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All inclusive auf Mallorca


Bar Palma © by if - reisebuch.de
Teure Bar in Palma © by if - reisebuch.de

von Peter Valentin Neumann

Ein Gespenst geht um auf Mallorca, das Gespenst des “All inclusive”. Es erschreckt vor allem teure Strandlokale und mittelmäßige Spitzen(preis)- restaurants, aber auch Bierkneipen und Cafeterias, die sich am Fuße der riesigen Hotelgebirge der Strandregionen etabliert haben. “Von den Touristen, die in den All-Inclusive-Hotels absteigen, bleibt kaum was bei uns hängen”, klagt Pedro, der in Port d`Alcúdia eine typisch spanische Neubau-Bodega betreibt und fürchtet, auf seinen im gemütlichen Neonlicht an der Decke schwitzenden Schinken sitzen zu bleiben. Dabei kostet sein leckeres Pa amb Oli nur eben mal siemfuchzich – wie er sagt. Auch sein Personal ist nicht gut auf die Hotels mit dem umfassenden Service zu sprechen. Für Kellner und Küchenchef drohen das vorzeitige Saisonende und damit längere Arbeitslosigkeit.

Die Sorgen der kleinen Geschäftsleute und ihrer Mitarbeiter haben die mallorquinischen Sozialisten auf den Plan gerufen, die eine Analyse der Auswirkungen des “All Inclusive” und ein rasches Vorgehen gegen das für ihre Klientel schädliche Phänomen fordern. Sie vergessen dabei geflissentlich, dass sie diesem Strukturwandel im balearischen Tourismus genauso untätig zugesehen haben, wie die konservativen Regierungen von Jaume Matas vor und nach der Episode des Fortschrittspaktes. Bezeichnend ist, dass nur die Auswirkungen analysiert werden sollen, anscheinend interessiert sich niemand für die Ursachen.



„All Inclusive” ist ja nicht gerade neu. Das System entstand in Ländern der Dritten Welt, mehr aus der Notwendigkeit, die in ihre luxuriösen Ferien-Ghettos eingeflogenen Urlauber vernünftig ernähren zu müssen. Auf den Balearen war und ist dies überflüssig, da die Inseln über ein breit gefächertes und in Jahrzehnten gewachsenes Sekundärangebot verfügen. “All Inclusive” hat hier aber trotzdem Fuß gefasst und zeigt starken Aufwärtstrend.   

Das hat eindeutig ökonomische Gründe. Strandbuden und Restaurants sind vielen der aus der europäischen Mittelschicht stammenden Besucher zu teuer geworden. Vor 20 Jahren war die Schnäppchen-Atmosphäre beim Mallorca-Urlaub, schick Ausgehen inklusive, eine der Hauptattraktionen. Etwa vor zehn Jahren hatte sich das Preisniveau europäischem Standard angepasst.

Doch seit der Einführung des Euro hat sich die Schere zwischen den galoppierenden Preisen und dem, was viele Urlauber zahlen wollen oder können, dramatisch geöffnet. Vor allen an der Küste und den beliebten Ausflugszielen nutzten Wirte die Währungsumstellung zu unverschämten Preiserhöhungen. Ein café solo kostete höchstens 100 Peseten, ein paar Wochen später aber einen Euro (166 Peseten). Dieser kräftige Zuschlag, nicht nur beim Kaffee, blieb den Gästen keineswegs verborgen.

Die Suche nach wirtschaftlich überschaubaren Ferien führt viele direkt an die Cola-Batterien und Frittenberge der All-Inclusive-Anbieter. Zum Essen außerhalb der „Billig-die-Schnauze-voll-Herbergen“ kommt höchstens einer der überall aus dem Boden geschossenen Döner-Läden in Frage – und auch hier kostet das mit gerösteten Fleischscheiben und Salat belegte „Türken-Brötchen“ mindestens einen Euro mehr als in Berlin.