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In der Stierkampfarena in Inca ist an den Wochenende das „Museu Cultural Taurí“ geöffnet, hier finden sich Kleidungsstücke der Stierkämpfer und Plakate, die davon erzählen, dass „Inca mal eine Stadt war, in der Stiere eine wichtige Rolle spielten,“ sagt Bartomeu Llobera, der nicht nur Inhaber des Museums ist, sondern mit ein paar Gleichgesinnten die Arena in Schuss hällt, aus Liebhaberei und völlig unentgeltlich.

Vor hundert Jahren, im September 1910, weihten die Fans ihre Kampfbahn in Inca ein. Sie hatten Geld zusammengelegt, um den Bau zu finanzieren.

Doch auf der Arena lastet ein Fluch, heißt es: Schon bei den Bauarbeiten kam ein Maurer ums Leben, in den folgenden Jahren starben drei Männer während der Stierkämpfe oder an deren Folgen. Und weitere zwei Matadores, die in Inca herausragende Erfolge feierten, fanden wenig später in anderen Arenen den Tod.

„La Monumental“ – so der Name der Stierkampfarena in Muro. Für 450 000 Euro kaufte die Stadtverwaltung den denkmalgeschützten Bau von 1918 und renovierte ihn aufwendig.  Seitdem ist er Zielscheibe von Tierschützer-Attacken. Natürlich hätte man das Geld gerade in Krisenzeiten auch anders verwenden können. Vermutlich zahlt sich die Investition aber aus: Popkonzerte und andere friedfertige Veranstaltungen sollen hier abgehalten werden und Geld in die Gemeindekasse spülen.

In Muro finden nur noch einmal pro Jahr zum  Stadtfest im Juni Stierkämpfe statt. Dann allerdings sind die 6000 Plätze alle besetzt.



Konzerte, Jahresfeiern der Polizei, Feste der örtlichen Vereine und Verbände - mit rund dreißig Veranstaltungen pro Jahr trumpft die Plaza de Toros von Alcúdia auf. Es ist mit 3600 Sitzplätzen die kleinste, aber auch die älteste Arena der Insel (von 1892), die wohl wegen ihrer Überschaubarkeit gerne für eher „familiäre“ Veranstaltungen gebucht wird, weshalb dieses Rund fast so gut ausgelastet ist wie das Coliseo Balear in seinen besten Zeiten. In Alcúdia gibt es jährlich zu den lokalen Feiertagen von Sant Jaume (25. Juli) und Mare de Déu d’Agost (15. August) noch regelmäßig zwei Stierkämpfe.

Von den Hoch-Zeiten des Stierkampfs auf Mallorca zeugt der Betrieb Son Rossinyol in Sineu: Hier werden immer noch Stiere gezüchtet, für die Arenen auf dem Festland.

Selbst eine namhafte Stierkämpferfamilie hat Mallorca hervorgebracht: Der Mallorquiner Jaime Pericás war gerade dreizehn Jahre alt, als er 1929 zum ersten Mal im Coliseo Balear auftrat. Er sollte sich zu einem der besten Stierkämpfer Spaniens entwickeln. Sein Bruder war ebenfalls Stierkämpfer und dessen Söhne und Enkel auch. Heute macht der jüngste Spross der Familie, Gabriel Bartolomé Pericás, von sich reden: Er kämpfte 2010 zum ersten Mal gegen einen Stier. Vermutlich wird er schon bald zum letzten Mal kämpfen, zumindest auf Mallorca, wo die Tage der Corrida gezählt sind, wie immer man dazu stehen mag.

Am 9. Februar 2016 stimmte das Balearen-Parlament in Palma für ein Verbot des Stierkampfes und für eine Aufwertung der Rechte der Tiere. Ob damit die lange, blutige Tradition der corrida de toros auf Mallorca und seinen Schwesterinseln tatsächlich beendet ist, bleibt abzuwarten. Tierschützer jedenfalls feiern diesen Parlamentsbeschluss als einen wichtigen Etappensieg.

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Hier lesen Sie mehr über den Ablauf eines Stierkampfes: Stierkämpfe auf Mallorca