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Der Yosemite National Park

Yosemite National Park copyright by Rainer Marks - wikipedia.de

Yosemite National Park

Schaustück und touristische Achillesferse der Sierra Nevada

Yosemite Valley

Der über 3000 km2 große Yosemite (sprich Jo-sé-mi-ti) ist einer der attraktivsten und gleichzeitig vielseitigsten Landschaftsparks Nordamerikas. Sein populärster Teilbereich ist das malerische, tief in den Granit der Sierra Nevada eingeschnittene Yosemite Valley. Auf welcher der Zufahrten Besucher auch immer den Yosemite erreichen, sie alle landen auf derselben Straße ins Hochtal (1.200 m).

Ziemlich unvermittelt ist man dann mittendrin im grünen Yosemite Valley, einemTalkessel wie aus einem Fantasy-Roman, eingefaßt von senkrechten Wänden: links ragt der El Capitán in die Höhe (2.307 m/ 7.569 ft), ein Granitmonolith mit 1.100 m (3.593 ft) schierer Wand, und rechts stürzt das Wasser der Bridalveil Falls in mehreren Stufen 620 m in die Tiefe. Noch zwei weitere der 10 höchsten Wasserfälle der Welt findet man hier, die dreistufigen Yosemite Falls (740 m), und die Sentinel Falls, die es immerhin auch noch auf 600 m Fallhöhe bringen. Sie alle speisen den Merced River, einen der größten
Wasserläufe im 2.700 km langen Flußsystem des Parks. Im Hintergrund schließt das markante Felsprofil des mächtigen Half Dome die magische Welt des Yosemite Valley ab.

Nevada Falls © by Hans-R. Grundmann - RKH-Verlag

Nevada Falls

Probleme des Tals

Auf den ersten Blick erkennt man – außer zu besonders verkehrsreichen Zeiten – kaum, daß dieses Tal einer der “heimgesuchtesten” Plätze des amerikanischen Westens ist. Ein Großteil der ca. 4 Mio. Besucher jährlich beschränkt seinen Aufenthalt im Nationalpark auf das nur etwa 7 mi2 große Valley. Denn dessen Schönheit ist dramatisch, wiewohl Verkehrsstaus, Benzindunst und dicht besetzte Massen- Campgrounds an manchen Tagen den Blick dafür – zumindest vorübergehend – ein wenig trüben mögen.

Tioga Road Bereich

Als einzige Straße durchquert die Tioga Road den Park in Ost-West- Richtung (nur ab ca. Ende Mai bis Mitte Oktober durchgehend offen). Vom Tal steigt sie langsam durch dichten Wald auf die Hochebene, passiert tief eingeschnittene Seitencanyons und gibt weiter oben den Blick frei auf Bergspitzen und einige der rund 1.600 Seen des Parks. Die von Gletschern polierten Wände der Granitdome werfen die helle kalifornische Sonne zurück. Dort sieht und fühlt man, warum die Sierra Nevada auch Range of Light genannt wird. Auf über 2.400 m (8.000 ft) Höhe erreicht man die Tuolumne Meadows, ausgedehnte subalpine Wiesen. Nördlich davon befindet sich eine weitere Schlucht, tiefer als das Valley und relativ wenig beachtet, der Grand Canyon of the Tuolumne River. Am Tioga Pass – zugleich die Ostein-/ausfahrt des Nationalparks – erreicht man mit 3.031 m (9.945 ft) den höchsten Punkt der Straße durch den Park. Sie fällt von der Paßhöhe steil und unendlich lang ab und läuft über Geröllhalden entlang dem Lee Vining Creek hinunter in die größte der amerikanischen Wüsten, das Great Basin.

Felsnase am Glacier Point © by Hans-R. Grundmann - RKH-Verlag

Felsnase am Glacier Point

Flora und Fauna

Die Tuolumne Meadows nehmen zwar nur 4% der überwiegend bewaldeten Parkfläche ein, aber mehr als 40% der rund 1.400 Pflanzenarten der Sierra kommen dort vor. Da der Nationalpark von 600 m bis fast 4.000 m Höhe mit entsprechend unterschiedlichen Klimazonen reicht, gibt es zahlreiche Habitate. Von 78 Säugetierarten bekommt man mule deer (Maultierhirsche) und Schwarzbären (black bear) vergleichsweise häufig zu Gesicht; aber selbst für die Sichtung der verbreitetsten der 247 Vogelarten benötigt man Geduld.

Geschichte

Menschen sind schon lange Teil des Yosemite-Ökosystems, einige prähistorische Stätten 3.000-4.000 Jahre alt. Verschiedene Stämme der Miwok-Indianer bewohnten das Gebiet, während Paiute aus dem Great Basin und andere Stämme nur zeitweise hierher kamen. Ab 1849 überfluteten Goldsucher die Sierra Nevada. Auseinandersetzungen mit den Indianern blieben dabei nicht aus. Der Staat Kalifornien sandte daraufhin in der Logik jener Zeit Soldaten, um die Indianer niederzuwerfen. Das in diesen Kämpfen geschlagene und dezimierte Volk der Miwoks verblieb zwar in der Region, aber 1930 wurde das letzte Indianerdorf aus dem Yosemite Valley entfernt. Die Nachkommen der Urbevölkerung leben heute außerhalb des Parks.

Bereits 1864 stellte Präsident Abraham Lincoln das Yosemite Valley und den Mariposa Grove, einen Hain voller Sequoia-Baumriesen, unter Schutz. In der ungeschützten High Sierra trampelten aber nach wie vor riesige Viehherden herum. Dem visionären Naturschützer und Poeten John Muir ist zu verdanken, daß schon 1890 der Yosemite National Park eingerichtet wurde. Den Kampf gegen den Bau eines Staudamms verlor er dennoch: 1913 wurde der Raker Act verabschiedet, als dessen Folge der Tuolumne River gestaut und ein wunderschönes Tal überflutet werden durfte. Das Hetch Hetchy Reservoir im Nordwesten des Parks liefert bis heute Trinkwasser nach San Francisco.

Abseits des Tourismus

Wer den Touristenströmen im Valley ausweichen oder entfliehen möchte, hat dafür zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Erstens das Backcountry im Yosemite. Fast 95% der Parkfläche sind Wilderness Areas, aber weniger als 2% der Parkbesucher gelangen dorthin!

Und dann gibt es die Anselm Adams Wilderness in südlicher Nachbarschaft zum Nationalpark, 925 km2 pure High Sierra, mit weiten Wäldern, unzähligen Bergseen und Bächen, Gletschern, zackigen Gipfeln und dem 4.010 m (13.157 ft) hohen Mount Ritter. Pacific Crest und John Muir Trails laufen beide durch diese Wilderness. Die Landschaft dort steht der im Park in nichts nach, und die Besucherzahlen sind noch geringer als im Hinterland des Yosemite.

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