Das Wichtigste vorweg
- Ausgangspunkte: Vancouver oder Calgary, gegebenenfalls Edmonton
- Streckenlänge: mit den wichtigsten Abstechern rund 4.500 Kilometer
- Ab Edmonton: etwa 700 Kilometer zusätzlich
- Zeitbedarf: vier Wochen
- Beste Reisezeit: Mitte Juni bis Ende August; für die komplette Rundreise idealerweise Start bis Mitte August
- Fähre: Port Hardy–Prince Rupert mit Fahrzeug unbedingt frühzeitig reservieren
- Charakter: große Landschaftsrundreise mit Pazifikküste, Vancouver Island, Inside Passage, nordwestlichem British Columbia und Rocky Mountains
Eckpunkte der Route
Vancouver – Fähre nach Swartz Bay – Victoria – Nanaimo – Pacific Rim National Park Reserve – Tofino/Ucluelet – Port Hardy – Fähre nach Prince Rupert – Terrace – Kitwanga – Abstecher Stewart/Hyder – Smithers – Prince George – Mount Robson Provincial Park – Jasper – Icefields Parkway – Lake Louise – Yoho National Park – Banff – optional Calgary – Kootenay National Park – Radium Hot Springs – Golden – Glacier National Park – Mount Revelstoke National Park – Nakusp – Okanagan Valley – Osoyoos – Manning Provincial Park – Hope – Vancouver.
Damit kombiniert die Route wesentliche Teile der Rundreise durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies mit einer ausführlichen Fahrt über Vancouver Island und durch den Norden British Columbias.
Vancouver und Victoria zum Auftakt
Vancouver ist der günstigste Ausgangspunkt, wenn die Rundfahrt klassisch an der Pazifikküste beginnen soll. Für die Stadt selbst sollten mindestens zwei Tage vorgesehen werden. Einen Überblick bietet unser Beitrag zu Vancouvers Sehenswürdigkeiten.
Mit der Fähre geht es anschließend nach Swartz Bay auf Vancouver Island und weiter nach Victoria. Die Hauptstadt British Columbias besitzt mit ihrem Inner Harbour, den historischen Gebäuden und ihrer ausgesprochen britisch geprägten Atmosphäre einen völlig anderen Charakter als Vancouver.
Für Victoria reichen zwei Übernachtungen, sofern keine längeren Ausflüge vorgesehen sind.
Vancouver Island: mehr als nur Durchgangsstation
Von Victoria führt die Route nach Norden. Vancouver Island sollte dabei nicht nur als Zufahrt zur Fähre nach Prince Rupert betrachtet werden. Die Insel besitzt einige der attraktivsten Küstenlandschaften Westkanadas.
Ein Schwerpunkt liegt an der Westküste mit Tofino, Ucluelet und dem Pacific Rim National Park Reserve. Regenwald, lange Strände und die offene Pazifikküste unterscheiden sich fundamental von den späteren Landschaften in den Rocky Mountains.
Für die Westküste sollten mindestens drei Übernachtungen eingeplant werden. Danach führt die Reise über Nanaimo und den Highway 19 weiter nach Norden.
Von Nanaimo nach Port Hardy
Je weiter die Route nach Norden führt, desto dünner wird die Besiedlung. Campbell River eignet sich als Zwischenstation und Ausgangspunkt für Bootstouren und Tierbeobachtungen.
Nördlich davon beginnt das weniger touristische Vancouver Island. Port Hardy selbst ist weniger Ziel als Verkehrsknotenpunkt, besitzt aber eine reizvolle Lage an der zerklüfteten Nordküste.
Hier beginnt zugleich eine der außergewöhnlichsten Etappen der gesamten Reise.
Inside Passage: mit der Fähre nach Prince Rupert
Die Fährverbindung zwischen Port Hardy und Prince Rupert gehört zu den landschaftlichen Höhepunkten Westkanadas. Die Fahrt durch die Inside Passage führt über rund 500 Kilometer zwischen Inseln, bewaldeten Bergen, Fjorden und abgelegenen Küstenabschnitten nach Norden. Für die Passage sind rund 16½ Stunden anzusetzen.
