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"Hässliche" von Khin Khin Htoo

 

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Die Familie meines Herrchens habe ich inzwischen sehr lieb gewonnen und sie vertrauen mir. Ich gehe mit und passe dort auf, wo Herrchens Kinder spielen oder baden gehen. Die Kinder hängen auch sehr an mir.
„Hässliche! Hässliche!“ Als ich mein Herrchen rufen höre, renne ich zu ihm. Herrchen fasst in seine Schultertasche und holt etwas heraus … oh, Rinderknochen!
„Friss schon, Hässliche. Die habe ich auf dem Markt für dich eingesammelt.“ Herrchen und seine Familie, die es so gut meinen mit mir, werde ich mit meinem Leben verteidigen, gelobe ich mir still, während ich die Rinderknochen fresse. Aber, in Wirklichkeit gibt es doch so viele Dinge, an denen ich überhaupt nichts ändern kann. Wenn Herrchens Familie keinen Reis mehr hat und die Kinder vor Hunger weinen, kann ich überhaupt nichts dagegen machen. An den Tagen, wo ich selbst kein Reiswasser zu trinken bekomme, tut mir Herrchens Familie Leid, und ich bin traurig. Und, während ich so traurig bin, kommt unerwartet etwas, das mir das Herz bricht: Herrchens Familie muss umziehen. Die Häuser der Siedlung, wo sie wohnen, werden abgerissen. Herrchen, werdet ihr mich mitnehmen? Bitte, lasst mich nicht zurück.
Obwohl ich mich an Herrchens Beinen reibe, kann er mir keine Aufmerksamkeit widmen. Er arbeitet verbissen, um alles zu schaffen, was er tun muss. Ich mache mir solche Sorgen. Aufgeregt laufe ich hin und her. Niemand scheint mich zu beachten.
Oh… Ein großer Lastwagen kommt, um die Sachen von Herrchens Familie aufzuladen. Die Erwachsenen laden Dinge auf den Lastwagen und schleppen alles heran. Ich drücke mich an die Kinder, die mich umarmen. Hemmungslos lecke ihre Hände, Füße und Wangen ab.

„Kinder, steigt auf den Laster! Oh, Hässliche…“ Herrchen hat mich bemerkt. Ich gehe hin, hocke mich vor ihn und mache Männchen. Lecke seine Füße mit der Zunge ab. Kratze mit meinen Vorderpfoten an Herrchens Bein. Natürlich sage ich ihm damit „Nimm mich mit, Herrchen“!
Aber Herrchen sieht nur mit gehetzten Blicken zu seinen Kindern herüber.
„Papa, nehmen wir Hässliche nicht mit?“
Herrchen atmet tief ein und seufzt. „Oh, Hässliche. Wir wissen doch selber noch nicht, wo wir bleiben sollen. Wenn wir etwas gefunden haben, kommen wir dich auch holen. Lauf nicht weg von hier, hörst du?“
Sie werden mich also hier zurücklassen. Werden mich nicht mitnehmen. Ich weiche nicht von seiner Seite und kratze mit den Pfoten an Herrchens Beinen. Als er auf den Lastwagen klettert, kann ich ihm nicht folgen. Der Wagen fährt ab. Ich renne hinterher.
„Hässliche, bleib hier. Die Hunde aus der Siedlung da vorne werden dich noch beißen!“

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