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"Die Früchte der Bosheit" von Thu Maung

Als Than Nyunt vom Tod Bu Dis erfuhr, war sie ein wenig schockiert. Trauer allerdings kam nicht auf. Geliebt hatte sie sie nicht. Sogar einen Anflug von Freude mag sie empfunden haben. Sie waren zwar keine Feinde, aber Schwägerinnen, die einander von Anfang an nicht mochten. An Bu Di lag das nicht, sie liebte ihre Schwägerin sogar. Aber Than Nyunt lehnte sie irgendwie ab.
Woher das kam, aus welchen früheren Existenzen, wusste sie nicht. Es war
eben so, dass sie den Anblick von Bu Di nicht ertragen konnte, seit sie diese zum ersten Mal gesehen hatte. Sagen wir, seit Maung Than und Bu Di miteinander gingen. Wahr ist: Than Nyunt liebte ihren jüngeren Bruder sehr. Da war es ihr nicht recht, wenn er sich mit Frauen abgab, und es gefiel ihr nicht, wenn er ein Mädchen aufmerksam ansah. Da die Eltern von Maung Than und Than Nyunt sehr früh gestorben waren und die Geschwister inmitten dieser Welt verloren zurückgelassen hatten, waren sie einander sehr zugetan.
Während die Geschwister sich mit einem kleinen Straßenladen mühsam durchschlugen, Than Nyunt noch für Stücklohn nähte, Maung Than Puder verkaufte und als sie dann mit etwas Wohlstand rechnen konnten, fiel sein Auge auf Bu Di. Natürlich machte sich die arme Than Nyunt Sorgen, dass sich jemand sowohl in ihre Liebe als auch ins Geschäft drängen würde. Schlecht war Bu Di nicht. Als Grundschullehrerin hatte sie Einkommen und Würde, war aber nicht so wohlhabend wie Than Nyunt.
Verhindern ließ es sich nicht, weil für Maung Than alle außer Bu Di wie Reiskleie waren – minderwertig. Verwandte und Nachbarschaft waren einverstanden. In der Tat hat Than Nyunt das auch nicht unterlaufen. Dass sie nicht einverstanden war, schluckte sie runter, sagte es nicht einmal Maung Than, auch nicht andeutungsweise. Und dass sie die diversen Hochzeitsangelegenheiten gerichtet hat, geschah durchaus mit Hintersinn. Sie hat es ziemlich geschickt angestellt und ihre Tücke dabei völlig kaschiert. Nicht einmal Bu Di, um die es ging, ließ sie es merken, geschweige denn Maung Than. Zum Beispiel: Maung Than liebte Bu Di zwar, aber sein Naturell war sehr aufbrausend. Brüllte plötzlich los. Was machte nun Than Nyunt? Wenn Bu Di auch nur einen kleinen Fehler begangen hatte, nicht der Rede wert, beschwichtigte sie ihn im Voraus: „Schimpf nicht, schnauze sie nicht an, sie tut mir Leid, meine kleine Schwägerin.“ usw. und heizte ihn mit diesen unnötigen Vorhaltungen nur noch mehr an.

Der Mensch ist nun mal so: Sagt man ihm: „Mach das nicht!“, dann will er es um so mehr. Also sagte er: „Halte dich raus, Schwester!“ und wütete ohne jede Notwendigkeit. Dann nahm sie noch für die Schwägerin Partei und widersprach ihm. Damit stachelte sie ihn weiter an. Feuer schüren, nennt man das. Wie aber sah das die Nachbarschaft? Die Schwägerinnen halten zusammen gegen Maung Than, sagte man, und lobte Than Nyunt.
Es gab noch eine andere Hinterlist. Vor Maung Than verhielt sie sich zu ihrer Schwägerin recht distanziert, weil nämlich Maung Than überflüssiges Getue und Affektiertheit nicht mochte. Distanziertheit gegenüber seiner Frau nur hielt er für eine stabile, nicht oberflächliche Beziehung. In seiner Abwesenheit hingegen schwatzte sie locker mit ihr, stellte dabei besonders seine Schwächen und Defizite heraus. In den Augen des Umfelds aber war sie ein wirklich gutes Mädchen. Einmal hatten Maung Than und Bu Di eine schwere Auseinandersetzung. Es ging nicht um ein großes Problem – kleiner Anlass, große Wirkung.

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