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Palma war als attraktive Stadt und kulturelles Zentrum der Balearen immer wieder Anziehungspunkt für Literaten. Mancher von ihnen nahm dort zumindest auf einige Zeit seinen Wohnsitz. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es vor allem im bereits erwähnten Stadtteil El Terreno eine internationale Kolonie, zu der auch bekannte europäische und amerikanische Autoren gehörten.

Neben den genannten Gertrude Stein (1916) und Harry Graf Kessler (1933-35) haben dort George Bernard Shaw (1920er-Jahre) und Camilo José Cela (1954) gelebt, beide ihres Zeichens Nobelpreisträger für Literatur.
Der katalanische Schriftsteller und Maler Santiago Rusiñol (1861-1931), der eines der schönsten Bücher über Mallorca verfasste, kam bereits 1893 erstmalig nach Palma und ließ sich zusammen mit dem Maler Joaquim Mir in El Terreno nieder. In »Die Insel der Ruhe« (1922) skizziert er mit leiser Ironie die mallorquinischen Lebensverhältnisse seiner Zeit.
Die Suche nach einer angemessenen Unterkunft war offenbar lange Zeit in Palma ein Problem. Im November 1838 mußten George Sand und Frédéric Chopin feststellen, dass dort keine Herberge für Reisende existierte: »In einem Gebiet, das den großen Zivilisationen Europas so nahe lag, gab es keine einzige Unterkunft. ... das verstanden wir nicht.«



Und so war das prominente Paar auf die Gastfreundschaft der Palmeser angewiesen, die offensichtlich nicht dem entsprach, was Monsieur und Madame erwartet hatten: »In Palma ist es nötig, von zwanzig wichtigen Persönlichkeiten empfohlen und angekündigt worden zu sein und einige Monate zu warten, um nicht im Freien schlafen zu müssen.« Dazu kam es dann aber nicht, denn man wies ihnen schließlich doch noch ein Quartier zu, allerdings zur geringen Zufriedenheit der Baronin: »Alles, was man für uns tun konnte, bestand darin, uns zwei kleine möblierte, besser gesagt, unmöblierte Zimmer zu verschaffen, an einem seltsamen Ort ... mit einem Feldbett ... wie ein Schieferstein, einem Baststuhl und Pfeffer und Knoblauch als Lebensmittel.«
Die Auswahl an Hotels war auch in den 1920er- und 1930er-Jahren noch recht dürftig: 1933 betrug die Anzahl der Betten sämtlicher Hotels der Insel nur etwa 2.000 (heute ca. 270.000 plus Apartmentbetten), und nur wenige konnten sich rühmen, fließendes (kaltes!) Wasser in den Zimmern anzubieten.
Hotels, die in jenen Jahren immer wieder genannt werden, sind das Mediterráneo, in dem Agatha Christie sich 1936 verwöhnen ließ und das Principe Alfonso, wo der finanziell nicht eben üppig ausgestattete D.H. Lawrence, Autor der berühmten »Lady Chatterley«, im Mai 1929 abstieg. Dasselbe Hotel war für das Pärchen in Thelens Roman »Die Insel des zweiten Gesichts« 1931 jedoch unerschwinglich, so dass es ernüchtert in der Rumpelkammer der Wohnung des Bruders von Beatrice Quartier nehmen mußte.
Robert Graves und Laura Riding ließen es sich dank der reichlich sprudelnden Tantiemen während der ersten Tage ihres langjährigen Mallorca-Exils im Gran Hotel gutgehen. Dieses war 1903 als erste Luxusherberge der Insel an der Plaça Weiler eröffnet worden. Das imposante, lange geschlossene und vernachlässigte Gebäude im spanischen Jugendstil wurde 1993 detailgetreu renoviert und beherbergt heute die Fundacio La Caixa, ein Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen und Programmaktivitäten. Im Erdgeschoß befindet sich eine bistroartige Bar.