Route 5: Northwest Territories, Cassiar Highway und Rocky Mountains

von Hartmut Ihnenfeldt

Diese große Rundreise durch Kanadas Nordwesten verbindet den Great Slave Lake, den landschaftlich schönsten Abschnitt des Alaska Highway, den Stewart-Cassiar Highway und die Nationalparks der Rocky Mountains.

Calgary, Kanada; CC0
Calgary, Kanada; CC0

Das Wichtigste vorweg

  • Ausgangspunkte: Edmonton oder Calgary
  • Streckenlänge: einschließlich der beschriebenen Abstecher rund 5.800 Kilometer
  • Zeitbedarf: vier Wochen; in drei Wochen nur mit deutlicher Straffung
  • Beste Reisezeit: Mitte Juni bis Mitte August
  • Straßenzustand: mehrere hundert Kilometer Schotterstraße, vor allem in den Northwest Territories
  • Charakter: anspruchsvolle Rundreise durch dünn besiedelte Wildnisregionen mit langen Etappen, eingeschränkter Infrastruktur und großen landschaftlichen Kontrasten

Eckpunkte der Route

Edmonton – Peace River – Mackenzie Highway – Hay River – Abstecher nach Yellowknife – Liard Highway – Fort Nelson – Alaska Highway – Watson Lake – Stewart-Cassiar Highway – Abstecher nach Stewart und Hyder – Kitwanga – Prince George – Jasper – Icefields Parkway – Lake Louise – Yoho National Park – Golden – Radium Hot Springs – Kootenay National Park – Banff – Calgary – Edmonton.

Große Rundreise durch Kanadas Nordwesten

Die Route verbindet einige der abgelegensten Straßenregionen Westkanadas mit den bekannten Nationalparks der Rocky Mountains. Sie entspricht in weiten Teilen der beschriebenen Strecke durch die Northwest Territories und kombiniert diese mit dem besonders reizvollen Abschnitt des Alaska Highway zwischen Fort Nelson und Watson Lake.

Von dort führt die Reise über den Stewart-Cassiar Highway wieder nach Süden. Den landschaftlichen Abschluss bilden Jasper, der Icefields Parkway, Lake Louise, Banff und weitere Nationalparks der kanadischen Rocky Mountains.

Wer sich zunächst grundsätzlich über Landschaft, Entfernungen und Reisebedingungen informieren möchte, findet weitere Hinweise im Überblick zum Reiseziel Kanada und zur Geographie Kanadas.

Von Edmonton in die Northwest Territories

Von Edmonton führt die Route zunächst über Peace River nach Norden. Hinter der Grenze zu den Northwest Territories erschließt der Mackenzie Highway die weitgehend unbesiedelten Landschaften südlich und westlich des Great Slave Lake.

Hay River liegt am Südufer des riesigen Sees und eignet sich als erste längere Station. Der zusätzliche Weg nach Yellowknife ist zwar erheblich, gehört aber zu den Höhepunkten der Rundreise. Die Hauptstadt der Northwest Territories liegt am Nordufer des Great Slave Lake und vermittelt einen guten Eindruck vom Leben im kanadischen Norden.

Die Verbindung nach Yellowknife ist asphaltiert. Auf anderen Teilen der Strecke, insbesondere auf dem Mackenzie Highway und dem Liard Highway, müssen Reisende dagegen weiterhin mit längeren Schotterabschnitten rechnen.

Die frühere pauschale Angabe von rund 700 Kilometern Schotterstraße ist inzwischen zu hoch. Der Stewart-Cassiar Highway ist heute nahezu vollständig befestigt. Die unbefestigten Abschnitte konzentrieren sich vor allem auf die Northwest Territories und können sich durch Bauarbeiten und neue Oberflächenbehandlungen weiter verändern.

Mackenzie Highway und Liard Highway

Nach dem Abstecher nach Yellowknife führt die Route über den Mackenzie Highway in Richtung Fort Simpson. Dieser Abschnitt erschließt eine einsame Wald- und Flusslandschaft, in der Verkehr, Tankstellen und touristische Einrichtungen weit auseinanderliegen.

Der Liard Highway verbindet die Northwest Territories mit dem Norden British Columbias. Die rund 250 Kilometer lange Strecke ist weiterhin überwiegend geschottert. Der Straßenzustand hängt stark von Regen, Baustellen und vorausgegangenem Schwerverkehr ab.

Bei trockener Witterung ist der Liard Highway mit einem normalen Mietwagen meist gut zu bewältigen. Nach längeren Regenfällen können Schlaglöcher, weiche Fahrbahnränder und ausgewaschene Abschnitte die Fahrt jedoch deutlich verlangsamen. Vor der Übernahme des Fahrzeugs sollte geklärt werden, ob der Vermieter das Befahren unbefestigter Straßen zulässt.

Der schönste Abschnitt des Alaska Highway

Bei Fort Nelson erreicht die Route den Alaska Highway. Der Abschnitt bis Watson Lake gehört zu den landschaftlich eindrucksvollsten Fernstraßen Kanadas.

