Dollarkurs: aktuelle Situation Sommer 2010
(Hans R. Grundmann)
Die Entwicklung des Dollarkurs im Überblick, Perspektiven sowie der aktuelle Stand des Dollars.
Forex Chart Powered by Forex Pros.deStand: Sommer 2010
Vorspann zum Dollarkursartikel und der aktuellen Situation Sommer 2010
Seit Anfang 2010 sank der Eurokurs von ca. $1,45 auf teilweise deutlich unter $1,25, was einem temporären Wertverlust bezogen auf den US-Dollar von rund 15% innerhalb von 4 Monaten entsprach. Mittlerweile sind Erholungstendenzen unübersehbar. Trotz der zweifellos extremen Verschuldung Griechenlands und einiger weiterer Wackelkandidaten, leuchtet nicht ein, dass gegenüber dem Euro ausgerechnet die Währung eines Landes stark zulegt, in dem das Staatsbudget von $3.600 Mrd. im Fiskaljahr 2009/10 zu über 40% schuldenfinanziert werden muss und die Gesamtverschuldung allein des Bundes damit auf über $12.000 Mrd. in die Nähe von 90% des Bruttosozialprodukts eines Jahres gestiegen ist.
Hinzu kommen in einigen Staaten der USA schlimmere Budgetprobleme als in den meisten Ländern der Eurozone. Griechische Verhältnisse sind also in den USA nicht fern und in Anbetracht der absoluten Größenordnungen weit beängstigender als irgendwo im Euroland. Selbst bei der kreativen Berechnung von Inflationsraten und anderer wirtschaftlich bedeutsamer Kennzahlen machen die Griechen den Amerikanern nichts vor, siehe unten.
Von den auf Europa fokussierten Finanzmärkten völlig unbeachtet blieb bislang die sich abzeichnende größte Ölkatastrophe aller Zeiten im Golf von Mexiko. Als vor einigen Jahren der Wirbelsturm Katrina über New Orleans zog und die Küstenstriche von Louisiana und Mississippi verwüstete, geriet der Dollar dagegen sogleich ins Trudeln. Dabei waren die Schäden nach wenigen Tagen bekannt und finanziell gesehen trotz allem überschaubar und vor allem reparabel. Ökologie und Umwelt der betroffenen Regionen wurden kaum in Mitleidenschaft gezogen.
Kurz: Rational betrachtet ist nach wie vor der Dollar das größte Problemkind des globalen Finanzsystems. Der Eurokurs müsste sich mittelfristig wieder erholen, was nicht ausschließt, dass es kurzfristig weiter bergab geht. Denn Psychologie, Nervosität und Herdentrieb sind für die Kursentwicklung von Wertpapieren und Währungen offenbar mindestens ebenso wichtig wie wirtschaftliche Einflussfaktoren.
USA Dollarkurs und Canada Dollarkurs aktuell
Die entscheidende Rolle für den Abstieg des Dollarkurses bis Ende 2009, der lange vor der globalen Finanzkrise 2008/2009 begann, spielte das nahezu unglaubliche jährliche Außenhandelsdefizit der USA. Die USA liehen sich bis Herbst 2008 jahrelang im Ausland tagtäglich fast $2 Mrd, um ihren das eigene Volkseinkommen übersteigenden Konsum zu finanzieren.
Mit der wirtschaftlichen Abschwächung sank der Importüberschuss seither zwar auf „nur noch“ ca. $1 Mrd. täglich (Ende 2009), aber aufs Jahr gerechnet fahren die Amerikaner damit immer noch ein Handelsbilanzdefizit zwischen $300 Mrd. und $400 Mrd. ein, was beim momentanen Dollarkurs sogar wieder steigen wird.
Die Gesamtauslandsverschuldung der USA betrug Ende 2009 – festhalten! – rund $14.000 Mrd und steigt und steigt. Allein China hält Dollarreserven bzw. auf US-Dollar lautende Staatspapiere in Höhe von über $2.000 Mrd.
Aber das ist noch nicht alles: das Defizit des Bundeshaushalts betrug bereits strukturell bedingt (Irak- und Afghanistankrieg!) und zusätzlich wegen der Stützungsprogramme im Zuge der Finanzkrise im Fiskaljahr 2008/09 (bis 30.09.2009) über $ 1.500 Mrd.
Die Gesamtschulden des Bundes stiegen damit innerhalb eines Jahres von rund $10.500 auf rund $12.000 Mrd. Und im Dezember 2009 musste der Kongress die Verschuldungshöchstgrenze um weitere $300 Mrd. heraufsetzen, um eine Zahlungsunfähigkeit der Regierung zum Jahresende 2009 zu vermeiden.
Es ist leicht nachvollziehbar, dass derartige Defizite auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben können. Denn wer – außer den Chinesen - finanziert die eigentlich, wenn die Bevölkerung lieber mehr ausgibt als sie einnimmt? (Die Sparquote der privaten US-Haushalte war bis 2008 negativ und lag bestenfalls bei Null, erst in der Krise stieg sie auf einstellige Prozentsätze und soll bereits wieder bei Null liegen. Zum Vergleich: in Deutschland beträgt die Sparquote ca. 10%-12% der Einkommen).
Faktisch setzt die amerikanische Zentralbank für das Gros der Neuverschuldung die Notenpresse in Gang. Denn die gering verzinsten Staatspapiere lassen sich am Markt nicht mehr in vollem Umfang absetzen. Für die frisch gedruckten Dollars übernimmt die Bank die (eigentlich wertlosen) Schuldverschreibungen der Regierung in hre Bilanz und tut so, als ob sie werthaltig seien

US-Dollar bills
Die Folge ist bereits seit Jahren eine in den USA spürbar höhere Inflationsrate als in Europa, die aber in der offiziellen Statistik kaum ihren Niederschlag findet, die man - die tatsächlichen Verhältnisse verschleiernd (vor allem beim täglichen Bedarf: Supermarkt, Fast Food u.a.m.) - „zusammenbastelt, wie es politisch beliebt“ (so die Financial Times Deutschland).
Auf diese Weise bezahlt jeder US-Bürger indirekt und zusätzlich zu seinen Steuern (und natürlich auch jeder Tourist in den USA) die Folgelasten des Irakkriegs und der noch lange nicht ausgestandenen Wirtschaftskrise. Die Höhe der dafür in den Geldkreislauf gepumpten zusätzlichen Milliarden, denen kein zusätzlicher Wert an Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht, dürfte in den USA mehr noch als bei uns über kurz oder lang zu einer weiteren Erhöhung der Inflation führen.
Und damit zu den Reisekosten, die hier differenzierter beurteilt werden als durch viele Medien, die mit Hinweis auf den „günstigen“ Dollarkurs die USA bis vor kurzem gerne als preiswertes Urlaubsland darstellten und jetzt behaupten, ein Kurs von $1,20 für den Euro würde in etwa die Kaufkraftverhältnisse widerspiegeln, was zumindest für den “Warenkorb“ eines 3-Wochen-Touristen Unsinn ist.
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