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Die mallorquinische Autorin Maria Antònia Oliver (*1946) läßt ihre Heimatinsel Tatort ihres dritten Kriminalromans um die exzentrische Privatdetektivin Lònia Guiu sein: »Mallorca, Mord inbegriffen « (1994; deutsch 1996). Die spannend erzählte Geschichte der Suche nach einem verschwundenen Mädchen bringt dem Leser vor allem die Gegend von Pollença näher, wobei die Schönheit der Landschaft geschickt mit den hinter Mauern abgeschirmten Prachtvillen als Orte der Dekadenz und Verkommenheit kontrastiert wird. Lònia, die Protagonistin, ist sicherlich nicht jedermanns Fall, aber ein Tribut an den Zeitgeist der 1990er-Jahre, der dem Schrillen um jeden Preis huldigt. Die ledige, aber »natürlich « von vielen begehrte Vegetarierin und »Bullenhasserin«, operiert – das versteht sich – mit unkonventionellen Methoden. Aufdringliche Männer bekommen da schon mal einen »Tritt in die Hoden«. Zur Seite steht ihr im Bedarfsfall ein homosexueller Assistent namens Quim. Wem das noch nicht genügt, der wird vielleicht Geschmack finden an den esoterischen oder psychoanalytischen Zutaten dieses postmodernen Eintopfs: eine Wahrsagerin, der angeblich das verschwundene Mädchen im Traum erschien oder die Erinnerungen Lònias an ihre »schwere Kindheit«, in der sie von ihrer Mutter gedemütigt wurde und die unsere Heldin dafür (wie könnte es anders sein) Jahrzehnte später nicht lieben kann.



Störend in dieser rasanten Geschichte wirkt vor allem der schnoddrige, betont saloppe Ton, in dem Lònia sich ihrer Umwelt mitteilt. »Du blöde Kuh! Paß doch auf mit dem Baby! Siehst du denn nicht, daß ich Kind und Kinderwagen fast plattgemacht hätte? Sei vorsichtig Mensch, ein Baby ist doch kein Schutzschild! Na sowas, die Ziege schrie mich auch noch an! Die war wohl bekloppt! (...)«

So ganz nebenbei erfährt der Leser auch einiges über Mallorca: »Ich beeilte mich trotz des starken Verkehrs, schnell nach Pollença zu kommen. Pollença ist ein wunderhübsches Städtchen, ein Spaziergang durch die Gäßchen um den Marktplatz herum ist ein himmlisches Vergnügen (..).«

Wer sich für Mallorcas Alltag aus der Sichtweise einer Eingeweihten interessiert und sich von dem oben Erwähnten nicht abschrecken läßt, wird immerhin feststellen, daß dies eines der besseren Mallorcabücher der letzten Jahre ist.

Bereits 1981 auf Katalanisch geschrieben, aber leider erst 2001 auf Deutsch veröffentlicht, wurde der Krimi »Das Mallorca-Komplott « des mallorquinischen Autors und Journalisten Guillem Frontera zu einem späten Bestseller.

Dieses amüsante Buch im Stil Raymond Chandlers (dessen Romane durch die Figur des Privatdetektivs Phillip Marlowe, einst genial dargestellt von Humphrey Bogart, weltberühmt wurden) überzeugt weniger durch die verworrene und, in bester Chandlerscher Tradition, unlogische Handlung als vielmehr durch brilliante Formulierungen (»Ich wurde fast so gut behandelt und war so unnütz wie ein Markgraf«) und durch seinen anonymen, schnoddrigen Protagonisten (»Die Wirkung war die eines Deodorants unter der Achsel eines Ziegenbocks «), der so viele Whiskeys (und zwar auf Kosten anderer) in sich hineinschüttet und so viele Joints raucht, daß einem schon vom bloßen Lesen der Schädel brummt.