Die Straße führt durch die nördlichen Ausläufer der Rocky Mountains und passiert unter anderem den Stone Mountain Provincial Park, den Muncho Lake und die Liard River Hot Springs. Berge, Flusstäler, Waldlandschaften und häufige Wildbeobachtungen sorgen für erheblich mehr Abwechslung als auf den südlicheren Teilen des Alaska Highway.

Besonders zwischen Fort Nelson und dem Muncho Lake sollte genügend Zeit für Aussichtspunkte, kurze Wanderungen und Tierbeobachtungen eingeplant werden. Auf der Fahrbahn können Bisons, Elche, Schwarzbären, Karibus und Dickhornschafe auftauchen.

Watson Lake und der Stewart-Cassiar Highway

In Watson Lake verlässt die Rundreise den Alaska Highway und wendet sich nach Süden. Der Stewart-Cassiar Highway, offiziell Highway 37, führt auf rund 850 Kilometern durch den abgelegenen Nordwesten British Columbias nach Kitwanga.

Die Strecke ist inzwischen fast vollständig asphaltiert oder versiegelt. Dennoch bleibt sie eine einsame Fernstraße mit langen Abständen zwischen Tankstellen, Unterkünften und Werkstätten. Mobilfunkempfang steht auf weiten Teilen der Strecke nicht zur Verfügung.

Zu den lohnenden Stationen gehören:

  • der Tā Ch’ilā Provincial Park am Boya Lake,
  • Jade City und die Umgebung von Cassiar,
  • Dease Lake und die Berglandschaften des Stikine-Gebiets,
  • der Kinaskan Lake Provincial Park,
  • der Abstecher nach Stewart und Hyder,
  • der Meziadin Lake Provincial Park.

Die Entfernung zwischen einzelnen Tankstellen kann mehr als 250 Kilometer betragen. Der Tank sollte daher grundsätzlich aufgefüllt werden, sobald sich eine Gelegenheit bietet.

Abstecher nach Stewart und Hyder

Bei Meziadin Junction zweigt der Highway 37A nach Stewart ab. Schon die Anfahrt gehört mit Gletschern, Wasserfällen und steil aufragenden Bergen zu den landschaftlichen Höhepunkten der Reise.

Stewart liegt am Ende des Portland Canal unmittelbar an der Grenze zu Alaska. Wenige Kilometer weiter befindet sich der kleine US-amerikanische Ort Hyder. Für den Grenzübertritt sind die geltenden Einreisebestimmungen für die USA zu beachten.

Von Hyder führt eine teilweise anspruchsvolle Schotterstraße zum Salmon Glacier. Die Befahrbarkeit hängt von Wetter, Schneelage und Straßenzustand ab. Der Abstecher sollte daher nicht als garantiertes Reiseprogramm eingeplant werden.

Über Prince George nach Jasper

Bei Kitwanga endet der Stewart-Cassiar Highway. Die Route folgt anschließend dem Yellowhead Highway über Smithers und Prince George nach Jasper.

Dieser Abschnitt ist lang, bietet aber einen allmählichen Übergang von den nördlichen Waldlandschaften zu den Rocky Mountains. Kurz vor Jasper passiert die Straße den Mount Robson Provincial Park. Bei klarem Wetter ist der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains bereits von der Straße aus zu sehen.

Für Jasper und die nähere Umgebung sollten mindestens zwei bis drei Übernachtungen vorgesehen werden. Die Folgen des großen Waldbrandes von 2024 sind in Teilen des Ortes und des Nationalparks weiterhin sichtbar; touristische Einrichtungen und Wanderwege können sich verändern.

Icefields Parkway und Rocky-Mountain-Nationalparks

Von Jasper führt der Icefields Parkway nach Süden bis Lake Louise. Die rund 230 Kilometer lange Hochgebirgsstraße gehört zu den eindrucksvollsten Panoramarouten Nordamerikas.

Gletscher, Wasserfälle, Bergseen und breite Hochtäler liegen unmittelbar an der Strecke. Für die reine Fahrt reicht ein Tag, doch für Aussichtspunkte und kürzere Wanderungen sollten mindestens zwei Tage eingeplant werden.

Über Lake Louise, den Yoho National Park, Golden, Radium Hot Springs und den Kootenay National Park geht es weiter nach Banff. Die Strecke entspricht teilweise der Route durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies.

Von Banff führt die Rundreise über Calgary zurück nach Edmonton. Wer in Calgary gestartet ist, kann die Reise dort beenden.

Beste Reisezeit: Mitte Juni bis Mitte August

Für diese Route ist das Zeitfenster deutlich enger als für Rundreisen im südlichen Kanada. Ein Reisebeginn zwischen Mitte Juni und Mitte August ist am günstigsten.

Vor Mitte Juni können unbefestigte Straßen nach der Schneeschmelze noch weich oder beschädigt sein. Auch die nördlichen Parks, Campingplätze und touristischen Betriebe sind teilweise noch nicht vollständig geöffnet.

Ab der zweiten Augusthälfte werden die Nächte im Norden rasch kühler. Erste Nachtfröste sind möglich, und in höheren Lagen kann bereits Schnee fallen. Dafür nimmt der Besucherandrang ab, und in den nördlichen Regionen beginnt stellenweise bereits die Herbstfärbung.

