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Der Trans-Kanada Highway



In Kanada kam eine erste durchgehende Ost-West-Verbindung erst 1885 mit der Fertigstellung der Canadian Pacific Railroad zustande. Die Schiene blieb über Jahrzehnte der einzige transkontinentale Verkehrsweg. Der Ausbau eines Straßennetzes begann praktisch nicht vor Mitte der 1920er-Jahre und beschränkte sich zunächst auf die dichter besiedelten Gebiete. Während es schon seit 1942 möglich war, über den Canada- Alaska Highway auf einer durchgehenden Straße bis in den hohen Norden zu gelangen, konnte man bis in die 1960er- Jahre hinein Canada nicht per Auto durchqueren.

Die Barrieren des Lake Superior und der Rocky Mountains verhinderten eine Verbindung zwischen den Straßensystemen im kanadischen Osten und Westen mit dem der Prärieprovinzen. Der Autoverkehr zwischen diesen drei Regionen war nur über die USA möglich. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass dabei – je nach Start – und Zielpunkt – aber nicht einmal notwendigerweise größere Umwege anfielen.



Der Beschluss zur Schaffung einer Transkontinentalstraße erfolgte auch als Demonstration der Einheit Canadas und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Landes (von den USA). Eine komplette Neukonstruktion war nicht erforderlich. Bereits existierende Straßen mussten »nur« nach Westen bzw. Osten verlängert und miteinander verbunden werden – vor allem zwischen Sault St. Marie und Winnipeg und im Bereich der Rocky Mountains. Ab 1962 konnten dann erstmalig Autos von St. John’s auf Newfoundland bis nach Victoria auf Vancouver Island quer durch Canada fahren. Aber erst 1965 war endlich der letzte Kilometer asphaltiert und die Strecke damit ganzjährig witterungsunabhängig befahrbar.

Die aneinander anschließenden Teilstrecken wurden in ihrer Gesamtheit zur Trans Canada Highway. Ausschlaggebend für die Einbeziehung einer Straße in den TCH-Verlauf (Trans-Canada Highway) waren Ausbau und Zustand ebenso wie wirtschaftliche und politische Überlegungen. Touristische Aspekte bestimmten nur ganz am Rande den Verlauf, der deshalb auch durchaus nicht überall der denkbar reizvollsten Route durch Canada entspricht. Aber ohne Frage gibt es außerordentlich attraktive Abschnitte, etwa oberhalb des Lake Superior im Westen Ontarios und in British Columbia.

Im Laufe der Jahre wurden der TCH – speziell in Ontario – Alternativrouten, die ebenfalls die Bezeichnung TCH tragen, »hinzudefiniert«, um in abgelegenen Gebieten Tourismus zu fördern. So teilt sich westlich von Ottawa die TCH in zwei Arme: Einer läuft direkt in Richtung Sault Sainte Marie, der andere Arm schlägt einen südlichen Bogen bis in die Nähe von Toronto.



Ab North Bay führt eine TCH-Nebenroute durch die Einsamkeit des Nordens. Von Thunder Bay bis Kenora existiert eine weitere »ausgewiesene« Alternativstrecke, die Voyager Route. Nur zwischen Manitoba und Ontario gibt es auf dem Festland neben der TCH keine weitere die Provinzgrenzen überschreitende Straße.

Die Gesamtlänge der TCH hängt von der gewählten Route ab. Die kürzeste Verbindung ist 7.700 km lang und schließt zwei Fährabschnitte ein (Newfoundland – Nova Scotia und Vancouver/Horseshoe Bay – Nanaimo). Schon kleinste Abweichungen davon bringen die Gesamtstrecke rasch auf über 8.000 km.

Im Rahmen dieses Buches spielt die Trans Canada Highway keine eigenständige Rolle, etwa als Schwerpunktstrecke. Dort wo die TCH bzw. Teilabschnitte dieser Straße die sinnvollste oder eine besonders reizvolle Route ergeben, ist die Trans Canada Highway in die beschriebenen Strecken integriert. Wo aber die Straße weniger bietet – so z.B. auf ihrem Verlauf durch Québec und im Osten Ontarios –, bleibt sie bei der Routenführung dieses Buches weitgehend unbeachtet.