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Mallorca Immobilienboom am Ende?


Auf Mallorca fand man bis 2008 noch im kleinsten Dorf Immobilienbüros, in größeren Orten davon gleich mehrere. Denn Fincas (so heißen hier im Maklerdeutsch alle freistehenden Häuser) waren und sind unter €500.000 kaum zu haben. In dieser Preislage gab’s aber nur was ganz Kleines oder Steinruinen mit ein paar tausend Quadratmetern und dem Recht, das Haus wieder neu aufzubauen.

Mittelprächtige Häuser von 150 m² bis 200 m² Wohnfläche in ordentlichem Zustand kosteten €1 Mio. und mehr je nach Lage, von echten Villen nicht zu reden. Auch Wohnungen hatten ein Preisniveau erreicht, dass einem schwindelig werden konnte. In Palma wurde für eine relativ einfache 60 m²- Wohnung glatt €250.000 gefordert. In Ia-Lagen zahlt(e) man bis €10.000/m². Wer bei 5% Provision ein einziges gutes Objekt im Jahr vermittelte, konnte damit mehr verdienen als mit einem durchschnittlichen Job im ganzen Jahr.

Klar, dass mancher Eigentümer, der schon vor 10 oder 20 Jahren gekauft hat, bei Verkauf bis 2007/2008 vielfach einen tollen Reibach realisiert hat. Doch wer nach der Jahrtausendwende einstieg, hatte neben enormen Anfangskosten für Makler, Notar, Grunderwerbssteuern etc. hohe laufende Kosten aus Zinsen bzw. Zinsverlust aufs eingesetzte Kapital und für hohe jährliche Grundsteuern, dazu den normalen Unterhalt und Reparaturen etc. Wenn überhaupt ein Verkaufsgewinn nach Steuern zu realisieren war, dann nur bis etwa 2007. Auf dem spanischen Festland gaben die Immobilienpreise 2007 bereits um 15% nach, in der Zwischenzeit bis über 50% nach Höchstständen 2006.

Auf Mallorca lief es entgegen Maklerdementis mit einer gewissen Verzögerung nicht anders. Preisrückgänge gäbe es nur im sog. mittelpreisigen (!) Bereich unter € 1 Mio. hieß es noch bis 2008. Aber das war einmal. Auch wer Millionen ausgeben kann, akzeptiert in einem nachgebenden Markt nicht mehr jeden Fantasiepreis. Notare berichten jedenfalls seither von dramatischen Einbrüchen bei der Zahl der Beurkundungen und von effektiv gezahlten Preisen, die oft bei weitem nicht mehr den ursprünglichen Vorstellungen der Verkäufer entsprechen. Viele Maklerbüros schlossen mangels Umsatz. Umschuldungsagenturen hatten Konjunktur.

Trotz dieser Situation gilt weiterhin: Immobilien auf Mallorca sind alles andere als preiswert. Doch die Preise fallen gebietsweise z.T. weiter. Wer warten kann, macht vielleicht noch sein Schnäppchen, allerdings nicht in 1A-Lagen. In Top-Lagen schwingen sich die Immobilienpreise allerdings seit 2015 wieder zu neuen Rekordwerten auf.