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"Der zu viel wollte" von Hpe Myint

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Als ich „126 Kyat im Monat“ sagte, waren sie erschrocken. Nein, soviel brauchten sie mir nicht zu bezahlen. Wir einigten uns schließlich auf einen Kyat pro Tag, also 365 Kyat im Jahr. Zwei Tabakbauern versprachen, dass sie mir zusätzlich je einen Korb Tabakblätter zum Rauchen bringen würden, und mein Onkel meinte, ich könnte gerne immer bei ihm essen. Später habe ich dann jeweils in dem Haus mitgegessen, an dem ich gerade vorbeikam. Im Dorf gibt es, wenn die Ernte von den Feldern in den Bergen eingebracht ist, über sechzig Haushalte; zu der Zeit, wenn auf den Bergfeldern gearbeitet wird, wohnen aber nur vierzehn oder fünfzehn Familien im Dorf, weil die anderen sich auf ihren Bergfeldern Hütten errichten und dort oben bleiben. Als ich ankam, war die Ernte in den Bergen vorbei, alle waren im Dorf und hatten viel freie Zeit. Das Dorf war also voller Menschen. Und nach drei, vier Tagen bauten alle zusamme  eine Schule.

Natürlich nicht so, wie die Grundschulen hier aussehen. Bambuspfeiler wurden in die Erde gerammt, der Boden mit groben Bambusmatten ausgelegt und das Dach mit Bambus gedeckt. Das dauerte nur zwei Tage. Das wurde sowohl meine Schule als auch mein Wohnhaus. Zum Schlafen hatten sie mir ein Zimmerchen abgeteilt. So wohne ich in der Schule und esse mal hier und mal dort im Dorf. Im ersten Jahr kamen alle in die Vorschulklasse. Ich hatte eines der Bücher dabei, mit denen in der Schule das Alphabet gelehrt wird. Eine Schiefertafel und Griffel ließen die Dorfältesten mir von jemandem aus der Stadt mitbringen. Letztes Jahr gab es nur die Vorschulklasse, dieses Jahr eine Vorschulklasse und eine erste Klasse und bald, wenn die Schulferien vorbei sind, wird noch eine zweite Klasse dazukommen.“ „Wenn du jetzt hier bist, macht also die Schule zu, richtig?“ – „Ja, genau. Wir machen gerade zwei Monate Sommerferien. Es ist alles wie in den staatlichen Schulen: Zu Thadingyu’, dem Lichterfest im Oktober, gibt es zehn Tage Ferien, im Dezember auch zehn Tage, jetzt im Sommer zwei Monate und während des Tasaundain-Monats findet auch eine Zeremonie zur Ehrung der Lehrer statt.“ „Ha, da müssen sie ja dich ehren… .“

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