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Kriminalität unter deutschen Residenten

Kleinkriminelle, die in Deutschland von Finanzamt oder Justiz gesucht werden, tauchen gerne auf Mallorca unter, denn auch wer keine fremde Sprache spricht, kann sich auf Mallorca gut zurechtfinden. Um von den deutschen Behörden nicht gefunden zu werden, melden sich in Deutschland straffällig gewordene Mallorca-Residenten in der Regel nicht auf der Insel an und arbeiten schwarz. Doch das birgt viele Risiken, denn wer sich der Erfassung durch den Staat entzieht, indem er untertaucht, kann keinen  Anspruch auf umfassenden Schutz durch den Rechtsstaat erheben. Wird beispielsweise einem Handwerker, der sich nicht angemeldet hat, die Rechnung nicht bezahlt, kann er das Geld nicht einklagen. Ein deutscher Rechtsanwalt, der auf Mallorca arbeitet, berichtet, dass deutsche Kleinkriminelle angeblich eine Parallelgesellschaft bilden, in der Selbstjustiz herrscht. Wagen würden angezündet, Villen in Brand gesteckt, weil z.B. Rechnungen nicht bezahlt worden seien.
Wer seine Geldforderungen auf friedlichem Wege eintreiben will, muss sich auf Mallorca anmelden. Und wer sich vor Gewalttaten schützen will, bezahlt (deutsche) Schwarzarbeiter am besten gleich oder beschäftigt lieber erst gar keine.

Morde an Deutschen

Immer wieder, wenn auch statistisch gesehen sehr selten, kommt es in deutschen Kreisen auf Mallorca zu spektakulären Mordfällen, die als auffallend grausam gelten. Die „Bierkönig-Morde“ im November 1997 haben wohl das meiste Aufsehen erregt: Die Opfer waren der damals 49-Jährige Manfred Meisel, sein Sohn Patrick (8) und seine Hausangestellte Claudia Leisten (31). Manfred Meisel war durch seinen Biergarten „Bierkönig“ in der Schinkenstraße an der Playa de Palma zum Millionär geworden. Er wohnte in einer Finca bei El Arenal, in der ihn Unbekannte erschossen. Obwohl der Fall mehrmals wieder aufgerollt wurde, bleibt er bis heute ungeklärt. Mord aus Eifersucht oder ein geplanter Raubüberfall, bei dem die Gangster auf eine Millionenbeute hofften, jedoch in Panik gerieten und Hals über Kopf flüchteten oder ein Akt der Rache für unbezahlte Geschäfte- alles scheint den Behörden auch heute noch möglich.

Es sei aber darauf hingewiesen, dass Mallorca im Allgemeinen als friedlich gilt, als ein Ort mit relativ wenigen Gewaltverbrechen.

Das "Drogendorf"

Spanien ist in der EU Spitzenreiter beim Konsum von Haschisch und Kokain und von Designerdrogen wie LSD und Ecstasy. In Barcelona und Madrid konnten im Frühjahr 2009 in einigen Vierteln, in denen in großen Mengen Drogen konsumiert werden, sogar Spuren von Rauschgiftpartikeln in der Luft nachgewiesen werden. Wahrscheinlich ist Drogenkonsum auf Mallorca ähnlich weit verbreitet, auch wenn die Hemmschwelle öffentlich Drogen zu nehmen, vermutlich höher ist als in den Großstädten des Festlands. Denn anders als im nahen Barcelona sieht man in Mallorcas neuer Metro nicht schon an manchen Morgen koksende Geschäftsleute sitzen.

Wer auf Mallorca ausgeht, muss keine besonders feine Nase haben, um in Kneipen und Bars den Geruch von Marihuana wahrzunehmen. In vielen Lokalen und Diskotheken treten regelmäßig Dealer an die Tische, um ihren Stoff anzubieten. Doch die größte Konzentration von Rauschgift befindet sich in Son Banya. Die Siedlung gilt als einer der kriminellsten Flecken Europas. Was kaum ein Deutscher über seine Lieblingsinsel weiß: In Son Banya, nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt, verkaufen Männer, Frauen und Kinder rund um die Uhr Rauschgift an viele tausend Menschen pro Woche.

1973 ließ die Gemeindeverwaltung Palma de Mallorca auf dem Flecken ein paar Baracken errichten, als Bleibe für wohnungslose Menschen. Vorrübergehend sollten sie hier einziehen, wie es hieß. Doch in den folgenden Jahrzehnten kamen nur noch mehr Menschen. Und die Zahl der Baracken verdoppelte sich. Die Hälfte der heutigen Bewohner lebe von ihrer Arbeit oder von Sozialleistungen, die andere widme sich dem Drogenhandel, so Eberhad Grosske, Stadtrat für Sozialwesen und Arbeit. Der Mallorquiner mit dem deutschen Namen hat nun angekündigt, die Menschen aus Son Banya 2012 umzusiedeln und das Dorf abzureißen. Wird das helfen, den Drogenhandel auf Mallorca zu schwächen?
In der Vergangenheit beschlagnahmten Polizisten, die sich nur in Hundertschaften nach Son Banya wagten, immer mal wieder Drogen, Bargeld, Schmuck und Luxusautos und ein paar Dealer gingen ins Gefängnis. Doch die Drogenhändler mit ihren weit verzweigten Familienclans wurden nur vorübergehend geschwächt. Ob sich das änderen wird, falls das Drogendorf, das die Mallorquiner ironisch „supermercado“ nennen, tatsächlich dem Erdboden gleichgemacht wird? Viele befürchten, dass sich die Drogenmaffia dann anderswo auf der schönen Insel ansiedeln wird.

