Bezahlen in Großbritannien – Karten, Bargeld und Mobile Payment

von Hartmut Ihnenfeldt

Großbritannien gilt als eines der am stärksten digitalisierten Länder Europas, wenn es ums Bezahlen geht. Die Kartenzahlung ist hier längst der Normalfall, Bargeld wird im Alltag fast vollständig verdrängt. Wer aus Deutschland anreist, sollte wissen, dass fast jede Transaktion mit Karte oder Smartphone möglich ist – selbst der Kaffee „to go“ oder der Fahrschein für die Londoner U-Bahn. Dennoch bleibt es sinnvoll, einen kleinen Bargeldbetrag als Reserve dabeizuhaben, etwa für ländliche Gegenden oder unerwartete Situationen. Bezahlen mit Euro oder Dollar ist in der Regel nicht möglich.

britisches pfund
Bargeld ist auch in GB auf dem Rückzug; Foto: Stefan Schweihofer auf Pixabay CC4

Kartenkultur im Alltag

In England und Schottland gilt: Ohne Karte kommt man praktisch nicht weit. Selbst Kleinstbeträge von unter einem Pfund werden anstandslos kontaktlos gebucht. Das Limit für kontaktlose Zahlungen wurde 2021 auf 100 £ angehoben und gilt weiterhin. Darüber hinaus greift das Chip-&-PIN-Verfahren – eine Unterschrift, wie sie in Deutschland bis vor kurzem noch vorkam, ist in Großbritannien praktisch verschwunden.

Visa und Mastercard werden nahezu überall akzeptiert, Debitkarten sind weit verbreitet. Für deutsche Reisende bedeutet das: Kreditkarten sind die verlässlichste Lösung, während girocards nur funktionieren, wenn sie zusätzlich mit Maestro oder V-Pay ausgestattet sind. Sparkassen- oder Volksbankkarten ohne internationales Co-Badge werden an britischen Terminals meist abgelehnt.

Ein Blick in den Alltag verdeutlicht die Unterschiede:

  • Supermärkte und Ketten arbeiten fast ausschließlich bargeldlos, manche Filialen von Pret a Manger oder Costa Coffee nehmen seit 2023 gar kein Bargeld mehr an.
  • Taxis in London und Edinburgh akzeptieren durchweg Karten, auch im Black Cab genügt ein kurzer Tap.
  • Märkte und Festivals haben nach Corona auf mobile Kartenleser umgestellt – selbst kleine Händler arbeiten inzwischen mit SumUp oder iZettle.

Mobile Payment auf dem Vormarsch

Großbritannien war eines der ersten Länder Europas, in denen Apple Pay und Google Pay flächendeckend eingeführt wurden. Heute nutzen Millionen Briten täglich ihr Smartphone oder ihre Smartwatch, sei es für den Arbeitsweg mit der Bahn oder den Einkauf bei Tesco. Deutsche Reisende profitieren davon unmittelbar: Hinterlegte Kreditkarten werden in der Regel sofort erkannt, die Zahlung läuft ohne Währungsprobleme direkt in Pfund.

Interessant ist, dass Mobile Payment nicht nur Komfort bietet, sondern in vielen Bereichen die Oyster Card im Nahverkehr ersetzt. Wer in London Bus und Underground fährt, hält einfach die Kreditkarte oder das Handy an den Scanner – die Fahrpreise werden automatisch nach Tages- und Wochenhöchstgrenzen gedeckelt. Girocards funktionieren hier nicht, deutsche Kreditkarten und Mobile-Payment-Lösungen dagegen reibungslos.

Bargeld – fast ein Relikt

Im Vereinigten Königreich ist Bargeld innerhalb eines Jahrzehnts von der Norm zum Ausnahmefall geworden. Statistiken zeigen, dass nur noch rund zwölf Prozent aller Transaktionen bar abgewickelt werden. In Großstädten wie London oder Manchester ist Bargeld kaum noch im Umlauf, während es in den Highlands von Schottland, in Nordirland oder in walisischen Küstenorten noch eine gewisse Bedeutung hat. Kleine Pubs, Bed & Breakfasts oder Dorffeste setzen dort gelegentlich noch auf Cash.

Empfehlung für Reisende:

  • Eine Barreserve von 20 bis 50 £ in Scheinen reicht völlig.
  • Abheben am Automaten ist einfach, aber nicht kostenlos – meist fallen 1–2 % Auslandseinsatz plus Bankgebühren an!!
  • Wechselstuben existieren zwar noch, spielen aber im Alltag keine Rolle mehr.

Gebührenfallen vermeiden!

Ein wichtiger Hinweis betrifft die dynamische Währungsumrechnung. Viele Terminals bieten an, in Euro statt in Pfund zu zahlen. Das klingt bequem, ist aber fast immer teurer, weil Händler oder Automatenbetreiber eigene, ungünstige Kurse berechnen. Reisende sollten deshalb konsequent „in GBP“ wählen. Auch lohnt es sich, vor der Abreise die Auslandsgebühren der Hausbank zu prüfen – manche Direktbanken werben mit kostenlosen Abhebungen, während klassische Filialbanken pro Vorgang fünf bis zehn Euro berechnen.

Regionale Unterschiede

  • London und Südengland: Fast komplett bargeldlos. Selbst Parkautomaten und öffentliche Toiletten nehmen Karte.
  • Schottland: Starke Verbreitung von Karten, aber auf dem Land vereinzelt Bargeldpflicht. Vorsicht bei schottischen Pfundnoten: Sie sind in ganz UK gültig, werden aber in England von Ladenpersonal manchmal misstrauisch beäugt.
  • Wales: In Cardiff modern und bargeldlos, in ländlichen Küstenorten mehr Bargeldnutzung.
  • Nordirland: In Städten wie Belfast problemlos mit Karte, auf dem Land noch häufiger Cash. Außerdem gelten dort neben britischen Pfundnoten auch Banknoten der nordirischen Banken, die für deutsche Besucher ungewohnt wirken können.