Weitere Hinweise bieten die Beiträge zum Klima Kanadas und zu den besten Reisezeiten für Kanada.

Vier Wochen sind angemessen

Die rund 5.800 Kilometer lange Rundreise ist für vier Wochen konzipiert. Damit bleiben ausreichend Zeit für Yellowknife, den Alaska Highway, den Stewart-Cassiar Highway und die Rocky-Mountain-Nationalparks.

In drei Wochen ist die Route nur bei straffer Planung sinnvoll. Dafür müsste auf einzelne Abstecher verzichtet und die Rückfahrt verkürzt werden. Eine mögliche Variante führt vom Icefields Parkway direkt über Jasper nach Edmonton zurück. Die Streckenlänge sinkt dann auf etwa 5.200 Kilometer.

Trotzdem bleiben mehrere lange Fahrtage. Aufenthalte von nur einer Nacht sollten sich mit längeren Stationen abwechseln. Besonders für Yellowknife, Stewart, Jasper und Banff sind jeweils mehrere Übernachtungen sinnvoll.

Erweiterung durch das Yukon Territory

Eine attraktive, aber sehr umfangreiche Erweiterung führt von Watson Lake weiter durch das Yukon Territory. Je nach genauer Streckenführung kommen für eine Rundfahrt ab und bis Watson Lake rund 2.600 Kilometer hinzu.

Mögliche Stationen sind:

  • Whitehorse,
  • Haines Junction,
  • der Kluane National Park,
  • Skagway,
  • Haines,
  • Carmacks,
  • Dawson City.

Die Erweiterung entspricht teilweise dem nordwestlichen Abschnitt der großen Route durch Yukon, Alaska und die kanadischen Rocky Mountains.

Dafür sollten mindestens zehn zusätzliche Tage, besser zwei Wochen eingeplant werden. Die Kombination aus der vollständigen Route 5 und der Yukon-Schleife ergibt eine außergewöhnlich abwechslungsreiche, aber auch sehr lange Reise.

Fährverbindung Skagway–Prince Rupert nicht fest einplanen

Die früher mögliche Fahrt mit dem Alaska Marine Highway von Skagway durch die Inside Passage nach Prince Rupert kann nicht mehr als verlässliche Erweiterung empfohlen werden.

Fahrpläne, eingesetzte Schiffe und angelaufene Häfen ändern sich teilweise von Saison zu Saison. Prince Rupert wird nicht regelmäßig bedient, und eine durchgehende Fahrzeugverbindung ab Skagway steht keineswegs in jedem Sommer zur Verfügung.

Die Fährvariante sollte deshalb nur eingeplant werden, wenn für den konkreten Reisetermin eine buchbare Verbindung bestätigt ist. Als verlässlichere Lösung bleibt die Rückfahrt auf dem Landweg über Whitehorse und Watson Lake. Alternativ kann die kurze Fährverbindung zwischen Skagway und Haines mit einer Rundfahrt durch den südwestlichen Yukon kombiniert werden.

Mietwagen oder Wohnmobil?

Die Rundreise eignet sich grundsätzlich für einen robusten Mietwagen, einen SUV oder ein Wohnmobil. Ein Allradfahrzeug ist bei normalen Sommerbedingungen nicht zwingend erforderlich, kann auf nassen Schotterstraßen aber zusätzliche Sicherheit bieten.

Wichtiger als der Fahrzeugtyp sind:

  • ausreichende Bodenfreiheit,
  • ein vollwertiges Ersatzrad,
  • ein guter Reifenzustand,
  • erlaubte Nutzung auf Schotterstraßen,
  • ausreichender Versicherungsschutz,
  • genügend Kraftstoffreserven.

Große Wohnmobile sind auf dem Liard Highway weniger handlich und auf langen Schotterabschnitten stärkeren Belastungen ausgesetzt. Kompakte Camper oder Pkw mit Motel- und Lodgeübernachtungen sind für diese Route häufig die praktischere Lösung.

Grundsätzliche Entscheidungshilfen bietet der Beitrag über öffentliche Verkehrsmittel, Mietwagen und Campmobile in Kanada.

Reisebuch-Tipp: Aktuelle Straßenlage täglich prüfen

Die Route führt durch Regionen, in denen Waldbrände, Starkregen, Baustellen und Straßenschäden kurzfristig zu Sperrungen oder erheblichen Verzögerungen führen können. Das gilt besonders für die Northwest Territories, den Alaska Highway und den Stewart-Cassiar Highway.

Offlinekarten, eine Notration an Trinkwasser und Lebensmitteln sowie ein ausreichender Kraftstoffvorrat gehören deshalb zur Grundausstattung. Auf längeren Etappen ohne Mobilfunkempfang ist außerdem ein Satellitenkommunikationsgerät sinnvoll.

Die wichtigsten kanadischen Verkehrsregeln entsprechen weitgehend europäischen Gewohnheiten. Entfernungen, Wildwechsel und fehlende Ausweichrouten verlangen im Norden jedoch erheblich mehr Voraussicht.