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Die Siurells von Mallorca


Mallorca Siurell Paar © by reisebuch.de
Mallorquinisches Siurell Paar © by reisebuch.de

Das Siurell (von Spanisch silbar , und Katalan: siular = pfeifen) ist ein mallorquinischer Ziergegenstand aus Keramik, der eine Pfeife beinhaltet. Ursprung und eigentliche Bedeutung sind unbekannt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Siurells als Spielzeug genutzt und dienten als Andenken an Familienfeste wie Geburtstage, Hochzeiten und Kommunionen.

Das Zentrum der Siurells und ihrer Herstellung ist die Gemeinde Marratxí auf Mallorca. Allein schon wegen der jährlich stattfindenden Töpfermesse „Fira del Fang“, doch vor allem befinden sich hier die größten und ältesten Töpferwerkstätten der Insel. Auch in anderen Orten wie in Inca, Llubí, Felanitx, Sineu, Artà, Santa Maria und Consell werden Siurells gefertigt, oft in Töpferfamilien, die die Tonpfeifen schon seit Generationen herstellen. Das Ausgangsmaterial ist „llamuga“, eine Art Ton, der nur einfach gebrandt  und anschließend gekalkt wird. Somit ist die Grundfarbe der Tonfigürchen immer weiss. Je nach Herstellungsort werden sie aber mit verschieden farbigen Strichen, Flecken, Punkten und Kreisen verziert: So zum Beispiel mit Blau und Gelb, wenn die Figur aus Inca stammt, und mit Grün und Rot, wenn sie in Marratxí gefertigt wurde.  

Die Siurells bergen eine Pfeife, manchmal auch zwei. Traditionell stellten die Figuren Reiter und Frauen da und Wesen aus der Mythologie, wie Teufel, Hunde mit zwei Beinen, Pfauen und Maultiere mit Flügeln. Aber auch Tiere, die es tatsächlich gibt, und Kinder finden sich unter den alten Siurells.
Die Siurell-Herstellung blüht auch heute, zu den Figuren zählen nun Fußballer und Torreros, Autos, Flugzeuge, Fahr- und Motorräder u.a. Siurells zieren Kinder- und Wohnzimmer und haben selbst in den Kirchen Mallorcas Einlass gefunden, als Krippenfiguren, die allerdings keine Pfeife beinhalten, wohl um die Distanz zum heidnischen Ursprung deutlich zu machen.

Im Jahre 1938 wurden bei archäologischen Ausgrabungen in Palma Figuren gefunden, die den heutigen Siurells ähneln, und auf das XII. oder frühe XIII. Jahrhundert datiert werden. Ob die Tonfiguren jedoch ursprünglich aus Mallorca stammen oder aus Kreta oder Sardinien mitgebracht wurden, ist nicht geklärt. Auch in Südamerika, Dänemark, Russland und Portugal gibt es Figuren, die den mallorquinischen Siurells ähneln.



Mallorca Siurell © by reisebuch.de
Siurell © by reisebuch.de

Weit verbreitet ist die These, dass die Siurells auf Mallorca vor Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielten: Ihr Pfeifton sollte die  zerstörerischen Winde der Insel bezwingen. Diese Theorie inspirierte den britischen Schriftsteller Robert Graves, der in seinem Werk „The white Goddess“ den verschiedenen Siurells griechische Gottheiten zuordnete. Auch der Maler und Bildhauer Joan Mirò war ein begeisterter und wohl der prominenteste Sammler der mallorquinischen Tonpfeifen. In einigen kunsthistorischen Studien wird untersucht, in wieweit die mallorquinischen Zierfiguren Vorlage seiner Skulpturen waren.
 
Gerade weil sich die Siurells weder auf einen Ursprung noch auf eine Bedeutung festlegen lassen, werden den Figürchen immer wieder neue Funktionen zugeordnet. So heisst es, dass die Tonpfeifen zum Flirten benutzt wurden: Ein verliebter Junge brauchte demnach seiner Auserwählten nur ein Siurell zu schenken, um zu wissen, ob er sich Hoffnungen machen dürfe. Bließ sie bei der Übergabe darauf, standen die Chancen gut, ließ sie es achtlos fallen, schlecht.



Mallorca Siurell Gruppe © by reisebuch.de
Gruppe von Siurells © by reisebuch.de

Siurells finden sich auch in mallorquinischen Sprichwörtern. Ein Sprichwort, das davor warnt, zu großzügig zu sein, lautet sinngemäß folgendermaßen: Wenn dich einer fragt: „Gehst du zum Markt- bringst du mir ein Siurell mit?“ Dann antworte ihm: „Wenn du mir Geld gibst, wird das Siurell pfeifen, wenn nicht, pfeift es nicht!“

Die mallorquinische Tageszeitung „Ultima Hora“ verleiht seit 1964 den „Siurell de la Plata“, den silbernen Siurell, an verdienstvolle Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und sozialem Leben. 1993 war Ex-König Juan Carlos I der Preisträger.  

(http://www.infomallorca.net/turismo/categorias/ficha.de.html?cc=147)