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Stierkampf - Corrida de Toros


Stierkampf © by siyublog flickr.com
Mallorquinischer Stierkampf © by siyublog flickr.com

Ein Thema gesamtspanischer, aber ebensogut mallorquinischer Kultur ist der Stierkampf, die Corrida de Toros: Nach einem festgelegten Ritual werden sechs Stiere von drei verschiedenen Toreros getötet. Zu Beginn steht der Einmarsch der Toreros mit ihren Helfern, den Capeadores, Picadores und Bandilleros. Ist der Stier losgelassen, erfolgt zunächst die Reizung, danach eine gewisse Erschöpfung seiner Angriffslust durch die Capeadores.

Mit Hilfe ihrer schwarz-roten Capas, unter denen das Tier wieder und wieder ins Leere läuft, bereiten sie den nächsten Akt der Zeremonie vor: das blutige Handwerk der Picadores, den unerfreulichsten Teil der Corrida de Toros. Hoch zu Roß stoßen sie dem Stier ihre Lanzen, die Picas, in den Nacken und fügen ihm damit tiefe, stark blutende Verwundungen zu. Dabei werden seine Nackenmuskeln durchtrennt. Er kann deshalb den Kopf nicht mehr heben und bietet dem Torero eine ungeschütztere Angriffsfläche. 



Zur erneuten Reizung nach der Schwächung durch den erlittenen Blutverlust treten die Banderilleros – oft auch bereits der Torero selbst – mit ihren 75 cm langen Spießen, den Banderillas, in Aktion. Die mit einem Widerhaken versehenen und mit bunten Bändern geschmückten Spieße werden dem heranstürmenden Stier paarweise in den Rücken gesetzt. Je näher dabei der Banderillero oder Torero dem Stier kommt und je enger die Banderillas stehen, desto größer ist der Beifall des Publikums.

Der letzte Akt dient der »kunstvollen« Tötung des Stiers durch den Matador (Töter/Schlächter), wie der Torero auch und eigentlich korrekter bezeichnet wird. Die grausame Endphase beginnt mit der Reizung des Stiers durch das bekannte rote Tuch, die Muleta, und den geschickten Ausweichschritten und -bewegungen des Matadors nach bestimmten vorgegebenen Mustern. Fachmännisch quittiert das Publikum gelungene Aktionen mit Applaus, »Fehltritte« mit Pfiffen. Oberstes Ziel des Matadors ist die Erlegung des Stiers mit einem einzigen Stoß seines langen Degens, der Estapa oder Estoque, ins Herz. Dazu gehören viel Geschicklichkeit und Kraft, da ein bestimmter Punkt im Nacken mit Vehemenz und im richtigen Winkel getroffen werden muß. Gelingt dies auf Anhieb, kennt die Begeisterung der Zuschauer keine Grenzen.

Man sollte bei Interesse nicht zögern, die Gelegenheit zum Besuch eines echten Stierkampfes zu nutzen, gleich, wie am Ende (oder schon von vornherein) das persönliche Urteil ausfallen mag. Neben der Plaça de Toros in Palma existieren Arenen auch in Alcúdia, Inca, Manacor und Muro. »Richtige« Stierkämpfe werden dort aber nur noch zu besonderen Anlässen ausgetragen. In Alcúdia finden im Sommer unblutige Kämpfe mit jungen Stieren statt. Anlässlich dörflicher Feste werden hier und dort in provisorischen Arenen auch Amateur-Corridas veranstaltet.

Das Balearen-Parlament verhängte am 9.Februar 2016 ein Stierkampfverbot auf Mallorca und den zugehörigen Nachbarinseln. Nach den Kanarischen Inseln und Katalonien sind die Balearen damit die dritte Region Spaniens, welche die umstrittene Tradition offizielle beendet hat.