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Aung San Suu Kyi - Porträt einer mutigen Frau - Seite 2


Am 20. Mai 2006 traf sie sich in Rangun schließlich im Rahmen einer neuen diplomatischen UN-Mission mit dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari. Dennoch wurde sie nicht freigelassen, vielmehr wurde am 26. Mai ihr Hausarrest erneut um ein Jahr verlängert.

Während der sogenannten „Mönchsmärsche“ – der Proteste der Mönche – konnten ca. 1.000 Mönche am 22. September 2007 zu ihrem Haus in der University Avenue 54 vordringen, woraufhin sie sich– nach über vier Jahren – für eine Viertelstunde erstmals wieder der Öffentlichkeit zeigte. Nach zwei weiteren Treffen mit Ibrahim Gambari am 30. September sowie am 2. Oktober 2007 eröffnete die Junta aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit ein Gesprächsangebot, was Aung San Suu Kyi „im Interesse der Nation“ am 8. November annahm. Am 17. Oktober 2007 wurde ihr übrigens von Kanada die Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen, gegen Ende des Jahres erhielt sie am 17. Dezember vom US-Kongress außerdem die „Kongress-Medaille in Gold“.

Am 9. November 2007 war es ihr erlaubt, erstmals seit Mai 2003 erneut Mitglieder der National League for Democracy (NLD) zu treffen. Bis zum 30. Januar 2008 kam es insgesamt nur zu fünf Treffen, obwohl die zunächst von einem wöchentlichen Austausch die Rede war – NLD-Mitglieder berichteten damals, dass sie mit dem schleppenden Diskussionsprozess äußerst unzufrieden war.

Wenige Tage, bevor im Mai 2009 ihr Hausarrest ausgelaufen wäre, brachte man sie aufgrund von Missachtung der Hausarrest-Bestimmungen in das Insein-Gefängnis in Rangun. Es kam zu einem Prozess mit dem Vorwurf, dass sie zwischen 3. und 5. Mai einen US-Amerikaner in ihrem Anwesen beherbergt hätte. Im weiteren Verlauf wurde sie im August 2009 zu weiteren 18 Monaten Hausarrest verurteilt.

Ein im März 2010 von der Militärregierung beschlossenes Wahlgesetz führte dazu, dass Aung San Suu Kyi von den Parlamentswahlen am 7. November 2010 ausgeschlossen wurde, da laut diesem Strafgefangene keine Mitglieder einer Partei sein durften. Das neue Gesetz wurde zwar international kritisiert, dennoch annullierte die Regierung das Resultat der Parlamentswahl von 1990, da es mit der neuen Verfassung nicht übereinstimmen würde – damals hatte die NLD mit großer Mehrheit gewonnen.

Am 13. November 2010 wurde sie von der Militärregierung aus ihrem insgesamt 15 Jahre dauernden Hausarrest schließlich entlassen.  Nur wenig später traf sie sich mit Michelle Yeoh, die sie in dem von Luc Besson produzierten Film mit dem Titel „The Lady“ über ihr Leben darstellt. „The Lady“ – so wird die berühmte Oppositionspolitikerin in ihrer Heimat Burma, dem heutigen Myanmar, nämlich liebevoll bezeichnet, aufgrund ihrer zarten Figur und würdevollen Erscheinung, der eleganten Kleidung sowie der Blüte, die sie stets im Haar trägt. In deutschen Kinos lief der Film im Übrigen am 15. März 2012 an.

Etwas mehr als ein Jahr nach ihrer Freilassung aus dem Hausarrest, am 25. November 2011, meldete sie erneut ihre Partei an, um sich bei den Nachwahlen um Sitze im Parlament zu bewerben. Am 13. Dezember wurde die National League for Democracy (NLD) wieder offiziell für legal erklärt. Die Nachwahlen sollen übrigens am 1. April 2012 stattfinden – die Oppositionsführerin könnte dann erstmals einen Parlamentssitz erwerben, wenngleich die Macht wohl auch bei einem Erfolg für Aung San Suu Kyi größtenteils fest in den Händen der alten Machthaber bleiben wird.

Die Nachwahlen, die am 1. April 2012 stattfanden, bedeuteten einen großen Erfolg für Aung San Suu Kyi: Nach mehr als 22 Jahren Widerstand gegen die Militärgewalt in Birma wurde sie ins Parlament gewählt – die NDL freute sich über einen triumphalen Wahlsieg, welcher der Oppositionspartei 43 der zu vergebenden 45 Sitze brachte.

Das Militär verfügt zwar nach wie vor über 80 Prozent aller Sitze, aber symbolisch betrachtet hatte die Wahl einen hohen Wert: Zum ersten Mal konnte sich Aung San Suu Kyi, nach jahrelangem Hausarrest und der Verfolgung als Dissidentin, den Wählern präsentieren – ihr Wahlsieg kann als wichtiger Test für die Parlamentswahlen 2015 gelten. Schließlich strebt sie die Kandidatur als Präsident an. 

 

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