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"Der Ruf des Tokkeh" von Pain Soe Way

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Abends erklärte ihm seine Frau: „Die Leute aus dem großen Steinhaus auf der Ostseite von unserem sind gekommen und haben das gebaut. Es sei ein sehr mächtiger Nat, haben sie gesagt. Die sind so erfolgreich, weil sie diesen Baum verehrt und zu dem Nat gebetet haben, meinen sie. Und zum Dank bauen sie ihm jetzt diese Mauer und den Schrein. Sie haben ihm Räucherstäbchen und Öllämpchen geopfert und ihn um die Dinge gebeten, die sie sich wünschten. Geh du doch ab jetzt auch jeden Tag den Nat verehren und bete zu ihm!“
Von jenem Tag an gab es in dem Nat-Schrein unter dem Pipal-Baum immer Räucherstäbchen, Kerzen, Öllichte und geopferte Süßigkeiten. Aber obwohl seine Frau ihn energisch dazu drängte, wollte er den Baum nicht verehren und anbeten. Und er schämte sich, das zu tun. „Ha, wir sind doch Buddhisten. Da brauchen wir doch nicht auch noch die Nats zu verehren. Und das ist ja noch nicht mal ein myanmarischer Nat. Das ist doch einer von den Kalas, den Indern!“ sträubte er sich.
Dann wieder sah er neben dem buddhistischen Hausaltar das Porträt eines Heiligen, das der Schnitzer seiner Frau geschenkt hatte, wie sie angab. Dieser Heilige helfe jedem, der ihn anbete, hatte er gesagt, und mache ihn reich und glücklich.

Aber bis jetzt hatte er noch keinen Nutzen gebracht. Aber wie sollte er auch? Ein Heiliger mochte doch keinen Alkohol. Er aber pflegte direkt unter dem Heiligen zu sitzen und seinen Schnaps zu trinken. Und immer, wenn dann wieder eine Flasche leer und er betrunken war, entschuldigte er sich untröstlich weinend bei dem Heiligen dafür. „Herr, ich bin ein schlechter Mensch, ein völlig nutzloser Mensch. Habe schon wieder getrunken. Vergib mir und sende mir etwas als Zeichen deiner Vergebung. Weil ich betrunken und schlecht bin, gib mir nicht so viel wie den anderen. Herr, gib mir nur ein bisschen (aber auch nicht zu wenig) …!“. Und noch bevor er auch nur die Hälfte seiner Wünsche vorbringen konnte, schlief er ein.
Und so war es immer wieder dasselbe im Leben. „Geld, Geld, Geld“, pflegte er gleich einem Verrückten vor sich hin zu murmeln. Er hatte mal Nay Min Pain Soes übles Gedicht „Kein-Geld-Haben und andere Krankheiten“ gelesen. Er hatte schon viele Wege gesucht, um an Geld zu kommen. Sehr zu Buche geschlagen hatte es allerdings nicht. Einen legendären Donnerkeil aus Gold und Kupfer, der verhinderte, dass die Gewehrkugel den Lauf verließ, wenn jemand auf einen schoss, oder das magische Taubenei, das seinen Besitzer immer auf der Sonnenseite des Lebens hielt, hatte er schon versucht zu finden. Nichts davon war ihm gelungen.

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