Der Trans-Kanada Highway

von Hartmut Ihnenfeldt

In Kanada kam eine erste durchgehende Ost-West-Verbindung erst 1885 mit der Fertigstellung der Canadian Pacific Railroad zustande. Die Schiene blieb über Jahrzehnte der einzige transkontinentale Verkehrsweg. Der Ausbau eines Straßennetzes begann praktisch nicht vor Mitte der 1920er-Jahre und beschränkte sich zunächst auf die dichter besiedelten Gebiete. Während es schon seit 1942 möglich war, über den Canada- Alaska Highway auf einer durchgehenden Straße bis in den hohen Norden zu gelangen, konnte man bis in die 1960er- Jahre hinein Canada nicht per Auto durchqueren.

Bild von Cornelia Schneider-Frank auf Pixabay

Trans-Canada Highway: Kanadas Straße von Küste zu Küste

Der Trans-Canada Highway verbindet Atlantik und Pazifik auf dem Landweg. Doch die mehr als 7.800 Kilometer lange Strecke ist keine einheitliche Autobahn, sondern ein historisch gewachsenes Netz aus Provinzstraßen, Gebirgspässen und Fährverbindungen.

Das Wichtigste vorweg

  • Der Trans-Canada Highway führt von St. John’s auf Newfoundland bis Victoria auf Vancouver Island.
  • Die offizielle Verbindung ist rund 7.821 Kilometer lang.
  • Der Highway wurde 1962 eröffnet, aber erst 1971 vollständig asphaltiert.
  • Zwei Fährpassagen verbinden Newfoundland und Vancouver Island mit dem Festland.
  • Besonders reizvoll sind die Abschnitte am Lake Superior und durch die Nationalparks der Rocky Mountains.
  • Der TCH ist keine durchgehend einheitlich ausgebaute Autobahn, sondern ein Netz verschiedener Provinzstraßen.

Warum Kanada lange keine durchgehende Straße besaß

Bis weit ins 20. Jahrhundert gab es keine durchgehende Straßenverbindung zwischen dem Osten und dem Westen Kanadas. Die erste transkontinentale Verkehrsachse war die 1885 fertiggestellte Canadian Pacific Railway. Der Straßenbau konzentrierte sich dagegen zunächst auf die dichter besiedelten Regionen des Landes.

Die größten Hindernisse lagen in der Geographie Kanadas. Zwischen Sault Ste. Marie und Winnipeg erschwerten die Felslandschaften, Seen, Wälder und Moore des Kanadischen Schildes den Straßenbau. Besonders anspruchsvoll war der Abschnitt am Nordufer des Lake Superior.

Im Westen mussten die Rocky Mountains und die Selkirk Mountains überwunden werden. Eine Autofahrt zwischen Ostkanada, den Prärieprovinzen und British Columbia war deshalb lange Zeit nur über Straßen durch die USA möglich. Je nach Ausgangs- und Zielort bedeutete dies nicht einmal zwangsläufig einen erheblichen Umweg.

Ein nationales Straßenbauprojekt

Mit dem Trans-Canada Highway Act von 1949 schuf die kanadische Bundesregierung die rechtliche Grundlage für eine durchgehende Straßenverbindung durch alle zehn Provinzen. Das Projekt sollte nicht nur den Verkehr erleichtern, sondern zugleich die politische Einheit des Landes demonstrieren.

Hinzu kamen wirtschaftliche Interessen. Kanada wollte den innerkanadischen Waren- und Personenverkehr verbessern und seine Abhängigkeit von Verkehrswegen durch die USA verringern.

Eine vollkommen neue Straße musste dafür nicht gebaut werden. Bereits bestehende Provinzstraßen wurden ausgebaut, verlängert und miteinander verbunden. Die technisch schwierigsten Lücken lagen am Lake Superior sowie in den Gebirgen von British Columbia.

Die Eröffnung im Jahr 1962

Der fehlende Straßenabschnitt zwischen Wawa und Sault Ste. Marie am Nordufer des Lake Superior wurde 1960 eröffnet. Für seinen Bau mussten zahlreiche Brücken errichtet, Moore aufgeschüttet und große Mengen Fels gesprengt werden.

