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An die 300.000 Touristen besichtigen angeblich Jahr für Jahr die Kartause von Valldemossa. Nicht, weil es sich bei diesem ehemaligen Kloster um ein so grandioses Bauwerk handelt, sondern in erster Linie, weil im Winter 1838/39 der Komponist Frédéric Chopin und eine bekannte französische Schriftstellerin mit dem männlich klingenden Künstlernamen George Sand dort zwei Monate einer tragisch-romantischen und gleichzeitig skandalösen Beziehung verbrachten.

Der Nachwelt erhalten blieben die Umstände und Einzelheiten dieses privilegierten Aufenthaltes dank des von Madame Sand später veröffentlichten Buches Ein Winter auf Mallorca. Dieser literarische Reisebericht, der zugleich eine kritisch verzerrte (was die Mallorquiner angeht) wie bewundernde (soweit es Landschaft und Klima betrifft) Beschreibung der Insel ist, wurde – dem Ausflugstourismus sei Dank – zum Bestseller in allen wichtigen europäischen Sprachen.

Anfahrt und Situation

Das von Bergen umgebene Valldemossa am Fuße des Teix Gipfels ist auch ohne die Chopin-Story sehenswert. Da man für die Straßenführung von Palma Tal und Durchbruch des Torrente d’Avall nutzen konnte, erreicht man das Städtchen von Palma aus trotz seiner 420 m Höhe auf gut ausgebauter Strecke ohne Serpentinen in nur 20 min (18 km). Schon während der Anfahrt identifiziert man von weitem leicht den Klosterkomplex. Die Straße führt um Valldemossa herum zum Ziel Cartuja (catalán:Cartoixa). Große Parkplätze warten. Wer den bisweilen überbordenden Hauptbetrieb meiden möchte, kommt besser morgens gleich nach 9 Uhr oder nach 16 Uhr, wenn die Busse noch nicht da bzw. schon wieder weg sind.



Klosterkomplex

Kartause, Klosterkirche und Garten bilden eine in sich geschlossene gepflegte Anlage, die in der heutigen Form im wesentlichen aus dem 17./18. Jahrhundert stammt. Aber die baulichen Vorläufer gehen bis auf das 13. Jahrhundert zurück. Die »Zellen« der Mönche befinden sich im langgestreckten Gebäude hinter dem kleinen Park: die unscheinbaren Türen im schmucklosen breiten Gang lassen nicht ahnen, dass sich hinter ihnen Wohnungen mit Gartenterrasse und die ehemalige Klosterdruckerei verbergen.

Museum und Programme

Über die von George Sand und Chopin bewohnten Zellen entbrannte 2009 ein Streit zwischen den Erben der Zellen Nr.2 und Nr.4, der Anfang 2011 gerichtlich entschieden wurde.Denn es ging bei bis zu €5000 um viel Geld. Das Ergebnis war, dass Chopin/Sand nicht Zelle Nr.2, sondern Zelle Nr.4 bewohnt haben müssen. Auch das als Klavier des Meisters verehrte Instrument in Zelle Nr.2 war nicht das Original. Generationen von Touristen wurde also das falsche Gemach vorgeführt.

Neben den von George Sand und Chopin bewohnten »Zellen« mit dem Klavier des Meisters sind die alte Apotheke und die erwähnte Druckerei als Museu Municipal zu besichtigen. Das ist alles interessant, aber kein »Muss«, zumal nicht bei viel Andrang. Recht eindrucksvoll dagegen ist innen der Palau del Rei Sanxo, das älteste Gebäude des Komplexes (dort Mo+Do stündlich 10.30- 13.30 Uhr Folklore ). Kleine Klavierkonzerte finden Di, Mi, Fr, Sa und So ab 10.30 Uhr stündlich statt; Mo+Do nur 14.30-18.30 Uhr. Öffnungszeiten: Mo-Sa: April-Sept 9.30-18.30 Uhr. März+Oktober bis 17.30 Uhr, Februar+November bis 17 Uhr, Dezember+Januar bis 15 Uhr. So generell 10-13 Uhr (nicht Dez+Jan). Eintritt €8, Kinder/Senioren €3,70, Studenten €5,60 (Tarife bei Online-Kauf). Der Klostergarten ist frei; www.cartujadevalldemossa.com.

