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Siesta in Spanien und auf Mallorca



Plaza von Artà © if - reisebuch.de
Plaza von Artà zur Mittagszeit © if - reisebuch.de

Das Mittagsmenü in einem Restaurant mitten in Palmas Innenstadt – Salat, gegrilltes Spanferkel, Flan – war lecker, der Kaffee “Cortado” ein Genuss! Zur Krönung des Vergnügens möchte der Mallorca-Urlauber jetzt noch gemütlich Shoppen gehen. “Das kann doch nicht wahr sein”, denkt er sich , als er statt einer geschäftstüchtigen Verkäuferin eine verschlossene Ladentür vorfindet!

So oder so ähnlich ergeht es jedem Ahnungslosen, der am Nachmittag auf der Insel einkaufen möchte. Ein kleines Schild an den Läden informiert die Enttäuschten über die Öffnungszeiten: 10.00 bis 13.30 Uhr und 16.30 bis 20.30 Uhr. (Das sind die üblichen Geschäftszeiten des Einzelhandels, wobei manche Läden auch schon früher öffnen oder etwas später schließen.) Es ist “Siesta”, wobei die Spanier so eigentlich nur den Mittagsschlaf nennen. Besser trifft es “la pausa del mediodía”- Mittagspause.



Mittagspause

Während der Mittagszeit isst der Mallorquiner mit der Familie zu Hause, wenn das nicht zu weit entfernt liegt. Danach schläft er ein bisschen, zumindest in den heißen Sommermonaten, was ja sehr gesund sein soll.

Während die Siesta für die einen Inbegriff des lockeren Lebensstils mediterraner Länder ist, machen andere die lange Mittagspause für Probleme im Familienleben verantwortlich: Falls sich die Fahrt nach Hause über Mittag nicht lohnt, sind viele Beschäftigte von 9.00 bis 21.30 Uhr oder länger außer Haus und sehen ihre Kinder meist nur schlafend. Aus diesen und ökonomischen Gründen wurden schon öfter Versuche gestartet, die Siesta abzuschaffen. Im Jahre 2005 ist das sogar teilweise gelungen: Im öffentlichen Dienst in Madrid und einigen anderen Städten auf dem spanischen Festland gibt es heute nur noch eine Stunde Mittagspause.

Aber auf Mallorca gelten weiterhin eigene Regeln:

  • In den Verwaltungsgebäuden der Regierung wird von 8.00 bis 15.00 Uhr gearbeitet und so das Problem mit der Siesta einfach umgangen, denn Feierabend und Mittagspause fallen zusammen.
  • Auch die Post und viele Banken haben nur bis 14.30 Uhr oder 15.00 Uhr geöffnet.
  • Im Tourismus, dem wichtigsten Wirtschaftssektor Mallorcas, fällt die Siesta oft aus. Hier gilt nämlich der Grundsatz, dass immer dann gearbeitet wird, wenn sich Geld verdienen lässt, denn die Saison dauert nur sechs bis acht Monate und viele Dienstleistende müssen von ihren Einnahmen im Sommer ihren Unterhalt für das ganze Jahr bestreiten.
  • Kleine Lädchen am Strand und auch einige Geschäfte in der Innenstadt von Palma, Artà, Inca u.a. haben also durchgehend geöffnet. Auch Kaufhäuser wie Corte Inglés und C&A und große Supermarktketten wie Lidl und Mercadona kennen keine Siesta, hier wird bis 21.00 Uhr oder länger im Schichtbetrieb gearbeitet.


grüner Fensterladen © marvellousworld - fotolia.com
"Persianas mallorquinas" - Mallorquinische Fensterläden © marvellousworld - fotolia.com

Museen und Einkaufen

Bei den Museen gibt es die Siesta betreffend keine einheitlichen Regelungen, manche haben über Mittag auf, andere schließen.

Alle, die auf Mallorca Fuß fassen wollen, werden die Siesta schnell schätzen lernen, denn wer beim späten mallorquinischen Abendessen gegen 22.00 Uhr nicht einschlafen will, braucht die mittägliche Ruhepause. Darüberhinaus ist die Siesta besonders im Hochsommer eine Wohltat, auch wenn es vielen Besuchern der Insel nichts auszumachen scheint, bei 35 Grad im Schatten die Einkaufszonen in den Innenstädten aufzusuchen. Mallorquinern sind solche Ideen völlig fremd. Doch um Enttäuschungen vorzubeugen, sollten auch Urlauber beim Shoppen lieber auf die späteren Abendstunden setzen. Denn in den Geschäften, die über Mittag geschlossen sind, findet sich abends garantiert eine Verkäuferin, in der Saison sogar häufig noch nach 22.00 Uhr.