Am 3. September 1962 erklärte Premierminister John Diefenbaker den Trans-Canada Highway am Rogers Pass in British Columbia offiziell für eröffnet. Damit war erstmals eine durchgehende Autofahrt von St. John’s auf Newfoundland bis Victoria auf Vancouver Island möglich.

Vollständig asphaltiert und auf den vorgesehenen Standard gebracht war das gesamte Straßennetz jedoch erst 1971.

Keine einheitliche Autobahn

Der Trans-Canada Highway ist keine einzelne, überall gleich ausgebaute Straße. Vielmehr handelt es sich um ein Netz unterschiedlicher Provinzstraßen, die durch ein grün-weißes Ahornblatt-Symbol gekennzeichnet sind.

Auch die Nummerierung wechselt:

  • In British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba folgt die Hauptroute überwiegend dem Highway 1.
  • In Ontario verläuft sie größtenteils über den Highway 17.
  • Weiter östlich wechseln Nummerierung und Straßenstandard mehrfach.

Manche Abschnitte sind mehrspurig und autobahnähnlich ausgebaut, andere führen als gewöhnliche Landstraße durch dünn besiedelte Regionen. Vor allem in Nordontario können Sperrungen erhebliche Umwege verursachen, weil leistungsfähige Parallelverbindungen fehlen.

Hinweise zu Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ampeln, Stoppschildern und weiteren Besonderheiten bietet der Beitrag über die Verkehrsregeln in Kanada.

Mehrere Streckenvarianten in Ontario

Besonders kompliziert ist die Streckenführung in Ontario. Dort besteht der Trans-Canada Highway aus mehreren Ästen und Alternativrouten.

Die landschaftlich eindrucksvolle Hauptroute folgt dem Highway 17 über Kenora, Thunder Bay und das Nordufer des Lake Superior nach Sault Ste. Marie. Dieser Abschnitt gehört zu den Höhepunkten einer Transkontinentalreise von Toronto nach Vancouver.

Zwischen Nipigon und North Bay bildet der weit nach Norden ausschwingende Highway 11 eine zweite Trans-Canada-Verbindung. Weitere Strecken führen über Sudbury und durch das südliche Ontario in Richtung Toronto und Ottawa.

Die verschiedenen Routen entstanden nicht allein zur Förderung des Tourismus. Sie spiegeln unterschiedliche Verkehrsachsen, Siedlungsräume und wirtschaftliche Interessen wider. Für eine Rundreise um die Großen Seen bietet sich außerdem die Route durch Ontario und Michigan an.

Wie lang ist der Trans-Canada Highway?

Die offizielle Verbindung zwischen Victoria und St. John’s ist rund 7.821 Kilometer lang. Die tatsächlich gefahrene Strecke hängt jedoch von der gewählten Route und den eingeplanten Abstechern ab.

Zwei Fährpassagen gehören zur vollständigen Fahrt:

  • zwischen Vancouver Island und dem Festland von British Columbia,
  • zwischen Newfoundland und Nova Scotia.

Schon kleinere Abweichungen von der direkten Strecke lassen die Gesamtdistanz rasch auf mehr als 8.000 Kilometer anwachsen. Wer unterwegs Nationalparks, Städte und landschaftlich reizvollere Nebenstrecken besuchen möchte, muss mit deutlich mehr Kilometern rechnen.

Die landschaftlich schönsten Abschnitte

Der Verlauf des Trans-Canada Highway wurde vor allem nach verkehrspolitischen, wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten festgelegt. Er entspricht deshalb nicht überall der landschaftlich attraktivsten Route durch Kanada.

Zu den eindrucksvollsten Abschnitten gehören:

  • das Nordufer des Lake Superior in Ontario,
  • die Nationalparks der kanadischen Rocky Mountains,
  • der Rogers Pass in British Columbia,
  • die Strecke durch Yoho, Glacier und Mount Revelstoke National Park,
  • einzelne Abschnitte auf Vancouver Island und in den Atlantikprovinzen.

