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"Die Früchte der Bosheit" von Thu Maung

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Das war so:
Maung Than, selbst sehr fleißig, konnte nicht leiden, wenn seine Leute müßig waren. Besonders schlimm für ihn war Schlafen während der Arbeitszeit. Wenn jemand um die Mittagszeit ein Nickerchen hielt, war er erbost. Er selbst wurde auch mittags nicht schläfrig. Sogar auf langen Reisen döste er nicht. Er hatte Anweisung erteilt, dass sowohl seine Haushaltsmitglieder als auch seine Arbeiter nicht einnicken dürfen.
Eines Tages war er geschäftlich außer Haus gegangen. Da es ein Uposatha-Tag war, hatte Bu Di schulfrei und stellte zu Hause Puder her. Mittags war es heiß, und so legte sie sich beim Verpacken des Puders ein Weilchen hin und schlief ein. Genau in diesem Moment kam Maung Maung Than unerwartet zurück. Was tat nun Than Nyunt? Ihm, wie andere Leute es tun würden, einen Wink geben,
dass seine Frau schläft? Aber nein! Than Nyunt war gerissen. Flugs lief sie zu Bu Di, legte sich neben sie und stellte sich schlafend. Als Maung Than die Schwägerinnen so einträchtig schlafen sah, bekam er einen Wutanfall und tobte. Und als Bu Di sich mühsam aufrappelte, tat Than Nyunt es ihr nach. Hätte allein die Schwester geschlafen, hätte Maung Maung Than das mit einem kleinen Rüffel bewenden lassen können, ebenso, wenn es allein die Frau gewesen wäre. Dass aber beide so einmütig schlummerten, wurde für ihn zu einem nicht tolerierbaren Problem. Natürlich schimpfte er vor allem mit der Schwester, sie hätte es vorgemacht.
Damit hatte Bu Di Probleme. Sie wagte weder, auf Seiten ihres Mannes zu stehen, noch, ihrer Schwägerin zu helfen. Also fühlte sie sich schuldig. So entzündete sich aus nichtigem Grund ein Streit zwischen den Ehepartnern, bei dem ein Wort das andere gab bis hin zur Scheidungsdrohung. Die an sich immer ruhige Bu Di war aufgebracht wie noch nie, weil die Schwägerin ihretwegen ausgeschimpft wurde. Dieser Streit schlug dann noch ziemliche Wellen in ihren Kreisen. Than Nyunts Plan war also wunderbar aufgegangen. Die arme Bu Di wagte mittags gar nicht mehr, die Augen zu schließen. Maung Than hatte sie nämlich damals sehr verletzt, indem er sie mit einer Statue auf der Shinbin Nankain Pagode verglich. Diese liegt auf dem Rücken und tropft ständig. Das gemein Anzügliche war, dass ein Wort, das genauso lautet wie „Tropfen“, „seelig schlummern“ bedeutet. Das war beleidigend.

Von da an wagte die arme Bu Di nicht einmal mehr unbefangen zu schlafen, wenn sie gemeinsam mit ihrem Mann ruhte. So wurde eine unbedeutende Kleinigkeit auf die Dauer zu etwas Wichtigem, wuchsen sich Zänkereien zu Feindseligkeit aus. Es war nichts Besonderes mehr, dass sich die Eheleute oft wegen Lappalien in den Haaren lagen. Trennen aber konnten sie sich nicht. Waren da nicht die Kinder? Wo sollte man sich wohlfühlen, wenn nicht im eigenen Heim? Auch Than Nyunt legte es nicht auf eine Scheidung an. Schließlich hatte ihr Bruder ein Gesicht zu verlieren. So lebten sie dahin und wurden miteinander alt. Kinder kamen, sogar drei Enkel. Aber Maung Than und Bu Di hatten bis ins hohe Alter hinein keine guten Beziehungen zueinander. Zwar ging es nicht mehr so hoch her wie in jungen Jahren, aber sie regten sich ständig über die Schwächen des anderen auf. Weil Than Nyunt nun Großenkel hatte, gewann sie an seelischer Reife. Ihre spitzen Bemerkungen allerdings steuerte sie weiter bei.

 

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