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"Der Ruf des Tokkeh" von Pain Soe Way

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Einmal kamen zwei Gäste aus seinem Geburtsort. Sie sammelten Spenden, um in ihrem Heimatdorf eine neue Ziegelmauer um das buddhistische Kloster zu bauen. Von allen Dorfbewohnern hatten sie schon Spenden gesammelt, aber es bedurfte auch noch der Spenden aller in die Stadt gezogenen Dörfler. Im Dorf hatten sie vorher festgelegt, wie viel jeder beitragen sollte, und dann von allen das Geld eingesammelt. Für die in der Stadt Lebenden war das nicht festgelegt worden, sie durften so viel spenden, wie es ihrem Wohlwollen dem Kloster und der Dorfgemeinschaft gegenüber entsprach.
Aber es wurde bekannt gemacht, wer wie viel gegeben hatte: der eine dreihundert Kyat, ein anderer fünfhundert und so weiter. Bloß einer hatte nur hundert gegeben. Und so hörte er still zu, während die beiden Gäste ihm klarmachten, dass es ja wohl auch für ihn angemessen sei, wenigstens hundert Kyat beizutragen. Schließlich musste er um Vergebung bitten – er habe gerade kein Geld im Hause und würde später jemandem, der ins Dorf fuhr, etwas mitgeben.
Er erinnerte sich auch an andere Angelegenheiten, die mit seinem Heimatdorf zu tun hatten. Als sein alter Lehrer, ein Mönch aus dem Dorfkloster, verschied, wurden Spenden für seine Totenfeier gesammelt. Auch damals konnte er nichts dazu beitragen. Vor fünf Jahren war seine Mutter gestorben. Er war ihr einziges lebendes Kind. Die Verwandtschaft hatte von ihm erwartet, dass er ihr ein Grabmal errichten solle, aber er hatte es verschoben, bis es ihm finanziell besser gehen und er wieder ins Dorf kommen würde. Bis heute war er noch nicht wieder dort gewesen. Sein älterer Bruder und seine große Schwester waren ebenfalls tot. Sein Schwager und seine Schwägerin blieben mit ihren Kindern in großen Schwierigkeiten zurück. Und obwohl es seine Pflicht gewesen wäre, für die Familie zu sorgen, konnte er dieser Pflicht nicht gerecht werden. Obwohl er gerne etwas wirtschaftlich Erfolgreiches beginnen wollte, verbrachte er Tag für Tag damit, sich lediglich vorzustellen, was er machen könnte.

Im nächsten Jahr würde sein Sohn in die vierte Klasse gehen. Das war zwar nichts Besonderes, zeigte aber, dass er groß geworden war. Seine alten Schwiegereltern drängten ihn immer wieder, ein Shinpyu-Fest für ihren Enkel zu veranstalten. Aber sie hatten auch nicht die Mittel, um den Großteil der Kosten einer solchen Feier zu übernehmen. War es nicht die Pflicht aller buddhistischen Eltern, eine Shinpyu-Feier zu veranstalten und sie in den Novizenstand zuerheben? Ist es nicht Brauch im buddhistischen Myanmar, dass jeder unablässig für die Religion spenden sollte?
Als er eines Tages aus dem Büro heimkam, bemerkte er etwas Sonderbares. Hinter seinem Haus stand ein großer, alter Pipal-Baum. Es hieß, dass dieser von einem überaus mächtigen Nat bewacht werde, den früher die Hindus verehrt haben. Gab es zuvor unter dem Baum nichts außer seinen Wurzeln, sah er, dass man nun um den Stamm des Baumes eine etwa einen Fuß breite und zwei Fuß hohe Mauer gebaut hatte. Und sie war noch nicht fertig. Es gab inder Nähe noch einen Haufen Ziegel, Kalk, Sand und Zement, um weiter daran zu bauen. Und auf der Südseite des Baumes war ein kleiner Schrein gebaut worden, um dort eine Nat-Figur aufzustellen und ihr zu opfern.

 

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