Kunst auf Kacheln - portugiesische Azulejos Kacheln

- Portugiesische Azulejos
Raposeira und Umgebung
Wohl kaum ein anderer Artikel im Sortiment portugiesischer Souvenirhändler dürfte so landestypisch und einzigartig sein wie die blau-weißen Kacheln, genannt "Azulejos".
Irrtümlich wird oft angenommen, der Name leite sich aus dem spanischen bzw. portugiesischen azul (blau) ab – weit gefehlt! Die heute nach der italienischen Keramik-Hochburg Faenza "Fayence" genannte, ursprünglich bunte (nicht blaue) Keramikkachelkunst kam als nicht-figürliche Ornamentik bereits mit den Arabern nach Südspanien und Portugal; diese prägten auch den Begriff (aus arabisch al-zuleig, "polierter Stein").
Die erste Blütezeit erfuhren die Azulejos unter Manuel I. (1495–1521), der sich auf einer Reise durch Andalusien, Toledo und Saragossa von den maurischen Hinterlassenschaften inspirieren ließ und nach seiner Rückkehr die bislang nur sporadisch verwendete Wandverkleidung im großen Stil für sein Schloss Sintra bestellte. Bald tat es ihm der Hofadel nach, so dass die hohe Nachfrage niederländische Künstler ins Land rief. Diese entwickelten eine ganz eigene Synthese aus gemalter Erzählung und Verzierung. Es entstanden Schlachtengemälde, Heiligengeschichten, Alltagsszenen aus Jagd und Schäferei sowie Darstellungen der portugiesischen Kolonialgeschichte. Mit dem Wiederaufbau zahlloser Bauwerke nach dem Erdbeben von 1755 stieg der Bedarf an den Kachel-Kunstwerken erneut stark. Mehrere Azulejo-Fabriken wurden gegründet. Auch wandelte sich das Anwendungsgebiet von der reinen Innenausgestaltung hin zur (wetterbeständigen) Außenverkleidung von Fassaden und Bauwerken, die heute als so typisch für Portugal gilt.
Heute sind nicht nur Kirchen und Paläste, sondern auch Zweckbauten (Bahnhöfe, Metrostationen), Cafés, Markthallen und viele andere Gebäude mit Azulejos gefliest. An der Algarve wird der Besucher die Verquickung aus praktischer Innenauskleidung und hoher Kunst ganz besonders in der Kirche São Lourenço de Matos in Almancil bewundern, wo sehr detailliert Leben und Marter des heiligen Laurentius geschildert wird.
Wen die Azulejo-Kunst besonders interessiert, der sei auf das Azulejo-Museum in Lissabon hingewiesen: Rua de Madre de Deus (Bus 104, 105 ab Praça de Comercio), Tel. 218 147 747, geöffnet Di–So 10–18 Uhr, Eintritt 2,30 Euro (Lisboa Card frei, Kinder und Rentner zahlen 50 %).
Das Buch zum Artikel:
Algarve und Lissabon Reiseführer
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