Toronto gilt als Modell einer funktionierenden multikulturellen Gesellschaft. Rund 57 Prozent der Einwohner zählen zu den sogenannten Visible Minorities – meist mit Wurzeln in Asien oder der Karibik. Etwa die Hälfte der Bevölkerung wurde außerhalb Kanadas geboren. In fast der Hälfte aller Haushalte wird neben Englisch noch eine weitere Sprache gesprochen, am häufigsten Chinesisch, Panjabi, Tagalog, Spanisch oder Urdu. Die Integration funktioniert – trotz aller Unterschiede – erstaunlich gut. Notrufe können in mehr als 150 Sprachen beantwortet werden, und die Stadt gilt als eine der sichersten Großstädte Nordamerikas. Nur leicht gestiegene Kriminalitätsraten trüben das Bild etwas.
Peter Ustinovs Bonmot, Toronto sei „eine Art New York unter Schweizer Verwaltung“, hat bis heute Charme, wenngleich es nostalgisch wirkt. Denn die Stadt ist längst lebendiger, internationaler und architektonisch aufregender geworden.
Architektur, Kultur und Lebensgefühl
Das bekannteste Wahrzeichen bleibt der CN Tower, einst höchster Fernsehturm der Welt und bis heute dominantes Symbol am Ontariosee. Rundherum entstanden an der Waterfront neue Hochhausensembles, Kulturzentren und Parks. Toronto bietet über hundert Museen und Galerien – vom Royal Ontario Museum bis zur Art Gallery of Ontario – sowie ein dichtes Geflecht aus Theatern und Festivals.
Im September zieht das Toronto International Film Festival (TIFF) die Weltöffentlichkeit an, im Juli erklingt beim Beaches International Jazz Festival Livemusik entlang der Uferpromenade. Millionen Besucher feiern im Sommer den Toronto Caribbean Carnival, der das Lebensgefühl der Karibik in die Straßen bringt. Das frühere Chinese Lantern Festival hingegen wird seit einigen Jahren nicht mehr veranstaltet.
Sportlich lebt Toronto seine Leidenschaft mit denselben Superlativen: Die Maple Leafs (Eishockey), Blue Jays (Baseball), Raptors (Basketball) und Argonauts (Football) prägen das Stadtbild ebenso wie Wolkenkratzer und Streetcars. 2019 holten die Raptors erstmals den NBA-Titel – ein Moment kollektiver Euphorie, der Toronto endgültig in die nordamerikanische Sportgeschichte einschrieb.
Von York zur Weltstadt
Lange vor den Hochhäusern am Ontariosee lebten hier Mississauga und Huronen. Ihr Wort „Toronto“ bedeutet sinngemäß „Treffpunkt“. 1793 ließ der britische Gouverneur John Graves Simcoe an der Humber Bay Fort York errichten; um das Fort entstand die Siedlung York, die 1834 zur Stadt erhoben und in Toronto umbenannt wurde.
Mit dem St.-Lorenz-Seeweg begann in den 1950er-Jahren der Aufstieg zur Wirtschaftsmetropole. In den 1970er- und 1990er-Jahren folgten neue Wachstumsschübe – auch durch Zuzug anglophoner Kanadier aus dem frankophonen Québec. Heute zählt der Ballungsraum Greater Toronto Area rund 6,7 Millionen Einwohner und ist das Finanz- und Wirtschaftszentrum Kanadas.
Verkehr und Orientierung
Der Toronto Pearson International Airport liegt etwa 27 Kilometer westlich der Innenstadt. Schnellste Verbindung ist der Union Pearson Express (UP Express): alle 15 Minuten, 25 Minuten Fahrzeit, rund 16 kanadische Dollar. Ein Taxi kostet je nach Verkehr 60 bis 70 Dollar. Alternativ verbinden Buslinien den Flughafen mit den U-Bahn-Stationen des städtischen Nahverkehrs (TTC – Toronto Transit Commission), deren Einzelticket derzeit 3,35 CAD kostet (mit Presto Card).
Die TTC betreibt ein dichtes Netz aus U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen, das zu den zuverlässigsten Nordamerikas gehört. Ergänzend deckt GO Transit die Region mit Zügen und Expressbussen ab. Besonders reizvoll ist eine Fahrt mit der modernen Carlton Streetcar 506, die quer durch die Stadt fährt – von Little Italy über Chinatown bis zum Viertel The Beaches am Ontariosee.
Stadtentwicklung und Parken
Rund um den CN Tower entstand auf ehemaligen Hafen- und Gleisflächen ein neues, urbanes Zentrum. Die Harbourfront mit Promenade, Bootsanlegern und Kulturhallen gilt heute als eines der beliebtesten Wohn- und Freizeitviertel.
Parken in Downtown ist teuer und streng reglementiert. Die städtischen Green-P-Parkhäuser verlangen 2 bis 3 CAD pro halber Stunde, Tageshöchstpreis etwa 25 CAD. Plätze lassen sich über App oder Website im Voraus buchen – empfehlenswert besonders an Wochenenden und Veranstaltungstagen.
Informationen und Service
Touristische Beratung erfolgt überwiegend digital. Destination Toronto betreibt ein aktuelles Online-Portal und saisonale Infopoints an der Union Station sowie am Nathan Phillips Square. Ermäßigte Theaterkarten bietet TO Tix (totix.ca). Für Besucher, die mehrere Attraktionen kombinieren möchten, lohnt sich der City Pass – gültig für CN Tower, Science Center, Zoo, Royal Ontario Museum und Casa Loma.
Toronto ist längst mehr als das „saubere New York“. Die Stadt verkörpert den weltoffenen, wirtschaftlich starken und zugleich lebensnahen Charakter des modernen Kanada – eine Metropole, die in Vielfalt und Dynamik zu den spannendsten Orten Nordamerikas zählt.
