Suche innerhalb von reisebuch.de

Mallorcas Geschichte und Kultur, Teil V



<< Vorherige Seite

Das späte Mittelalter

Mit der Seeschlacht von Lepanto 1571, in der die vereinigten Verbände der europäischen Staaten den Sieg über die türkische Flotte errangen, nahmen Piraterie und Übergriffe von See her ab, wenngleich sie nach wie vor eine latente Bedrohung darstellten und erst im 19. Jahrhundert ganz verschwanden. Zugleich aber rückte – nach der Entdeckung Amerikas und der Verlagerung strategischer und wirtschaftlicher Hauptinteressen vom Mittelmeerraum auf den Atlantik und die neuen Kolonien im Westen – Mallorca an den Rand des weltpolitischen Geschehens. Zwar entstand im Zusammenhang mit den spanischen Erbfolgekriegen (1701-13) noch einmal Unruhe, da Aragon und Katalonien nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers auf die österreichische Linie des Hauses setzten und der neue Regent Spaniens, der Bourbone Philipp V, (auf Mallorca) die Oberhand behielt, aber danach ergaben sich keine einschneidenden Veränderungen mehr. Ganz im Gegensatz zur Nachbarinsel Menorca, die weitere 100 Jahre mehrfach den (englischen und französischen) Besitzer wechselte und erst 1802 endgültig Spanien zugeschlagen wurde.

Neuzeit

Trotzdem kam es auf Mallorca nicht wieder zur früher erlebten wirtschaftlichen Blüte. Epidemien, Landflucht und andere Gründe verhinderten eine kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung. Mallorcas Segelschiffe waren jedoch nach wie vor auf den Weltmeeren zu finden, ab 1833 sogar im regelmäßigen Linienverkehr Barcelona - Palma. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffahrt verlor Mallorca indessen die einstige maritime Domäne völlig. Nach wechselvollen Jahren und einer schädlingsbedingten Vernichtung fast aller Weinreben gelang der Landwirtschaft Mallorcas Ende des 19. Jahrhunderts eine devisenbringende Umstellung auf Mandelbaumpflanzungen und Intensivierung der Obst- und Olivenernten. Mit der wirtschaftlichen Erholung einhergehend begann auch der Tourismus, zunächst überwiegend vom eigenen Festland und aus Großbritannien, aber in den 1920er- bis 1930er- Jahren in wachsendem Umfang auch aus anderen Ländern.



Bürger- und Weltkriege

Nachdem der 1. Weltkrieg auf Mallorca kaum Spuren hinterlassen hatte, sieht man ab von den schönen Gewinnen, die dem Mallorquiner Juan March aus Geschäften mit allen kriegführenden Mächten zugeflossen waren, unterbrachen der spanische Bürgerkrieg und bald danach beginnende 2. Weltkrieg vorübergehend die Entwicklung der Insel. Mallorca war im Bürgerkrieg überwiegend pro Franco, dessen Militär in großem Umfang von besagtem Juan March finanziert wurde. Kämpfe zwischen Republikanern und Faschisten flackerten nur relativ kurz auf, führten aber zu erheblichen Zerstörungen und Opfern. Die offene Sympathie Francos für die deutsch-italienische Allianz bei gleichzeitig offizieller Neutralität Spaniens ließ Mallorca im 2. Weltkrieg eine kleine Nebenrolle als geheimer Anlaufpunkt angeschlagener deutscher Schiffe und Flugzeuge spielen. Ansonsten blieb die Insel von kriegerischen Handlungen weitgehend unberührt.

Das Franco Regime

Ein Kennzeichen der Franco Ära war die rigide Ausrichtung von Gesellschaft und Staat auf die Zentralgewalt in Madrid. Regionale Interessen und Bestrebungen wurden unterdrückt. Dazu gehörte auch das Verbot der vom Kastilischen (Castellano, der offiziellen Nationalsprache) abweichenden Regionalsprachen. Für Mallorca bedeutete dies die Eliminierung des Mallorquín, einer Mundart des katalanischen Spanisch (Bereich um Barcelona), das 1229 mit der Eroberung durch Jaume I auf die Insel gekommen war und sich danach auf den Balearen separat weiterentwickelt hatte, aus dem öffentlichen Leben. Ein anderer Aspekt bezog sich auf die Voraussetzung für die Expansion des Tourismus: die Stabilität des faschistisch-totalitären Regimes förderte die Investitionsbereitschaft ausländischen Kapitals in mallorquinische Renditeobjekte.

Demokratie und Tourismus

Aber auch nach dem Tode Francos 1975 und dem Übergang zur Demokratie unter der Verfassung einer konstitutionellen Monarchie änderte sich nichts an der expansionistischen Fremdenverkehrspolitik. Im Gegenteil: mit der politischen Konsolidierung der neuen, nunmehr föderalistisch geprägten Staatsform boomte bis ins 21. Jahrhundert hinein das Immobilien- und Baugewerbe auf Mallorca. Erst neuerdings sieht es so aus, als ob die Schaffung weiterer Urbanisationen und Bettenburgen zum Stillstand kommen bzw. in das seit längerem offiziell angestrebte qualitative Wachstum übergehen könnte.



Wechselnde Tourismuspolitik

Den entscheidenden Anstoß in diese Richtung gab die 1999 angetretene Balearenregierung, die von einem Bündnis mehrerer Parteien getragen wurde, wir würden in etwa sagen »Mitte-LinksÖko « mit starkem regionalistischen Akzent. Diese Regierung, die bei uns durch die danach rasch wieder abgeschaffte Ökosteuer (Ecotasa) für Touristen einen negativen Bekanntheitsgrad erlangte, wurde 2003 durch die konservative Volkspartei Partido Popular abgelöst, die in wenigen Jahren erstaunlich viele neue Infrastrukturprojekte erfolgreich in Angriff nahm.

Wahlergebnis Mai 2007

Aber dennoch verlor die konservative Regierungspartei in der Wahl Ende Mai 2007 ihre knappe absolute Mehrheit, und eine Koalition mehrerer (bis dato) Oppositionsparteien unter Führung der Sozialisten sorgte für Wiederherstellung der Situation 2003-2007.

Autonomie und Sprache

Den Autonomiestatus vergleichbar dem deutscher Bundesländer, erlangten die Balearen 1983. Die Regionalregierung besitzt seither erhebliche von Madrid unabhängige Kompetenzen, über die eigene Verwaltungsorgane der Balearen seit 1349 (Absatz »Jaume III«) nicht mehr verfügten. Offenbar wird dies u.a. an der »Wiedergeburt« der insularen Kultur und Sprache. Das Katalanische (Catalán) ist heute auf Mallorca vor dem hochspanischen Castellano offiziell erste Sprache und hat in Amtsstuben das Spanische faktisch verdrängt. An den Schulen wird verstärkt in Catalán unterrichtet, wiewohl auf dem davon mundartlich abweichenden Mallorquín miteinander kommuniziert.

<< zurück zum Anfang des Artikels