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"Ein Sitzplatz" von Lai Twin Thar Saw Chit

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Maung Kyaw hätte sich auch gerne hingesetzt. Aber sich anlegen wollte er nicht. Gierig sein macht einen schlechten Eindruck. Er sah sich um. Der Junge, der die Geräusche imitiert hatte, war nicht mehr da. Während er sich um einen Sitzplatz bemühte, hatte er nicht mehr auf die Geräusche und das Gelächter geachtet. Da Maung Kyaw nicht mehr neben diesem dreisten Menschen stehen wollte, ging er weiter nach hinten. Hier war er jetzt der einzige, der noch stand. Niemand war da, der ihm einen freiwerdenden Platz wegschnappen würde. Drei Stationen musste er noch fahren. In der Zwischenzeit würde bestimmt noch einer der in seiner Umgebung Sitzenden aufstehen. Und wenn er sich dann setzen könnte – sei es für eine Station oder auch nur eine kurzen Augenblick – das wäre ein Genuss.

 

In Kyau’Yei-Twin stand niemand auf. – „Hm, … ob die ihr ganzes Leben im Zug verbringen wollen?“ Maung Kyaw sah die Sitzenden an und war unzufrieden. Erst in Wei-Bagi stieg dann einer aus. Maung Kyaw hatte endlich einen Sitzplatz. Zufrieden lächelte er. Er stellte seine Tasche, die er in der Hand hielt, auf den Schoß und lehnte sich entspannt zurück. Als der Zug anfuhr, wehte ihm die Luft durch das Fenster entgegen. Sein schweißnasser Körper genoss die Kühle. Tat das gut…Sie ließen die grünen Bäume neben den Gleisen hinter sich zurückund überquerten die Brücke über den Bach, der die Bezirke Nord Okkalapa und Mingaladon voneinander trennte. Dann sah er Qualm,der aus einem hohen Schornstein aufstieg. Oh, der Yei-Wei Friedhof…Das war der Schornstein des Krematoriums. Dahinter lag die Station Mingaladon, wo Maung Kyaw aussteigen musste. „Hhm.“ Maung Kyaw seufzte und stand auf. Wo er sich doch gerade erst hingesetzt hatte… Die Bahn fuhr in den Bahnhof von Mingaladon ein. Maung Kyawtrennte sich von seinem Sitzplatz und stieg aus. Die Stadtringbahn aber dreht weiter ihre Runden.

 

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