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Typisch ungarisch!

Blick auf Budapest © by ** Maurice ** - flickr.com
Blick auf Budapest

"Da ich nicht viel zu tun hatte, besichtigte ich Budapest, die Königin aller Hauptstädte."

Liselotte Pulver

Budapest, Balaton, Paprika, Csárda, Piroschka, Puszta, Husaren, Zigeunerprimas. Das sind wohl die ersten Begriffe, die einem in Zusammenhang mit Ungarn als typisch einfallen. Wer weiter nachdenkt, der kommt noch auf Tokajer, Gulasch und Letscho, vielleicht fallen ihm auch der Rákóczi-Marsch oder Brahms’ Ungarische Tänze ein. Hier nun ein kleiner Überblick "typisch ungarischer" Dinge.

Piroschka ist das ungarische Rotkäppchen. Der Film Ich denke oft an Piroschka (1955) von Kurt Hoffmann hat das Ungarnbild einer ganzen Generation in Deutschland geprägt. Dabei wurde der Film mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle wegen fehlender Drehgenehmigung für Ungarn nicht einmal in Hódmezövásárhelykutasipuszta, sondern im jugoslawischen Palic gedreht.

Der Csárdás (oder Tschardasch) ist ein feuriger Paartanz im 2/4-Takt; er gilt als der ungarische Nationaltanz schlechthin. Dabei gehören Männertänze wie der Verbunkos und Frauentänze ebenso zur traditionellen Tanzfolklore.

Csárdás und Verbunkos sind nicht zuletzt wegen der Adaption durch Zigeunerkapellen in die Kunstmusik eingegangen. Das Wort Verbunkos geht übrigens auf das deutsche "Werbung" zurück, denn der Tanz galt der Anwerbung von Soldaten.

Der Primas als Vorgeiger einer Zigeunerkapelle gehört zum Ungarnbild wie der Paprika. Und doch ist bei beiden das Bild typischer als der Ursprung. Im Falle der Musik wiesen Bártok und Kodály nach, dass die Zigeunermusik nicht, wie im 19. Jh. angenommen, mit der ungarischen Volksmusik identisch ist. Sogar Liszt glaubte das und verfasste die wissenschaftlich haltlose Schrift "Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn". Die von Komponisten wie Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert oder Brahms übernommenen Motive "ungarischer Nationalmusik" gehen oft auf Zigeunerkapellen zurück. Die eigentliche ungarische Volksmusik ist jedoch das Bauernlied. Der bekannte und oft bearbeitete Rákóczi-Marsch basiert auf Trompetensignalen der ungarischen Truppen während des Freiheitskampfes unter Rákóczi. Die bekannteste Fassung ist wahrscheinlich die von Hector Berlioz in "Fausts Verdammung".

Es gibt auch ein typisch ungarisches Musikinstrument. Es heißt Tarogatós und ähnelt der Klarinette. Nach verlorenen Schlachten spielte man früher das Instrument auf Bergkuppen.

Nun zum Paprika. Man verbindet zwar Ungarn schlechthin mit Paprika, aber Kochpapst Gundel klärt auf: "Was ich über den Paprika zu sagen habe, wird den Leser bestimmt einigermaßen enttäuschen. Ich muss eingestehen, dass dieses Gewürz, das allgemein als ungarisches Nationalgewürz bekannt ist, in Ungarn erst vor einem Jahrhundert Verbreitung fand. In ungarischen Kochbüchern aus der ersten Hälfte des 19. Jh. wird Paprika kaum erwähnt, und vor 200 Jahren war er noch gänzlich unbekannt." Man nimmt allgemein an, dass Kolumbus’ Arzt Doktor Chanca die Pflanze nach Europa brachte. Von der Iberischen Halbinsel aus verbreitete sie sich dann weiter, und nach Ungarn gelangte der Paprika offenbar durch die Türken. Der Anbau der Pflanze begann in Ungarn aber erst gegen Ende des 17. Jh. Heute ist diese etwa 50 Zentimeter hohe Pflanze aus Ungarn nicht mehr wegzudenken. Es war ein ungarischer Arzt, der den die Schärfe des Paprikas verursachenden Wirkstoff Capsaicin 1878 entdeckt hat. Und auch die revolutionäre Erfindung, getrockneten Paprika als Gewürz zu verwenden, wird allgemein den Ungarn zugeschrieben. Die zum Trocknen dienenden Paprikakränze sind ein unverwechselbares Aushängeschild südungarischer Dörfer. Getrockneten und gemahlenen Gewürzpaprika gibt es in bis zu sechs verschiedenen Sorten. Von dem feuerroten und harmlosen Extra Paprika, dem milden oder scharfen Delikatesspaprika über Edel- und Halbsüßpaprika bis zum Rosenpaprika und zum bräunlich-gelben und höllisch scharfen Paprika reicht die Schärfeabstufung der Sorten. Wie berechtigt der Begriff einer "feurigen Speise" ist, weiß man erst seit kurzem, als der Nachweis gelang, dass Capsaicin in uns dieselben biochemischen Prozesse auslöst wie eine Verbrennung.

Auch der Turul ist typisch ungarisch. Wahrscheinlich werden Sie ihn nicht kennen, denn er ist weder käuflich noch kommerziell ... und deshalb mein Lieblings-Typisch-Ungarisch-Artefakt. Der Turul ist der sagenhafte ungarische Urvogel aus dunkler Vorzeit, der offenbar auch mit dem Totenkult zu tun hatte. Obwohl den Zoologen solch ein Tier unbekannt ist, habe ich kürzlich in einer brillanten Studie des ungarischen Turulexperten László Dúcz gelesen, dass es sich dabei wahrscheinlich um einen Würgfalken handelt. In Budapest sieht man auf Anhieb fünf ausgewachsene Exemplare. Vier sitzen auf den Pfeilern der Freiheitsbrücke, und ein großer wacht auf einem Schwert gleich neben der oberen Station der Standseilbahn auf der Burg. Der größte überhaupt ist aus Bronze und erinnert seit 1896 bei Tatabánya an den Sieg des ungarischen Heeres über die bayerischen Truppen im Jahre 906.

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