Blick auf die Altstadt von Valldemossa / © RKH-Verlag
Blick auf die Altstadt von Valldemossa / © RKH-Verlag Grundmann GmbH

Altstadt

Absolut unverzichtbar ist ein Rundgang durch die pittoresken Gassen der »Unterstadt«. Dabei lässt man schnell die Touristenzone gegenüber der Kartause und an der – ansonsten schönen – Plaça hinter sich, und damit auch die Mehrheit der Valldemossa-Besucher. In der Altstadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Welches Kleinod sie darstellt, erkennt man an jeder Ecke.

Costa Nord

Der amerikanische Schauspieler Michael Douglas spendierte Valldemossa vor Jahren mit dem Bau des Centro Cultural Costa Nord einen zusätzlichen Anziehungspunkt und übergab das Kulturzentrum später der Stiftung Balears Sostenible (Nachhaltige Balearen). Douglas war mit seiner ehemaligen mallorquinischen Ehefrau auf die Insel gekommen und nennt S`Estaca, eine der alten Villen des Erzherzogs Luis Salvator, sein eigen. Anfang 2015 stand sie für €35 Mio. zum Verkauf.

Das Museum zu Natur und Kultur der Nordwestküste liegt unverfehlbar an der Hauptstraße Avinguda Palma. Nach einem Kurzfilm mit dem Sponsor geht`s u.a. in den Teilnachbau der Nixe, der Yacht des Erzherzogs. Ansonsten findet man natürlich auch allerhand Informationen zur Haupthematik des Museums.

Geöffnet täglich 9-17 Uhr; Eintritt €7,50, Kinder €4,50; Tel. 971 612425. Eine freitags und samstags auch abends geöffnete Cafeteria ist ebenfalls vorhanden.

Restaurants

Die gastronomische Kapazität in Valldemossa ist immens. Zwischen Parkplatz/Bushaltestelle und Plaça Cartoixa passiert man im zentralen Fußgängerbereich (Via Blanquerna) eine ganze Reihe attraktiver Lokale, wo man drinnen wie draußen gut sitzen kann.
• Original mallorquinische Mandelmilch und heiße Schokolade wie in der Chocolateria C’an Joan in Palma gibt’s im Café Sa Foganya in der Blanquerna 5, http://www.sa-foganya.es.
• An der Plaça Ramon Llull findet man – fast könnte man sagen: natürlich – auch ein Grand Cafe Cappuccino.
• Eine immer wieder gelobte Adresse für mallorquinische Küche ist das einfache Ca`n Mario in der Altstadt (auch Hostal), in der Carrer Uetam 8; http://hostalcanmario.net.
• Der Celler Ca’n Pedro in der Avinguda Archiduque Luis Salvador unweit westlich des Busparkplatzes ist auch o.k., aber oft wegen starker Frequentierung durch Reisegruppen recht voll und auch nicht ganz billig;  www.canpedro.com.
• Wer (viel) mehr ausgeben kann/möchte, findet exquisite Küche kombiniert mit dem schönsten Blick über Valldemossa auf der Restaurantterrasse des *****Hotel Valldemossa (400 m südlich des Zentrums). Die Zufahrt von der Ma-1130 unterhalb der Stadt ist ausgeschildert, ebenso vom Zentrum aus. Tipp: Sa+So 13-16 Uhr Music Brunch, 3 Gänge €28; Fr+Sa Musik & Kerzen. Ein mallorquinisches 4-Gang-Menü kostet €46 und sollte vorbestellt werden: & 971 612 626; www.valldemossahotel.com.

Valldemossa ist Ausgangspunkt für außerordentlich reizvolle Wanderungen zu Aussichtpunkten 800 m über dem Meer und zum Gipfel des Teix.

Grundmann RKH Mallorca