Das Wichtigste vorweg
- Ausgangspunkt: Toronto oder Vancouver
- Ziel: Vancouver oder Toronto
- Streckenlänge: rund 6.000 Kilometer einschließlich der beschriebenen Abstecher
- Zeitbedarf: mindestens vier Wochen, angenehmer sind fünf Wochen
- Beste Reisezeit: Juni bis September
- Charakter: anspruchsvolle Einwegroute mit langen Fahretappen, Nationalparks, Seenlandschaften und mehreren landschaftlichen Höhepunkten
- Fahrzeug: Mietwagen oder Wohnmobil; Einwegmiete und Rückführungsgebühren frühzeitig prüfen
Eckpunkte der Route
Toronto – Midland – Bruce Peninsula – Manitoulin Island – Sault Ste. Marie – Pukaskwa National Park – Abstecher zum Sleeping Giant Provincial Park – Thunder Bay – Fort Frances – Kenora – Winnipeg – Portage la Prairie – Riding Mountain National Park – Good Spirit Lake – Regina – Cypress Hills Interprovincial Park – Dinosaur Provincial Park – Calgary – Banff – Lake Louise – Yoho National Park – Icefields Parkway – Jasper – Mount Robson Provincial Park – Wells Gray Provincial Park – Clearwater – 100 Mile House – Lillooet – Duffey Lake Road – Whistler – Vancouver.
Von Toronto zu den Großen Seen
Die Reise beginnt in Toronto, Kanadas größter Metropole. Nach dem Stadtaufenthalt führt die Route zunächst nicht auf dem kürzesten Weg nach Westen, sondern über Midland zur Bruce Peninsula. Damit wird bereits der erste landschaftliche Höhepunkt eingebunden.
Von Tobermory gelangt man mit der saisonal verkehrenden Autofähre nach South Baymouth auf Manitoulin Island. Die Überfahrt erspart die Rückfahrt um die Georgian Bay und verbindet zwei besonders reizvolle Regionen Ontarios. Fahrplan und Fahrzeugplatz sollten frühzeitig geprüft werden, vor allem im Juli und August.
Über Manitoulin Island und den North Channel geht es weiter nach Sault Ste. Marie. Dort erreicht die Strecke den Trans-Canada Highway und folgt ihm durch die weitgehend unbesiedelten Landschaften am Nordufer des Lake Superior.
Lake Superior: der eindrucksvollste Abschnitt Ontarios
Zwischen Sault Ste. Marie und Thunder Bay zeigt sich Ontario von seiner wildesten Seite. Felsige Küsten, tief eingeschnittene Buchten, ausgedehnte Wälder und immer neue Ausblicke auf den Lake Superior bestimmen die Fahrt.
Der Pukaskwa National Park schützt einen besonders ursprünglichen Abschnitt dieser Küste. Auch ohne mehrtägige Wanderung lohnt sich der Abstecher wegen der kurzen Wege, Strände und Aussichtspunkte im südlichen Parkbereich.
Östlich von Thunder Bay kann zusätzlich der Sleeping Giant Provincial Park besucht werden. Für diesen Abstecher sollte mindestens ein zusätzlicher Tag eingeplant werden. Wer nur vier Wochen zur Verfügung hat, muss zwischen längeren Wanderungen und weiteren Zwischenzielen wählen.
Durch den Westen Ontarios nach Winnipeg
Von Thunder Bay führt die Route über Fort Frances und den Lake of the Woods nach Kenora. Diese südliche Variante ist länger als die direkte Fahrt auf dem Highway 17, erschließt aber eine abwechslungsreiche Seenlandschaft und kleinere Orte abseits des Hauptverkehrs.
Kenora bildet den Übergang zwischen den Wald- und Seenlandschaften Ontarios und den offeneren Ebenen Manitobas. Von dort ist Winnipeg, das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Prärieprovinzen, an einem längeren Fahrtag erreichbar.
Die gesamte Strecke zwischen Sault Ste. Marie und Winnipeg ist dünn besiedelt. Tankmöglichkeiten sollten genutzt werden, bevor der Vorrat knapp wird. Hinweise zu Tempolimits, Stoppschildern und weiteren Besonderheiten bietet der Überblick über die Verkehrsregeln in Kanada.