Für Fahrzeuge sollte die Verbindung unbedingt frühzeitig reserviert werden. Die Fähre fährt nicht in einem dichten täglichen Takt, und die Fahrzeugkapazität ist begrenzt. Gerade im Juli und August kann eine ausgebuchte Überfahrt den gesamten Reiseplan durcheinanderbringen.
Die Überfahrt ist keine lästige Transportetappe, sondern Teil der Reise. Bei gutem Wetter bietet sie stundenlang Ausblicke auf die kaum erschlossene Küstenlandschaft British Columbias.
Prince Rupert und die Nordküste
Prince Rupert liegt auf Kaien Island nahe der Grenze zu Alaska und ist einer der wichtigsten Häfen Nordkanadas. Für die Stadt selbst genügt bei knappem Zeitplan meist ein Tag.
Anschließend folgt die Strecke dem Highway 16 ostwärts über Terrace nach Kitwanga. Damit beginnt eine der am dünnsten besiedelten Regionen der Rundreise.
Der Highway 16 trägt den Namen Yellowhead Highway und bildet die wichtigste Ost-West-Verbindung durch das nördliche British Columbia.
Abstecher nach Stewart und Hyder
Bei Kitwanga verlässt die Route vorübergehend den Yellowhead Highway und folgt dem Highway 37 nach Norden. Bei Meziadin Junction zweigt die Straße nach Stewart ab.
Schon die Anfahrt durch das enge Tal gehört mit Wasserfällen, steilen Bergen und Gletschern zu den eindrucksvollsten Straßenabschnitten British Columbias.
Stewart liegt unmittelbar an der Grenze zu Alaska. Wenige Kilometer weiter befindet sich Hyder auf amerikanischer Seite. Der Abstecher verbindet kanadische Küstenlandschaft mit einem kurzen Besuch in Alaska und ist trotz der zusätzlichen Kilometer sehr empfehlenswert.
Stewart und Hyder gehören ebenfalls zu den Höhepunkten der wesentlich längeren Route durch Yukon, Alaska und die Rocky Mountains.
Über den Yellowhead Highway nach Prince George
Nach der Rückfahrt nach Kitwanga folgt die Route dem Highway 16 über Smithers nach Prince George.
Smithers liegt ausgesprochen reizvoll zwischen Bergen und eignet sich besser für einen Zwischenaufenthalt als eine reine Übernachtung am Highway. Danach wird die Landschaft weiter und weniger spektakulär, bevor Prince George erreicht wird.
Die Stadt ist vor allem Versorgungszentrum und Verkehrsknotenpunkt. Hier kreuzen sich mehrere wichtige Fernstraßen des westlichen Kanada.
Von Prince George in die Rocky Mountains
Der Yellowhead Highway führt von Prince George über McBride und Tête Jaune Cache nach Osten.
Am Mount Robson Provincial Park verändert sich die Szenerie grundlegend. Bei klarer Sicht dominiert der 3.954 Meter hohe Mount Robson, der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains, die Landschaft.
Kurz darauf wird die Provinzgrenze zwischen British Columbia und Alberta überquert und Jasper erreicht.
Der Abschnitt von Prince George nach Jasper wird auch bei der Transkontinentalreise von Toronto nach Vancouver genutzt.
Jasper und der Icefields Parkway
Für Jasper sollten mindestens zwei Übernachtungen vorgesehen werden. Der Nationalpark bietet Bergseen, Wasserfälle, Wanderwege und gute Möglichkeiten zur Tierbeobachtung.
Von Jasper führt der Icefields Parkway nach Süden. Die rund 230 Kilometer lange Hochgebirgsstraße gehört zu den eindrucksvollsten Panoramarouten Nordamerikas.
Athabasca Falls, Sunwapta Falls, Columbia Icefield, Bow Lake und Peyto Lake liegen unmittelbar an oder nahe der Strecke. Für die Fahrt sollten deshalb nicht nur einige Stunden, sondern mindestens ein voller Tag eingeplant werden. Zwei Tage sind erheblich angenehmer.
