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"Die Nacht aus dem Meer ist eine Padaukblüte" von Zaw Zaw Aung

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Möge ein Gedicht bloß ein Gedicht sein, sie versteht auch nicht, wenn ich sage, dass es keinen Reim braucht. Und wenn ich sage, dass manche Menschen nichts als Leere im Kopf haben, versteht sie es nicht. Und wenn ich ihr sage, dass ich sie sehr liebe, versteht sie es nicht. Ich verstehe nicht, warum ich dieses Mädchen mit den schmalen Augen und dem doppeltem Eckzähnchen, das Riemchensandaletten mag und wunderschöne Zehen hat, so sehr liebe. Von der Veranda des Bau-Bungalows am äußersten Rand hat sie mit mir zugeschaut, wie die Sonne im Meer versinkt. Damals hat sie ihren Kopf an meine Schulter gelehnt. Das langärmlige Männerhemd umhüllte gierig ihren winzigen Körper. Ich glaube, ich verstehe, warum Mädchen weite Männerhemden mögen. Das Hemd war ziemlich feucht. Weil von ihrem duftenden kurzen Haar nach dem Bad Wassertropfen rannen, glaube ich. Der frische Duft ihres Körpers kreuzigte den Menschen namens Zaw Zaw Aung auf der Stelle und nahm ihm den Atem.

Als die Sonne untergegangen war, schillerte die Wasseroberfläche von Maungmakan sonderbar. Die hundert Feuer in meiner Brust brennen friedlich. Die Liebe lebt vom Licht. Am Strand von Maungmakan schimmerte das Licht der Liebe. Der weiche, feuchte Sand war noch warm. Unser Altersunterschied war genau zwanzig Jahre, drei Monate und vier Tage. Als ich leidenschaftlich ihren kleinen Körper umfing, ging am östlichen Horizont der Mond auf. Sie nannte mich „U Zaw Aung“. Das war lachhaft. Aus dem Meer tauchte ein Fels auf. Ein rotbärtiger Kiebitz rief drei Mal seinen Namen und flog vorbei.
Die Wellen schlugen unaufhörlich an Land. Der eintönige Klang der Wellen wurde allmählich tosend. Auf dem nassen Sand waren die verschnörkelten Spuren der Strömung zu sehen. Das Mondlicht umfasste den dunklen Felsenvorsprung. Ich hörte undeutlich, wie die Elektroorgel ausprobiert wurde. Sie spielte eine Melodie ohne Text. Mir war nicht klar, dass es das Reyamun- Pa’pyouaus dem Stück „Meeresrauschen“ war. Als sie fragte: „Was bedeutet „Ich liebe dich.“, U Zaw Aung?“, habe ich nicht über eine Antwort nachgedacht. Ich wusste nur, dass die Frage lächerlich war. Betäubender Fischgeruch hing in der Luft. Der Duft des welkenden Jasminkranzes, den ich am Morgen in Dawei gekauft hatte, mischte sich mit dem Fischgeruch. Im Duftstrudel, der am Zusammentreffen beider Gerüche entstand, versank ich. Das Mädchen mit der hellen Haut, den schmalen Augen, dem doppelten Eckzähnchen und Füßchen, denen Riemchensandaletten am besten in Myanmar standen, verwirrte mich total. Rasendes Begehren ergriff von mir Besitz.

 

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