Riding Mountain statt direkter Fahrt nach Westen
Westlich von Winnipeg verlässt die Route erneut die direkte Trans-Canada-Verbindung. Über Portage la Prairie geht es zum Riding Mountain National Park, der sich wie eine bewaldete Insel aus der flachen Umgebung erhebt.
Der Park bietet Seen, Wälder, Wanderwege und gute Möglichkeiten zur Tierbeobachtung. Er bildet einen reizvollen Kontrast zu den anschließenden Agrarlandschaften Manitobas und Saskatchewans. Für den Aufenthalt sollten mindestens zwei Übernachtungen vorgesehen werden.
Anschließend führt die Route über den Good Spirit Lake nach Regina. Dieser Schlenker ist landschaftlich und touristisch interessanter als eine reine Durchgangsfahrt auf dem Trans-Canada Highway, verlängert die Reise jedoch erheblich.
Durch Saskatchewan und Alberta
Von Regina geht es weiter in den Südwesten Saskatchewans. Die Cypress Hills gehören zu den überraschendsten Landschaften der Prärieprovinzen. Das bewaldete Hochland hebt sich deutlich von der umliegenden Ebene ab und bietet gute Wandermöglichkeiten.
Über den Dinosaur Provincial Park erreicht die Reise Alberta. Die Badlands mit ihren bizarren Erosionsformen und bedeutenden Fossilienfundstätten gehören zu den Höhepunkten der südlichen Provinz.
Danach führt die Route nach Calgary. Die Stadt eignet sich als Versorgungs- und Erholungspause, bevor mit den kanadischen Rocky Mountains der spektakulärste Reiseabschnitt beginnt.
Von Calgary durch die Rocky Mountains
Von Calgary geht es über Banff nach Lake Louise. Wegen des starken Besucherandrangs sollten Unterkünfte und Campingplätze in dieser Region frühzeitig reserviert werden.
Der Abstecher in den Yoho National Park erschließt Wasserfälle, Bergseen und einige der eindrucksvollsten Gebirgslandschaften British Columbias. Anschließend führt der Icefields Parkway von Lake Louise nach Jasper. Die Hochgebirgsstraße zählt zu den landschaftlich schönsten Fernstraßen Nordamerikas.
Für die Strecke sollten mindestens zwei volle Tage eingeplant werden. Wer längere Wanderungen, den Columbia Icefield und mehrere Aussichtspunkte besuchen möchte, benötigt drei bis vier Tage. Schnee, Straßenglätte und kurzfristige Sperrungen sind in den Hochlagen selbst außerhalb des Winters nicht ausgeschlossen. Weitere Hinweise bietet der Überblick über das Klima in Kanada.
Von Jasper nach Vancouver
Westlich von Jasper passiert die Route den Mount Robson Provincial Park. Der Mount Robson ist der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains und bei klarer Sicht bereits von der Straße aus eindrucksvoll.
Über Clearwater erreicht man den Wells Gray Provincial Park, der vor allem für seine Wasserfälle bekannt ist. Danach führt die Strecke über 100 Mile House, Lillooet und die Duffey Lake Road nach Whistler.
Die kurvenreiche Verbindung zwischen Lillooet und Whistler gehört zu den schönsten, aber auch anspruchsvolleren Straßenabschnitten der gesamten Reise. Für große Wohnmobile ist eine realistische Einschätzung von Fahrzeuggröße, Fahrerfahrung und Wetterlage erforderlich.
Die letzten Kilometer führen über den Sea to Sky Highway nach Vancouver. Für die Stadt sollten mindestens zwei volle Tage eingeplant werden. Einen ersten Überblick bietet der Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten in Vancouver.
Alternative über den Yellowhead Highway
Wer Saskatoon, das nördliche Saskatchewan und Edmonton einbeziehen möchte, kann westlich des Riding Mountain National Park auf den Yellowhead Highway wechseln.
Die nördliche Variante führt über Yorkton, Saskatoon und Lloydminster nach Edmonton. Von dort folgt man dem Highway 16 über Hinton nach Jasper. Anschließend geht es auf dem Icefields Parkway nach Süden bis Lake Louise und Banff.