Das besondere Verhältnis der Mallorquiner zum Staat

Größere Rechnungen zahlen viele Mallorquiner gerne in bar. Dagegen ist nichts einzuwenden. Als aber im Frühjahr 2007 bekannt wurde, dass in Spanien mehr als ein Viertel aller 500 Euro Scheine der gesamten Eurozone kursieren, wurden die Steuerbehörden skeptisch. Denn die zahlreichen 500 Euro Scheine sind ein Hinweis auf einen gedeihenden Schwarzmarkt. Im Visier ist seitdem die unübersichtliche Baubranche. Es wurde ermittelt, dass viele Leih-, Fremd- und Gastarbeiter cash, am Fiskus vorbei bezahlt werden. Und es heißt, dass noch größere Summen beim Immobilienkauf verschoben würden. Mallorquiner bestätigen, dass sie  beim Verkauf eines Hauses oder eines Grundstücks nur einen Teil der Summe versteuert haben, nämlich den, der per Überweisung auf ihr Bankkonto einging. Den anderen Teil haben sie in bar kassiert, ohne jegliche Abzüge.
Doch man muss nicht Eigentümer eines Hauses sein, um zu erfahren, dass die Mehrwertsteuer, die IVA, die in Spanien nur 16% beträgt, gerne nicht bezahlt wird. Bei Rechnungen über ein paar hundert Euro im Pflanzencenter, beim Möbel- oder Gebrauchtwagenkauf fordert Mallorquiner und Residenten immer wieder die gleiche Frage heraus: „Sin oder con IVA“? Mit oder ohne Mehrwertsteuer? Das muss der Kunde auf Mallorca oft selbst entscheiden.  

Nun genießen auch in Deutschland Staat und Politiker im Allgemeinen kein hohes Ansehen, und trotzdem kommen Deutsche nicht so schnell auf die Idee, die Mehrwertsteuer zu unterschlagen. Doch auf Mallorca ist es wohl schon seit jeher üblich, den Staat zu hintergehen. Es wird nicht als kriminell empfunden. Ein deutscher Jurist, der auf Mallorca arbeitet, beschreibt die Mentalität der Mallorquiner mit einem Sprichwort aus Juristenkreisen: „Una vez engañado al estado, tres años de perdon.“ Wer einmal den Staat betrogen hat, bekommt drei Jahre Absolution, so das Sprichwort.

Mallorca - Eine Terrorinsel?

So sicher wie in den Monaten Juli und August ist Mallorca selten, denn vor und während König Juan Carlos auf der Insel seinen jährlichen Sommerurlaub verbringt, nehmen Sicherheitsbeamte die Insel genau unter die Lupe. Schließlich versuchten schon einmal ETA-Terroristen den König mit einem Präzisionsgewehr auf seiner Yacht zu erschießen.
Und trotz dieses erhöhten Sicherheitsaufkommens gelang es der ETA im Juli und August 2009 Bomben zu zünden und dabei zwei Polizisten zu töten.
Nach dem Attentat wurde Mallorca im Handumdrehen abgeriegelt, der Flughafen  gesperrt und die Häfen geschlossen, so dass niemand mehr die Insel verlassen konnte. Gleichwohl blieben die Bombenleger unentdeckt. Sollten die Verdächtigen, deren Fahndungsfotos bekannt waren, gar nicht auf der Insel gewesen sein? Sollte die ETA Mitglieder auf Mallorca haben? So lautete zumindest eine Theorie, die nach den Attentaten an Tresen und Restauranttischen diskutiert wurde. Dabei kam auch die Frage auf, ob die baskische Terrororganisation wohl Sympathisanten auf der Insel habe. Und tatsächlich: Die katalanische Terrororganisation „Terra lliure“ , zu deutsch: „Freies Land“ verfolgte Ende der 70er und in den 80ern mit Bombenanschlägen das Ziel, einen unabhängigen katalanischen Staat zu errichten. (Ähnlich der ETA, die ein unabhängiges Baskenland will.) Auch Mallorquiner gehörten zur „Terra lliure“. Als sich die Organisation Anfang der 90iger auflöste, wechselten einige Mitglieder zur ETA, andere traten der Partei „Izquierda republicana de Cataluña“ bei, die auch auf Mallorca vertreten ist. Sie fordert zwar auch einen unabhängigen katalanischen Staat, ist aber eine demokratische Partei, die sich von der ehemaligen Terrororganisation deutlich distanziert. Trotzdem sollen zu den rund 10 000 Mitgliedern auch Sympathisanten der ETA zählen, so vermuten einige Mallorquiner.  
Sicher ist hingegen, dass die Anschläge der ETA weder bei Touristen noch Residenten noch Mallorquinern einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben scheinen. Mallorcas guter alter Ruf, eine Insel der Ruhe und der Sicherheit zu sein, hat sogar die Bomben der ETA überlebt.