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Militärische Sperrgebiete auf Mallorca: Kein Zugang!


Selbst langjährige Erfahrung im Bergsteigen bringt nichts, wenn man den Puig Major, Mallorcas höchsten Gipfel, erklimmen will, denn der Flecken ist militärisches Sperrgebiet. Zutritt erhalten nur Menschen mit Sondergenehmigung.

Puig Major, Port de Pollença, Cap Pinar – einige der schönsten Punkte Mallorcas sind teilweise militärisches Sperrgebiet. Irgendwann einmal befanden sich die heute so begehrten Landstriche fast alle in Privatbesitz: Enteignungsurkunden und Kaufverträge, die zum Teil Jahrhunderte alt sind, lagern im Archiv der mallorquinischen Delegation des spanischen Verteidigungsministeriums. Nun werden die alten Schriftstücke zunehmend eingesehen und die Erben der ursprünglichen Besitzer ausfindig gemacht, denn das Militär kann die Nutzung vieler Sperrgebiete nicht mehr rechtfertigen und zieht sich zurück.

So geschehen bei der „Fortaleza“, einer Festung, die sich auf einer Halbinsel in der Bucht vom Port de Pollença befindet. Wegen der strategisch günstigen Lage konfiszierte der spanische Staat die Landzunge im ersten Weltkrieg. Bis 1989 wurde sie vom Heer genutzt, dann erhielten die Erben des ursprünglichen Besitzers das Grundstück zurück und verkauften es. Anfang 2011 wechselte das luxuriöse, teilrestaurierte Festungsanlage für 40 Millionen Euro erneut den Besitzer. Zuvor war das knapp 9 Hektar große Anwesen jahrelang als „teuerste Immobilie Spaniens“ mit einem Schätzwert von bis zu 125 Millionen Euro erfolglos offeriert worden.

Auch die Inselgruppe Cabrera wurde erst in den 80er Jahren für Besucher geöffnet. Seit dem ersten Weltkrieg hatte das spanische Heer die Inselchen in Anspruch genommen, welche zuvor der Familie Feliú gehörte, die sie nun, da sich das Militär weitgehend zurückgezogen hat, trotzdem nicht zurückbekommen wird, denn Cabrera ist heute ein Nationalpark – und wird von der öffentlichen Hand verwaltet. Täglich haben nur etwa 50 Personen Zugang. Viele seltene Seevögel brüten hier und Cabrera ist Anlaufstation für mehr als 150 Arten von Zugvögeln. So viel geschützte Natur gibt es auf Mallorca sonst nirgends- außer vielleicht in anderen militärischen Sperrgebieten. Das Militär auf Mallorca brüstet sich gern mit seinem Verdienst- auch wenn er völlig unbeabsichtigt war - jede Menge zum Naturschutz beigetragen zu haben.

Ein weiteres Beispiel dafür befindet sich auf der Halbinsel Victoria: der Militärstützpunkt Cap Pinar. Eine gemeinschaftliche Nutzung von Militär und zivilen Besuchern ist hier beschlossene Sache, und sollte eigentlich schon im Sommer 2010 umgesetzt sein. Doch das spanische Verteidigungsministerium beharrt darauf, mit den mallorquinischen Behörden erneut auszuhandeln, wie viele Besucher täglich kommen dürfen, wie der Besuch ablaufen soll und wer die Pflege des Caps übernimmt. Cap Pinar gehört der Gemeinde Alcúdia - und wurde vor rund 60 Jahren, während der Franco-Diktatur - dem Militär „zur Nutzung überlassen“

Auch der militärische Stützpunkt im Hafen von Pollença steht immer mal wieder zur Diskussion. Doch sehr zum Ärger Erholung suchender Gäste werden militärische Übungen mit Wasserflugzeugen hier in der friedlichen Bucht weiterhin abgehalten. Im Hafen hat das Militär auch eine Schule für Lebensretter im Meer untergebracht, in der beispielsweise Flugbegleiter spanischer Luftlinien ausgebildet werden – vielleicht das größte Argument des Militärs, um den Stützpunkt zu halten.

Und wie steht es um den Puig Major? Wie alle militärischen Stützpunkte Mallorcas ist er in das Abwehrsystem der Nato integriert. Mit der Radarstation, die 1958 erbaut wurde und die Spitze des Berges stark schädigte, kontrolliert das Militär die Luft und das wird wohl leider, trotz anders lautender Gerüchte, noch lange so bleiben.

Das Militär auf Mallorca besitzt jede Menge Immobilien und Grundstücke. Wo sie sich im Einzelnen befinden? Die Pressestelle des Militärs macht ein Geheimnis daraus und wer beim zuständigen Oberst persönlich nachfragt, wird ebenfalls enttäuscht: Auf Mallorca seien die spanische Luftwaffe, Landstreitkräfte sowie die Flotte vertreten - man solle überall dort nachfragen. Doch Nachfragen werden ignoriert. Auch auf der Generalkommandantur äußert man sich erst nach mehrmaliger Aufforderung und nennt nur die Adressen, die zur Generalkommandantur gehören: La Almudaina, der Sommerpalast des spanischen Königs Juan Carlos, gleich neben Palmas Kathedrale la Seu, zwei weitere Niederlassungen in unmittelbarer Nähe sowie die Militäreinheit für Notfälle Richtung Schloss Bellver.