Eine besonders abwechslungsreiche Rundreise durch die westlichen Provinzen beschreibt die Route durch das südliche British Columbia und die Alberta Rockies. Sie verbindet Vancouver, den Icefields Parkway, Banff, Lake Louise und das Okanagan Valley.

Wer Vancouver Island einbeziehen möchte, kann sich an der Route über Vancouver Island und durch die Rocky-Mountain-Nationalparks orientieren.

Auch die große Rundreise durch Yukon, Alaska und die kanadischen Rocky Mountains nutzt auf mehreren Abschnitten den Trans-Canada Highway.

Ist der Trans-Canada Highway eine gute Urlaubsroute?

Als vollständige Strecke von Küste zu Küste ist der Trans-Canada Highway vor allem für Reisende mit sehr viel Zeit interessant. Wer ihn lediglich möglichst schnell abfährt, erlebt zwangsläufig lange Etappen durch weniger abwechslungsreiche Landschaften, Vororte und landwirtschaftlich geprägte Regionen.

Seine Stärke liegt in den einzelnen Abschnitten. Der TCH verbindet zahlreiche wichtige Reiseziele, darunter:

  • St. John’s und Newfoundland,
  • die Atlantikprovinzen,
  • Québec und Ontario,
  • Winnipeg und die Prärieprovinzen,
  • Calgary und die Rocky Mountains,
  • Vancouver und Vancouver Island.

Einen allgemeinen Einstieg in Landschaften, Regionen und Reiseformen bietet der Überblick zum Reiseziel Kanada.

Reisebuch-Tipp: Nicht sklavisch dem Ahornblatt folgen

Der Trans-Canada Highway sollte nicht als zwingend einzuhaltende Reiseroute verstanden werden. Wo er eine schnelle oder landschaftlich besonders reizvolle Verbindung bietet, ist er sinnvoll. Auf anderen Abschnitten führen Nebenstraßen durch interessantere Landschaften und kleinere Orte.

Das gilt unter anderem für Teile Québecs, das südliche Ontario, die Prärieprovinzen und British Columbia. Eine gute Kanada-Rundreise kombiniert deshalb Abschnitte des TCH mit Nationalparkstraßen, Küstenrouten und regionalen Highways.

Für die Planung sollten außerdem das Klima Kanadas und die besten Reisezeiten für Kanada berücksichtigt werden. In den Rocky Mountains können selbst im Frühsommer winterliche Verhältnisse auftreten, während einige Strecken in den Prärieprovinzen und im südlichen British Columbia im Hochsommer sehr heiß werden.

Der Trans-Canada Highway in den Routen auf Reisebuch.de

Auf Reisebuch.de spielt der Trans-Canada Highway keine eigenständige Rolle als vollständig abzufahrende Schwerpunktstrecke. Dort, wo einzelne Abschnitte die sinnvollste, schnellste oder landschaftlich attraktivste Verbindung darstellen, sind sie in die beschriebenen Routen integriert.

Wo reizvollere Alternativen bestehen, tritt der Highway dagegen in den Hintergrund. Das betrifft beispielsweise Teile Québecs, das östliche und südliche Ontario sowie einige Abschnitte in den Prärieprovinzen.

Wer Kanada individuell bereisen möchte, sollte schließlich prüfen, ob ein Mietwagen oder Wohnmobil zur geplanten Strecke passt. Einen ersten Vergleich bietet der Beitrag über öffentliche Verkehrsmittel, Mietwagen und Campmobile in Kanada.


Textausschnitt aus dem Buch:

Kanada Westen mit Alaska Reiseführer
Cover © Reise Know-How Verlag

Kanada Westen mit Alaska
Reise Know-How Reiseführer

von Isabel Synnatschke und Hans-R. Grundmann

Herausgeber: ‎ Reise Know-How Verlag
Taschenbuch: ‎ 634 Seiten
ISBN-10: ‎ 3896627775
ISBN-13: ‎ 978-3896627773

Preis Taschenbuch: 26,90 Euro

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