Diese Variante ist mit etwa 5.800 bis 6.000 Kilometern ähnlich lang, setzt aber andere Schwerpunkte:
- Saskatoon und Edmonton statt Regina und Calgary
- ausgedehnte Agrar- und Waldlandschaften im nördlichen Saskatchewan
- direkter Zugang zum Jasper National Park
- Verzicht auf Cypress Hills und Dinosaur Provincial Park
Landschaftlich ist die südliche Route über Regina, Cypress Hills und die Badlands abwechslungsreicher. Die Yellowhead-Variante eignet sich dagegen für Reisende, die größere Städte, weniger besuchte Regionen und den nördlichen Zugang zu den Rocky Mountains bevorzugen.
Welche Fahrtrichtung ist günstiger?
Bei einem Start in Toronto empfiehlt sich ein Reisebeginn zwischen Ende Mai und Mitte August. Besonders günstig sind Juni und die erste Julihälfte. Die saisonale Fähre zur Manitoulin Island ist dann in Betrieb, und die Rocky Mountains werden erst erreicht, wenn die meisten Hochlagen zugänglich sind.
Bei einem Start in Vancouver sollte die Reise zwischen Mitte Juni und Ende August beginnen. Ein Aufbruch Anfang September ist möglich, verlangt aber mehr Flexibilität. In den Rocky Mountains können die Nächte dann bereits kalt sein, und erste winterliche Wetterlagen sind nicht ausgeschlossen.
Allgemeine Hinweise bietet der Beitrag über die besten Reisezeiten für Kanada.
Vier Wochen sind das Minimum
Rund 6.000 Kilometer in vier Wochen bedeuten im Durchschnitt mehr als 200 Kilometer pro Reisetag. Ruhetage, Stadtaufenthalte und längere Wanderungen sind dabei noch nicht berücksichtigt. Mehrere Etappen überschreiten 400 Kilometer.
Vier Wochen reichen daher nur bei klarer Planung und einer bewussten Auswahl der Abstecher. Für eine Reise mit längeren Aufenthalten in den Nationalparks sind fünf Wochen wesentlich angemessener.
Bei knappem Zeitrahmen lassen sich vor allem folgende Punkte kürzen oder auslassen:
- Sleeping Giant Provincial Park
- Fort Frances und die südliche Schleife durch Nordwest-Ontario
- Good Spirit Lake
- einer der beiden Parks Cypress Hills oder Dinosaur
- Wells Gray Provincial Park
Nicht gekürzt werden sollten der Lake Superior, der Riding Mountain National Park und der Abschnitt zwischen Banff, Lake Louise und Jasper.
Mietwagen oder Wohnmobil?
Die Route eignet sich sowohl für einen Mietwagen als auch für ein Wohnmobil. Bei einer Einwegmiete zwischen Toronto und Vancouver können jedoch erhebliche Zusatzkosten entstehen. Wohnmobilvermieter bieten transkontinentale Einwegfahrten nur zu bestimmten Terminen und mit begrenztem Kontingent an.
Vor der Buchung sollten deshalb Fahrzeugpreis, Einweggebühr, Freikilometer, Versicherung und Rückgabebedingungen gemeinsam verglichen werden. Hilfestellung bietet der Beitrag über öffentliche Verkehrsmittel, Mietwagen und Wohnmobile in Kanada.
Reisebuch-Tipp: Weniger Stationen, mehr Kanada
Die Transkontinentalreise gewinnt nicht durch eine möglichst große Zahl von Zwischenzielen. Vier oder fünf intensiv erlebte Naturregionen sind lohnender als tägliche Standortwechsel.
Wer nur vier Wochen zur Verfügung hat, sollte die Route bereits vor der Abreise in unverzichtbare Hauptziele und optionale Abstecher gliedern. Wetter, Waldbrände, Straßensperrungen oder besonders reizvolle Aufenthalte können den Zeitplan jederzeit verändern. Gerade deshalb eignet sich die Strecke am besten für eine individuell organisierte Kanadareise.
Für eine kürzere Rundfahrt im Westen bietet sich alternativ die Route durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies an. Wer Vancouver Island ergänzen möchte, findet weitere Anregungen in der Route über Vancouver Island und die Rocky-Mountain-Nationalparks

