während des 19. Jhd. vor - spannend und oft anrührend.
Nach ihrem erfolgreichen Debüt mit einem melodramatischen, aber auch experimentellen Hamburg-Roman, der im ausgehenden 18. Jahrhundert spielt, Das Mädchen und sein Henker, bleibt Dagmar Fohl dem norddeutschen Milieu treu.
Ihr nächster Roman hat die fiktive Nordseeinsel Taldsum als Schauplatz, wo das Leben der Einwohner geprägt ist von "Seefahrt, Tod und bitterer Armut". Von den dort hausenden sechzig Seefahrerwitwen verliebt sich eine in den Ingenieur Andreas Hartmann, der als Reflektorfigur für die Leser fungiert. Die Liebesgeschichte zwischen der Witwe und Strandräuberin Keike Tedsen und dem zunächst unwillkommenen Gast auf der kargen Insel liefert Anlass, ein anschauliches Panorama der Lebensverhältnisse in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu entwickeln.
Dagmar Fohl beherrscht sämtliche Erzähltricks vom poetischen Realismus über Thomas Mann bis zur experimentellen Moderne. Sie setzt diese gezielt ein, um dadurch scheinbar den Gefilden des Trivialen zu entfliehen. Ihr Stil ist anschaulich, neigt aber gelegentlich zu einer gewagten Bildlichkeit mit vielen Vergleichen aus der Klischeekiste. Und Klischees angeblich typisch weiblichen und männlichen Verhaltens sowie vom Leben am Meer bietet die nichtsdestotrotz spannende Handlung leider im Überfluss.
Und doch ist dieser pseudo-historische Roman keine leicht konsumierbare Lektüre, die sich in einer fieberhaften Nachtsitzung verschlingen ließe. Dafür sorgen nicht zuletzt geschickt installierte Zeit- und Perspektivenwechsel.
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