Straßenverhältnisse und vorübergehende Sperrungen sollten auf diesem Abschnitt grundsätzlich aktuell geprüft werden.
Lake Louise, Yoho und Banff
Bei Lake Louise erreicht die Rundreise den touristisch am stärksten frequentierten Teil der Rocky Mountains.
Ein Abstecher in den Yoho National Park auf der Westseite der kontinentalen Wasserscheide ist unbedingt empfehlenswert. Emerald Lake, Takakkaw Falls und die Berglandschaften rund um Field rechtfertigen mindestens einen zusätzlichen Tag.
Anschließend geht es nach Banff. Wer Calgary besuchen möchte, kann von hier einen Abstecher in die größte Stadt Albertas unternehmen.
Dieser Teil der Strecke entspricht weitgehend der Route durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies.
Kootenay, Glacier und Mount Revelstoke
Von Banff führt die Reise durch den Kootenay National Park nach Radium Hot Springs. Danach geht es über Golden weiter durch den Glacier National Park und den Mount Revelstoke National Park.
Die Landschaft bleibt hochalpin, wird auf der Westseite der Rocky Mountains jedoch zunehmend grüner und feuchter.
Dieser Abschnitt eignet sich hervorragend für kürzere Wanderungen und Zwischenstopps. Wer vier Wochen Zeit hat, sollte deshalb nicht versuchen, Banff, Kootenay, Glacier und Mount Revelstoke in wenigen Fahrtagen abzuhaken.
Nakusp und das südliche British Columbia
Von Revelstoke führt die Route in Richtung Nakusp. Seen, Wälder und heiße Quellen bestimmen diesen Teil British Columbias.
Anschließend geht es weiter nach Süden beziehungsweise Südwesten und damit in deutlich wärmere und trockenere Regionen.
Das Okanagan Valley bildet einen starken Kontrast zu Vancouver Island und den Rocky Mountains. Badeseen, Obstplantagen, Weinbau und im Hochsommer häufig trocken-heißes Wetter bestimmen die Landschaft.
Über Osoyoos, den Manning Provincial Park und Hope führt die Rundreise schließlich zurück nach Vancouver.
Vier Wochen sind angemessen
Die ursprüngliche Planung mit vier Wochen bleibt richtig. Die rund 4.500 Kilometer allein wären zwar schneller zu bewältigen, doch die zahlreichen Nationalparks, die Fahrt über Vancouver Island und die lange Fährpassage benötigen Zeit.
Eine vernünftige Aufteilung sieht ungefähr so aus:
- Vancouver und Victoria: 4 Tage
- Westküste Vancouver Island: 3–4 Tage
- Nord-Vancouver Island und Fähre: 3 Tage
- Prince Rupert, Stewart und Smithers: 4 Tage
- Prince George und Fahrt nach Jasper: 2 Tage
- Jasper und Icefields Parkway: 3–4 Tage
- Lake Louise, Yoho und Banff: 4 Tage
- südliches British Columbia und Rückfahrt: 4–5 Tage
Damit bleiben nur wenige echte Reservetage. Wer häufiger wandern, baden oder mehrere Tage an einzelnen Orten verbringen möchte, sollte eher fünf Wochen einplanen.
Beste Reisezeit: etwas enger als bei Route 1
Die bisherige Empfehlung Mitte Juni bis Anfang September ist für eine vierwöchige Rundreise etwas zu großzügig formuliert.
Günstiger ist ein Reisebeginn zwischen Mitte Juni und Mitte August. Dann liegen sowohl Vancouver Island als auch die Rocky Mountains innerhalb der Hauptsaison.
Ein Start Ende August oder Anfang September ist zwar möglich, führt bei vier Wochen Reisezeit aber bis weit in den September hinein. In den Rocky Mountains können dann bereits winterliche Wetterlagen auftreten.
Weitere Hinweise bieten die Beiträge über das Klima Kanadas und die optimalen Reisezeiten für Kanada.
