Reiseland Spanien 2012: Das Ende der Siesta?
Von: if
Totgesagte leben länger, das galt bislang auch für die ausgedehnte spanische Mittagspause, die legendäre Siesta. Nun soll es ihr in Zeiten der hartnäckigen Wirtschaftskrise an den Kragen gehen. Vielleicht.
Urlauber aus Deutschland tun sich auch nach wiederholten Aufenthalten in Spanien schwer, die Siesta, die überlange Mittagspause, ernst zu nehmen und sie als unerschütterliche Konstante im Arbeitsalltag der Einheimischen zu akzeptieren. Wie oft hat man nach 13.00 Uhr vor verschlossener Ladentür gestanden und konnte es nicht glauben, dass hier vor 17.00 Uhr kein Lebenszeichen zu erwarten war? Ohnehin machen spanische Geschäfte während der langen Siesta den Eindruck, als seien sie längst aufgegeben und würden in diesem Leben nicht mehr geöffnet werden. Seltsamerweise ist dieser Dornröschenschlaf mit schöner Regelmäßigkeit am späten Nachmittag vorbei und das reanimierte Treiben pulsiert bis in die späten Abendsstunden.
Damit soll jetzt endgültig Schluss sein. Neue Betriebszeiten sollen dem Land nach resteuropäischem Vorbild aus der Krise helfen, denn an der Produktivität pro Arbeitsstunde gemessen liegt Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, unter den siebzehn Mitgliedsländern nur an zehnter Stelle.
Über ein Ende der Siesta wird in Spanien schon länger debattiert. Aber nun denkt selbst die Vereinigung kleiner und mittelständischer Betriebe des Landes darüber nach, die über 90 Prozent der spanischen Unternehmen vertritt. Überlange Arbeitstage gelte es zu vermeiden, da diese die Produktivität beeinträchtigten.
Die Tradition der Siesta reicht angeblich nur bis in die 30er Jahre des 20. Jhd. zurück. Damals gab es die Notwendigkeit, sich mit zwei Jobs über Wasser zu halten. Zwischen diesen wollte man eine spätere und längere Essens- und Ruhepause einzulegen. Könnte sein, dass diese Zeiten nun wiederkehren und auf traurige Weise das Ende der Siesta doch noch verhindern.
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