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Las Vegas neues CityCenter

Seit Ende 2009 fließt der Colorado River auch in Las Vegas. Weder als Illusion noch in natura, sondern in Form von Maya Lins 26 m langem Abguss aus regeneriertem Silber im neuen Aria Resort&Casino. Das 61-stöckige Aria Hotel konzipierte der Argentinier César Pelli (Petronas Towers/Kuala Lumpur) als einander durchdringende Bögen aus Glas und Stahl.

Es ist das Herzstück des 8,5 Mrd Dollar teuren Hotel- und Kasinokomplexes CityCenter, der erst Ende 2009 zwischen Bellagio und Monte Carlo eröffnet wurde. Zum größten privat finanzierten Bauprojekt in der Geschichte des USA gehören aber noch fünf weitere spektakuläre Gebäude namhafter Architekten

  • das sichelförmige mit Ornamentglas überzogene 57-stöckige mit dem Aria verbundene Vdara Hotel (1495 Suiten)
  • das nur für Las Vegas Verhältnisse Boutiquehotel Harmon (Norman Foster; 400 Zimmer) an der Nordostecke des CityCenter mit einer stark gebogenen Aussenfassade in unterschiedlichsten Blautönen.
  • südlich des Harmon die Veer Towers (Helmut Jahn), sich um 5° in entgegengesetzte Richtungen neigende Zwillingstürme mit Luxusapartments
  • das Mandarin Oriental Hotel gleich nebenan als fast L-förmiger Wolkenkratzer. Die Sky-Lobby im 23. Stock spaltet den Turm in zwei Hälften: die untere beherbergt 400 Gästezimmer, die obere 227 Wohnungen.
  • die Luxus-Shopping Mall The Crystals (46.000 m2, Daniel Libeskind); sie ist über die Hochbahn mit den Kasinos Bellagio und Monte Carlo verbunden.

Ökologische Bauweise und Ausstattung machen das Gebäudeensemble zu einem der »grünsten« weltweit. Ein eigenes energieeffizientes Kraftwerk sorgt für Wärme und Licht. Überschüssige Hitze wird gespeichert, um heißes Wasser zu generieren. Die Limousinenflotte der Hotels ist erdgasbetrieben, die Klimatisierung erfolgt vom Bodenniveau nach oben und die Wasserkonservierung erspart 190 Mio Liter pro Jahr. Nachdem man das zuvor dort stehende Boardwalk Hotel abgerissen hatte, verwendete man 80% des Schutts beim Bau des CityCenter und verschickte die alten Badezimmereinrichtungen in 3.-Welt-Länder, wobei Vorhänge und Teppichböden als Packmaterial dienten.

Ein Highlight ist die Kunst im öffentlichen Raum, die allein sich Bauherr MGM-Mirage 40 Mio Dollar kosten ließ. Nicht nur auf den Silver River in der Rezeption des Aria, überall im CityCenter stößt man auf Kunstwerke.

Besonders heraushebenswert sind

  • Jenny Holzers 76 m lange LED-Leuchttafel an der Nordzufahrt des Aria
  • Nancy Rubins »Big Pleasure Point«, eine 15x25 m große Skulptur aus zahlreichen zu einem Knäuel verwobenen Kanus, Kayaks und Ruderbooten
  • Frank Stellas »Damascus Gate Variation I« hängt hinter der Rezeption des Vdara. Das Gemälde zählt zu den bekanntesten Arbeiten des Künstlers.
  • Isa Genzkens »Rose II« in der Hauptzufahrt des Harmon zeigt eine Rose in voller Blüte, die 8 m hoch und 450 kg schwer ist. 75% stammen aus recyceltem Material. Sie ist der einzige hier vertretene deutsche Künstler.
  • Richard Longs »Circle of Life« und »Earth«, 24 m hohe und 15 m breite Schlammgemälde sind in den Lobbies der Veer Towers zu bewundern.
  • Claes Oldenburgs & Coosje van Bruggens »Typewriter Eraser, Scale«, eine gigantische »Schreibmaschienenlöscheinrichtung« aus Stahl und Glasfaser (6 m hoch und 4 t schwer) steht am Mandarin Oriental Hotel.
  • Henry Moore’s »Reclining Connected Forms« findet man im Pocket Park zwischen Crystals und Aria.

Mitten in die Bauphase des CityCenter platzte die Immobilienkrise, von der noch nicht beseitigte Bauruinen wie die des Echelon und Fontainebleau auch am Strip zeugen. Apartments im CityCenter mussten drastisch im Preis reduziert werden und sind dennoch teils unverkäuflich. Um die Fertigstellung des Komplexes finanzieren zu können, musste MGM-Mirage sein Treasure Island veräußern.

Dennoch wurde das CityCenter letztlich fertiggestellt. Und schon streitet man heftig über das Konzept und das Design. Wurden damit neue Maßstäbe für die Zukunft gesetzt? Das wird sich noch herausstellen. Immerhin, rechnet man vor, habe das CityCenter 12.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und dem Strip frische Impulse gegeben. Einzigartig ist in der Tat, dass hier auf ca. 30 ha ein ganzes Viertel mit fast autarker Infrastruktur und Grünanlagen entstand. Wer sich intensiver für die Details der Architektur der Kasinos, ihrer Baukosten etc. interessiert, erfährt alles erdenklich Wissenswerte unter der Website www.vegastodayandtomorrow.com/page2hotels.htm und – was besonders das CityCenter betrifft – unter www.vegastodayandtomorrow.com/citycenter.htm.