Alternative über Barkerville und Wells Gray
Wer zusätzliche Zeit besitzt, kann den direkten Yellowhead Highway zwischen Prince George und Tête Jaune Cache durch eine wesentlich längere Südschleife ersetzen.
Die Route führt dann:
Prince George – Quesnel – Barkerville – 100 Mile House – Wells Gray Provincial Park – Clearwater – Tête Jaune Cache – Jasper.
Damit kommen einschließlich der notwendigen Zufahrten ungefähr 700 zusätzliche Kilometer zusammen.
Der Abstecher lohnt sich vor allem wegen Barkerville und Wells Gray. Barkerville gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Goldgräberorten British Columbias und liegt am historischen Gold Rush Trail.
Der Wells Gray Provincial Park ist dagegen vor allem für seine Wasserfälle, Seen und ausgedehnten Waldlandschaften bekannt.
Drei zusätzliche Tage sind knapp kalkuliert
Die alte Empfehlung von lediglich drei zusätzlichen Tagen würde ich heute etwas großzügiger formulieren. Drei Tage sind das absolute Minimum, vier bis fünf Tage sind deutlich sinnvoller.
Barkerville benötigt bereits einen längeren Aufenthalt, und auch Wells Gray verdient mindestens einen vollen Tag.
Für Bowron Lake gilt eine zusätzliche Einschränkung: Der See ist kein klassischer kurzer Besichtigungsabstecher. Das eigentliche Erlebnis ist die berühmte mehrtägige Kanuroute durch den Bowron Lake Provincial Park. Wer diese vollständig fahren möchte, muss dafür erheblich mehr Zeit einplanen.
Ohne Kanutour kann Bowron Lake zwar in Verbindung mit Barkerville besucht werden, sollte aber nicht als gleichwertiges Drei-Stunden-Zwischenziel kalkuliert werden.
Start in Calgary oder Edmonton
Die Rundreise kann ebenso gut in Calgary begonnen werden. In diesem Fall fährt man zunächst durch die Rocky Mountains nach Westen und beendet den Kreis später über Vancouver Island und das südliche British Columbia.
Calgary hat den Vorteil guter Flugverbindungen und ermöglicht einen unmittelbaren Einstieg in die Bergregion.
Edmonton eignet sich ebenfalls als Ausgangspunkt, verlängert die Gesamtroute jedoch um ungefähr 700 Kilometer. Interessant ist diese Variante vor allem, wenn Flug- oder Mietwagenpreise deutlich günstiger sind als in Vancouver oder Calgary.
Hinweise zur Fahrzeugwahl bietet der Beitrag über Mietwagen, Campmobil und öffentliche Verkehrsmittel in Kanada. Für die lange Rundreise sollte außerdem ein Blick auf die Verkehrsregeln in Kanada selbstverständlich sein.
Reisebuch-Tipp: Die Inside-Passage-Fähre zuerst buchen
Die Fähre Port Hardy–Prince Rupert ist der Fixpunkt der gesamten Reiseplanung. Erst die Überfahrt reservieren, danach die übrigen Etappen festlegen.
Hotels oder Campingplätze lassen sich meist noch anpassen. Eine fehlende Fahrzeugpassage durch die Inside Passage zwingt dagegen zu einer vollständigen Neuplanung der Route.
Die Kombination aus Vancouver Island, Inside Passage, Stewart, dem Yellowhead Highway und den Rocky Mountains macht diese Strecke wesentlich abwechslungsreicher als eine reine Rundfahrt durch den Süden British Columbias. Wer vier Wochen zur Verfügung hat und erstmals den Westen Kanadas bereist, erhält damit eine besonders umfassende Route.
Für eine kürzere Reise empfiehlt sich die Route durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies. Wer weiter in den Norden fahren möchte, findet mit der Route durch Yukon, Alaska und die kanadischen Rocky Mountains sowie der Route durch die Northwest Territories und über den Cassiar Highway zwei erheblich längere Alternativen.

