Der African National Congress (ANC)
Gründungsjahre
Am 8. Januar 1912 trafen sich in Bloemfontein Häuptlinge, Volks- und Kirchenvertreter und gründeten den South African Native National Congress (SANNC), 1923 in African National Congress (ANC) umbenannt. Zielsetzung war, die Volksstämme Südafrikas zusammenzuschließen und für die Rechte und die Freiheit der Schwarzen zu kämpfen.
Doch erst ab 1940 gewann der ANC politische Bedeutung und entwickelte ab den 50er Jahren zu einer Massenorganisation. 1944 wurde die African National Congress Youth League (ANC-Jugendliga) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Nelson Mandela, Walter Sisulu und Oliver Tambo. Ihr Ziel war, Südafrika vom Apartheid-Regime zu befreien.
Man organisierte Streiks, rief zu Boykotten auf und widersetzte sich staatlichen Verordnungen. Absichtlich wurden die Gesetze nicht befolgt. So gingen Farbige ohne Erlaubnis in schwarze Townships, Schwarze stellten sich in der Post am Schalter mit der Aufschrift „Whites only“ an. Die Regierung reagierte mit der Verhaftung der Anführer.
Neue Organisationen entstanden, wie die South African People’s Organisation (SACPO), eine Organisation Farbiger, oder der Congress of Democrats (COD), eine Vereinigung fortschrittlicher Weißer. Zusammen mit dem ANC wurde eine Konferenz veranstaltet, aus der 1955 die Freedom Charter hervorging, ein Papier mit der Forderung des allgemeinen Wahlrechts und Grundrechte für alle. Die Regierung erklärte die Freedom Charter zum kommunistischen Machwerk und sperrte die Führer des ANC und des COD kurzerhand ein.
Bewaffneter Widerstand
Der ANC betonte immer wieder seine antirassistische Einstellung, die jedoch in den eigenen Reihen auf Widerstand stieß. 1959 spaltete sich der militante Pan-Africanist Congress (PAC) vom ANC ab. Mit dem Massaker von Sharpeville 1960 war dann die Zeit der friedlichen Proteste zu Ende. ANC und PAC wurden verboten, tausende Mitglieder und Sympathisanten verhaftet.
1961 beschloss der ANC, seinen Kampf gegen das Apartheid-Regime bewaffnet und aus dem Untergrund fortzusetzen. Der Umkhonto we Sizwe (abgekürzt MK) „Speer der Nation“, der militante Flügel des ANC, sollte „mit allen Mitteln und unserer ganzen Kraft zurückschlagen, zur Selbstverteidigung unseres Volkes, unserer Zukunft und unserer Freiheit“.
In 18 Monaten verübte der MK 200 Sabotageakte. Die Todesstrafe für Sabotage wurde eingeführt. 1963 gelang es der Polizei, das geheime Hauptquartier der MK auszunehmen und die Anführer zu verhaften. Im Rivonia-Prozeß wurden MK-Mitglieder des Hochverrats angeklagt und zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Einige, wie Oliver Tambo und Joe Slovo, entgingen der Verhaftung, durch Flucht ins benachbarte Ausland. 1963 wurden ANC und PAC von der OAS als Befreiungsbewegungen anerkannt.
Der Kampf geht weiter
Ein Teil des MK begann 1967 sich mit der ZAPU, der Volksbefreiungsarmee von Rhodesien (das spätere Zimbabwe), zusammenzuschließen. Nach gründlicher Analyse der Situation kam man zu dem Schluss, dass die Untergrundbewegung des ANC in Südafrika selbst wieder aufgebaut werden müsste. Außerdem sollte die internationale Gemeinschaft mobilisiert und in den Widerstand gegen das Apartheid-Regime eingebunden werden. 1972 wurden ANC und PAC bei der UN als Beobachter zugelassen.
Ab 1976 bekam die Befreiungsbewegung einen neuen Charakter. Der Widerstand begann alle Bereiche der Gesellschaft, Schulen, Universitäten, Arbeitsplätze und Gewerkschaften zu erfassen. Die weiße Regierung war verunsichert. Präsident Botha wählte den Weg des Opportunismus: Durch die Einführung eines Drei-Kammer-Systems und „Black Local Authorities“ sollte die Prostestwelle gebrochen werden. Gleichzeitig wurde das Militär aufgerüstet. Durch das State Security Council, eine Art Staatssicherheitsdienst, bekam das Militär Einfluss auf die Regierung.
Freiheitliche Organisationen und Bewegungen gründeten zusammen 1980 die United Democratic Front (UDF) und die Gewerkschaften vereinigten sich zum Congress of South African Trade Unions (Cosatu), der 1987 den größten Streik organisierte, den das Land jemals erlebt hatte (allein in den Minen traten 300.000 Bergarbeiter in den Aufstand). Von 1985 bis 1986 herrschte Kriegszustand in den Townships. Die Situation eskalierte so, daß der nationale Ausnahmezustand über das Land verhängt wurde, der bis 1990 bestehen blieb. Über 300.000 Menschen wurden in dieser Zeit verhaftet. Der gefürchtete Geheimdienst, die South African Defence Force (SADF), überfiel UDF-Aktivisten und tötete viele. Auch wurden über die Landesgrenzen Trupps losgeschickt, um im benachbarten Ausland Ausbildungscamps und Basislager des ANC zu zerstören.
Der immer stärker werdende internationale Druck zwang die weiße Regierung, im Februar 1990 das Verbot des ANC und anderer Organisationen aufzuheben. Nelson Mandela wurde aus dem Gefängnis entlassen. Der ANC begann sich neu zu organisieren. Auf seinem ersten freien Kongress 1991 wurde Nelson Mandela zu seinem Präsidenten gewählt. Er übernahm das Amt von Oliver Tambo, der diesen Posten von 1969 bis 1991 innehatte. Im April 1994 fanden die historischen ersten freien Wahlen in Südafrika statt. Der ANC gewann mit großer Mehrheit. Er konnte 62,6% der über 22 Millionen Stimmen auf sich vereinen.
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