Arroz brut – Mallorcas „schmutziger Reis“


Arroz brut ist Mallorcas rustikaler Reis-Eintopf: dunkel, würzig und bewusst „trüb“, weil der Sud von Fleisch, Gewürzen und Gemüse kräftig gefärbt wird. Anders als eine Paella wird er nicht trocken, sondern „caldoso“ serviert – also mit reichlich Brühe. Das Gericht ist ein klassisches Winter- und Dorfgastronomie-Essen, das je nach Saison mit Jagd- oder Hofprodukten variiert.

a bowl of soup with a spoonarroz brut
Mallorcas "schmutziger", aber sehr leckerer Reis; Bild: KI/if

Zutaten (für 4 Personen)

  • 200–250 g Rundkornreis (Bomba/Calasparra oder „Paella-Reis“)
  • 1,0–1,2 l kräftige heiße Brühe (Geflügel/helle Fleischbrühe)
  • 250 g Schweineschulter oder -bauch, in Stücken
  • 250 g Hähnchenschenkel, in Stücken
  • 250 g Kaninchen, in Stücken (alternativ: mehr Huhn)
  • 1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
  • 1 reife Tomate, gerieben/fein gehackt (oder 2 EL Passata)
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Schweineschmalz (optional, sorgt für Tiefe)
  • 300–400 g Blumenkohlröschen
  • 150 g grüne Bohnen oder Erbsen
  • 100 g Champignons oder – saisonal noch besser – Mischpilze
  • 1–2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 1 TL mildes Paprikapulver (Pimentón dulce), optional eine Prise geräuchertes Paprika
  • 8–10 Safranfäden, in etwas heißer Brühe ziehen lassen
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Sehr sparsam nach Geschmack: je 1 Prise Zimt, Nelke, Muskat (klassische mallorquinische Gewürznuancen)

Optionale, sehr typische Einlagen
Sobrassada-Nocken (ca. 80 g), Botifarró (mallorquinische Blutwurst) in Scheiben, Hühnerlebern/Herzen, Schnecken (Caracoles) oder Wild (z. B. Hase, Wachtel).

Optional: Picada (Majado) für mehr Tiefe
10–12 Mandeln, 1 Knoblauchzehe, 1 EL Petersilie im Mörser fein zerstoßen, mit 2–3 EL Brühe verrühren.

Zubereitung

  1. Ansatz und Anrösten. Zwiebel in Olivenöl und (falls verwendet) Schmalz glasig dünsten. Fleisch portionsweise kräftig anrösten, salzen und pfeffern – die Röstaromen sind entscheidend für den „brut“-Charakter.
  2. Sofrito. Knoblauch und Tomate zugeben, kurz mitschmoren. Paprikapulver einrühren und sofort mit heißer Brühe ablöschen, damit es nicht bitter wird.
  3. Würzen und vorkochen. Safran samt Ziehflüssigkeit zugeben; wer mag, eine sehr sparsame Prise Zimt, Nelke und Muskat ergänzen. 10 Minuten leise köcheln, bis das Fleisch fast gar ist.
  4. Gemüse einlegen. Blumenkohl, Bohnen/Erbsen und Pilze einrühren und weitere 5–8 Minuten ziehen lassen.
  5. Reis garen. Reis ungespült (!) einstreuen und gleichmäßig verteilen. Bei sanfter Hitze 15–17 Minuten köcheln. Ziel ist ein suppiger Reis – bei Bedarf schluckweise Brühe nachgießen.
  6. Finale. Optional Sobrassada und Botifarró in den letzten 5 Minuten mitziehen lassen. Picada einrühren, abschmecken. Der Reis soll sich im Teller noch „bewegen“. Sofort in tiefe Teller schöpfen.

Wichtig für die Authentizität

  • Reissorte: Rundkorn mit hoher Aufnahmekapazität (Bomba/Calasparra). Faustregel für „brut“: 1 Teil Reis zu 4–5 Teilen Flüssigkeit.
  • Nicht waschen: Die leichte Bindung durch die Reisstärke gehört zum Stil.
  • Gewürze mit Maß: Zimt/Nelke/Muskat nur als Hauch – Gewürznoten sollen Tiefe geben, nicht dominieren.
  • Dunkler Sud: Knochenstücke, Innereien oder Botifarró sorgen für die typische Farbe und Würze.

Varianten und Saisontipps

  • Herbst: Mit Wild- oder Waldpilzen (z. B. Röhrlinge, Parasole, „Níscalos“) und Artischocken.
  • Frühling: Mit Schnecken und frischen Erbsen.
  • Hausmannskost pur: Nur Huhn + Schwein, dafür eine kräftige Brühe und eine Handvoll Mandeln in der Picada.
  • Ohne Kaninchen: Mehr Hähnchenschenkel verwenden; funktioniert geschmacklich sehr gut.
  • Vegetarisch inspiriert: Gemüsefond, Pilze, Blumenkohl, grüne Bohnen, Artischocken; Sobrassada/Botifarró weglassen, Picada obligatorisch.

Dazu passt
Kräftiges Landbrot, ein Klecks Allioli, manche gern ein Spritzer guter Rotweinessig. Als Begleiter eignen sich mallorquinische Weine aus Manto Negro/Callet (rot) oder ein frischer Prensal Blanc.

Restauranttipp
Rustikale mallorquinische Küche mit Blick ins Tramuntana-Gebirge bietet das Es Verger unterhalb des Castell d’Alaró. Arroz brut steht nicht immer auf der Karte, das Küchenprinzip trifft jedoch genau den Ton des Gerichts: einfache Zutaten, viel Geschmack, serviert ohne Chichi.